bis 20.06. | #5027ARTatBerlin | Galerie Esther Schipper präsentiert ab Freitag, 1. Mai 2026 die Ausstellung Hyperarousal der Künstlerin Celeste Rapone.
Esther Schipper Berlin freut sich, „Hyperarousal“ anzukündigen, Celeste Rapones erste Ausstellung in der Galerie. Rapone präsentiert drei Gemälde, die in erzählerisch dichten Kompositionen die spannungsgeladene Schnittstelle zwischen sinnlicher Stimulation und nervöser Reizung erforschen.
Mit ihren flachen und kompakten Körpern versinnbildlichen die weiblichen Protagonistinnen der ausgestellten Gemälde den gespannten Glamour der Millennial-Angst und die libidinösen Energien, die sie antreiben. Intuitive Liebe zum Detail und ein witziger Sinn für Ironie ermöglichen es Rapone, die ihrer Generation eigene ängstliche Stimmung in mehrdeutigen, verdrehten und fast schon peinlichen Szenen darzustellen. Gefangen zwischen Unruhe und Lähmung, leben die nervösen Millennials, denen wir in ihrem Werk begegnen, in einer gewissermaßen zarten Verletzlichkeit. Hier trifft die theatralische Vorahnung des Untergangs auf die genussvolle Aussetzung seines Eintreffens. Weibliche Wachsamkeit scheint gefangen zwischen der Angst und dem Genuss potenzieller Gefahr.
Rapone malt alla prima, ohne Vorzeichnungen. Sie legt formale Vorgaben fest, indem sie eine Farbe wählt; die figurativen Elemente jeder Komposition unterliegen dabei dem Farbton. Während „Waiting“ (2025) von einer eisblauen Farbpalette durchzogen ist, greift „Loner“ (2025) auf Moos-, Oliven- und Waldgrüntöne zurück, die im Kontrast zum scharlachroten Haar der dargestellten Figur stehen. Unter der ebenso roten Nase kaut die einsame Whole-Foods-Kundin so heftig an ihren Fingernägeln, dass es scheