post-title Der Goldene Reiter … | Hommage à Rainer Werner Fassbinder | Contemporary Fine Arts (CFA Berlin) | 05.10.-28.11.2020

Der Goldene Reiter … | Hommage à Rainer Werner Fassbinder | Contemporary Fine Arts (CFA Berlin) | 05.10.-28.11.2020

Der Goldene Reiter … | Hommage à Rainer Werner Fassbinder | Contemporary Fine Arts (CFA Berlin) | 05.10.-28.11.2020

Der Goldene Reiter … | Hommage à Rainer Werner Fassbinder | Contemporary Fine Arts (CFA Berlin) | 05.10.-28.11.2020

bis 28.11. | #2892ARTatBerlin | Contemporary Fine Arts zeigt derzeit die Gruppenausstellung „Der Goldene Reiter in Faustrecht der Freiheit aka Fox and His Friends“ als eine Hommage an Rainer Werner Fassbinder anlässlich des 75. Geburtstag des 1982 verstorbenen Filmemachers.

Der Goldene Reiter
in Faustrecht der Freiheit
aka Fox and His Friends

Die beste Entfernung für zwei Personen ist,
ein Meter zwanzig zu suchen,

überdrüssig der Bäume,
überdrüssig der Stadt,

Musik: Oh, sweet
nothing

Washington ist nichts
anderes, beim Drüberfliegen,
nachts, als eine Menge Funzeln in der
Dunkelheit,

und wie fällt man
in die Liebe?

und hier bin ich wieder,

abgeschnallt.

Ich bin nicht bereit zu glauben,
daß die Augen der Spiegel dessen sind, was man sieht.

Rolf Dieter Brinkmann: Westwärts (1975)

Mit Arbeiten von:

Cosima von Bonin, Cecily Brown, Genieve Figgis, Sarah Lucas, Sophie Reinhold, Dana Schutz, Elaine Sturtevant, Raphaela Vogel,Georg Baselitz, Werner Büttner, Peter Doig, Angus Fairhurst, Günther Förg, Nick Goss, Eberhard Havekost, Gregor Hildebrandt, Martin Kippenberger, Jonathan Meese, Raymond Pettibon, Norbert Schwontkowski, Dash Snow, Tobias Spichtig, Spencer Sweeney, Tal R, Wolfgang Tillmans, Herbert Volkmann, Christopher Wool

Keiner hat den deutschen Nachkriegsfilm so revolutioniert wie Rainer Werner Fassbinder (1945–1982). Die radikalen künstlerischen Bestrebungen, die er während seiner kurzen, fruchtbaren Karriere verfolgte, leben bis heute fort und sind die treibende Kraft hinter der Gruppenausstellung Der Goldene Reiter in Faustrecht der Freiheit aka Fox and His Friends. Der Impuls dieser Ausstellung, verschiedene zeitgenössische Positionen zusammenzuführen, besteht explizit nicht darin, einen von den teilnehmenden Künstlerinnen illustrierten oder kommentierten Überblick über das Leben und Werk von RWF zu geben.

Die anlässlich des 75. Geburtstages von RWF konzipierte Ausstellung entlehnt ihren Titel dem Film Faustrecht der Freiheit (1975) und inszeniert einen Dialog zwischen dem Film und zeitgenössischen Kunstwerken, der auf Assoziationen und atmosphärischen Verbindungen sowohl zu RWFs kreativen Schaffen als auch zu seiner kulturellen und politischen Gegenwart gebaut ist.

Franz Bieberkopf aka Fox, der Protagonist des Films, ist ein Antiheld der Arbeiterklasse, ein Trottel für die Liebe und ein klassischer Verlierer von Fassbinder, der seiner eigenen Romantik zum Opfer fällt. Nachdem er im Lotto gewinnt, werden seine Gefühle und Mittel ausgenutzt und schnell hat er nichts mehr übrig. Das Bewegende, Tragische und Melodramatische ist ein entscheidendes Element von Fassbinders ästhetischem Konzept, das zwischen dem Privaten und dem Politischen, dem Intimen und dem Sozialen, dem Bizarren und dem Alltäglichen schwankt und sich der Fragilität und Ausbeutbarkeit menschlicher Gefühle und dem Versagen menschlicher Beziehungen unter sich ändernden sozialen Umständen widmet.

Der direkte, plakative Stil seiner Filme wird in Form einer Ausstellung nachgeahmt, die einen Querschnitt unabhängiger Segmente darstellt, die jeweils einen Eindruck, eine Wahrnehmung oder einen Gedanken enthalten, der mit der vorausschauenden Poetik des RWF verbunden ist. Von offensichtlicheren Referenzen wie dem Porträt von Irm Hermann von Wolfgang Tillmans über subjektiv neuinterpretierte öffentliche Toiletten als Cruising-Hotspots in Raphaela Vogels Uterusland (2018) bis hin zu einer erotischen Darstellung des Vergnügens in Patrick More (2013) von Sarah Lucas, diese Ausstellung mit ihrer mosaikartigen Erzählung ist als eine Reise von Fragment zu Fragment im Hinblick auf die radikale ästhetische Verschmelzung von Sexualität, Politik und Biographie des RWF konzipiert.

Seine stark polarisierende Persönlichkeit, sein Zigaretten-, Drogen- und Alkoholmissbrauch sowie seine Stellung als radikaler Außenseiter in einer bürgerlichen Gesellschaft, bestätigen den Mythos des Künstlers als „das geniale Monster“. Dieses Klischee des einsamen Genies spiegelt sich in der Wand mit den Portraits großer Künstler wider, die als kompromisslose Figuren präsentiert werden und von Auguste Rodin und Paul Gauguin bis zu RWFs Zeitgenossen Joseph Beuys und kontrovers diskutierten Künstlern wie Jonathan Meese reichen.

So wie Brinkmanns oben zitiertes Gedicht eine Collage von Momenten ist, die die Heterogenität unserer Wahrnehmung widerspiegeln, das nicht als konsequent entwickelte Erzählung, sondern als Sprung von Fragment zu Fragment gelesen wird, so ist die aktuelle Gruppenausstellung ein subjektiver Querschnitt von zeitlich und intuitiv verwandten künstlerischen und popkulturellen Bruchstücken. Diese Auswahl von Werken ist sowohl eine Hommage an RWF, als auch ein Liebeslied an die künstlerische Praxis als Ganzes, die die Grenzen des Verständnisses der menschlichen Natur und Emotionen und ihrer Ausdrucksmöglichkeiten markiert.

Ausstellungsdaten: Montag, 5. Oktober – Samstag, 28. November 2020

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Bildunterschrift: Courtesy of Contemporary Fine Arts, Hommage à Rainer Werner Fassbinder, Exhibition View

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