post-title Chris Dreier + Gary Farrelly | Fruit Solutions | Laura Mars Gallery | 11.02.-26.03.2017

Chris Dreier + Gary Farrelly | Fruit Solutions | Laura Mars Gallery | 11.02.-26.03.2017

Chris Dreier + Gary Farrelly | Fruit Solutions | Laura Mars Gallery | 11.02.-26.03.2017

Chris Dreier + Gary Farrelly | Fruit Solutions | Laura Mars Gallery | 11.02.-26.03.2017

bis 26.03. | #1054ARTatBerlin | Laura Mars Gallery zeigt ab dem 11. Februar 2017 die Ausstellung „Fruit Solutions“ der Künstler Chris Dreier und Gary Farrelly.

The Office for Joint Administrative Intelligence präsentiert „Fruit Solutions“

Chris Dreier und Gary Farrelly haben im Jahr 2015 eine international agierende bilaterale Organisation gegründet, das „Office for Joint Administrative Intelligence“, kurz OJAI. Jedes der beiden Gründungsmitglieder bestreitet dort ein Amt, wobei Chris Dreier das Amt des „Director for Financial Research and Systemic Risk“ inne hat und vom Standort Berlin aus agiert, während Gary Farrelly den Posten des „Director for Administrative Heritage“ in der EUMetropole Brüssel bekleidet und das „Self Inventory Desk“ betreut.
Durch diese ganz besondere Methode der Selbstinstitutionalisierung und mit dem Ziel der Bürokratisierung menschlicher Erfahrungen haben die beiden Künstler zusammen ein System erschaffen, in das sie modulartig all ihre Tätigkeiten und Obsessionen einklinken, so wie man einzelne Akten in einen Registraturschrank einhängen kann. Das übergeordnete Thema für diese so ernsthafte wie humordurchdrungene Allianz liegt in der gemeinsam gepflegten Euphorie für die Moderne, sei es im Bereich der Architektur, der Infrastruktur, des Finanzwesens oder der Informationsverarbeitung – immer stehen der Fortschritt und das Rationale im Zentrum.

Das Büro als Rauminstallation: OJAI bei Laura Mars

Nachdem zwischen den Ideen Chris Dreiers und Gary Farrellys so viele Anknüpfungspunkte und Überschneidungen bestehen, ist es mehr als naheliegend, dass sie zusammen nicht weniger als ein Gesamtkunstwerk anstreben. In regelmäßigen Abständen verabreden sie sich zu minutiös geplanten Gipfeltreffen in Brüssel und in Berlin, in deren Rahmen u.a. Exkursionen stattfinden und das weitere Vorgehen des Duos geplant wird. Der zeitliche Ablauf dieser Konferenzen sowie deren Resultate werden schließlich auf der Internetseite der Organisation veröffentlicht.

Dexia Defunct

Letztes Jahr hat OJAI einen repräsentativen Anteil der Weltbevölkerung zu ihren politischen, finanziellen, romantischen und materiellen Ansichten befragt. Die Ergebnisse dieser Erhebung werden jedoch nicht ausschließlich in Form von Diagrammen und Kurven präsentiert, sie bilden darüber hinaus den Hintergrund für eine dystopische Soundperformance des Künstlerduos, das mit der Noiseband Dexia Defunct den musikalischen Ableger des OJAI betreibt. Jeder möglichen Antwort wird dabei ein Geräusch zugeordnet, das der auf elektronische Sounds spezialisierte Musiker Frank Lohmeyer in eine elektronische Datenbank eingepflegt hat. (Aufführung zur Ausstellungseröffnung)

Gary Farrelly: Director for Administrative Heritage and Self Inventory Desk

Die Kunst der Selbstinstitutionalisierung betreibt der in Dublin geborene Gary Farrelly bereits seit einigen Jahren. Macht, Kontrolle und die Frage, wie man sich als Individuum seine Autonomie bewahren kann, sind Themen, die er in seinem Werk verarbeitet. Seinen eigenen Körper betrachtet er als eine Art Staat mitsamt einer strikt gesteuerten Infrastruktur, für den er in regelmäßigen Abständen Zwei-Jahres-Pläne entwirft. Somit gestaltet sich Farrellys Leben als eine administrative Dauer-Performance. Die Dokumentation und die Ergebnisse dieser Selbstverwaltung fließen in die künstlerischen Arbeiten Farrellys ein, wobei er sich insgesamt ganz unterschiedlicher Mittel bedient, z.B. dem der Collage.
Das System, das alle Elemente bündelt und ihnen Dynamik verleiht, ist die so genannte „Mailart“. Fasziniert von straff organisierten, technisierten Abläufen, gut funktionierenden Infrastrukturen und rational koordinierten Systemen, schwärmt der „Director for Administrative Heritage“ von Bahnhöfen, Flughäfen, Flurzeugen, Fußgängertunnels und nicht zuletzt von der Post. Transportsysteme und Infrastrukturen sind nicht nur das Thema seiner Collagen, er benutzt sie auch und macht sie zu einem Teil seiner künstlerischen Dauerperformance: aufwändig adressiert und frankiert verschickt Farrelly einen Teil seiner Arbeiten, und zwar so, dass sie unverpackt durch zahllose Maschinen und Hände laufen und man ihnen ihren Weg in all ihrer Robustheit schließlich auch ansieht. Seine Collagen beinhalten einen hohen zeichnerischen Anteil und stellen
vor allem Zweckarchitektur dar, oft in Verbindung mit Tabellen und Listen. Spätestens, wenn die Briefmarken dieser oft übergroßen Postkarten abgestempelt und vielleicht sogar von einem Postboten mit einem Vermerk versehen werden, hat er sein Ziel erreicht: er hat die Grenzen zwischen fiktionaler und tatsächlicher Bürokratie aufgehoben.
Die Auseinandersetzung mit Schrift und Sprache und modularen, iterativen Systemen führte Farrelly zudem vor einiger Zeit dazu, sich mit Stickstichen auseinanderzusetzen. Mit seinem selbstentwickelten und offiziell registrierten „Quasi-autonomous Stitch“ bestickt er Postkarten seiner Lieblingsgebäude und genießt es, sich auf diese Weise ganz in die Details dieser Bauten vertiefen zu können.

Chris Dreier: Director for Financial Research and Systemic Risk

Das Experimentieren mit Musik und Geräuschen verschiedenster Art spielt eine große Rolle im künstlerischen Schaffen Chris Dreiers. Sie ist Mitglied in den Elektronik- und Noise-Gruppen Burqamachines und Spade Love und war früher bei Die Tödliche Doris. Im Jahr 2015 hat sie zudem mit Gary Farrelly das Duo Dexia Defunct gegründet, benannt nach einem leerstehenden Bankgebäude in Brüssel. Seit 1999 fotografiert und experimentiert sie mit selbstgebauten Lochkameras und thematisiert Krieg, Zerstörung und Verfall, insbesondere den Verfall von Gebäuden der Nachkriegsmoderne. In den letzten Jahren konzentriert sie sich mit ihren Recherchen verstärkt auf das Gebiet der globalen Finanzmärkte und -krisen, der speziellen Sprache der Finanzwelt, und den scheinbar undurchdringbaren, durchbürokratisierten Systemen. Die Ergebnisse ihrer Recherche zeigt Chris Dreier in Form von Fotografien, Installationen, bestickten Wandteppichen, Malereien und Gobelinstickerei. Ihre Faszination für Architektur und Wirtschaft ist zudem ein durchgehender Bestandteil
ihrer Videoarbeiten und ihrer Noise-Musik.

Auszug aus einem Text von Julia Zinnbauer

 

Vernissage: Freitag, 10. Februar 2017, 19:00 Uhr

Ausstellungsdaten: Samstag, 11. Februar bis Sonntag, 26. März 2017

Zur Laura Mars Gallery

 

Bildunterschrift: Gary Farrelly + Chris Dreier OJAI Ausstellung „Low Hanging Fruit“, Galerie Grölle, Wuppertal, 2016
Copyright Fotos: Ann-Christin Freuwörth Courtesy Laura Mars Gallery, Berlin

Ausstellung Chris Dreier + Gary Farrelly – Laura Mars Gallery – Kunst in Berlin ART at Berlin

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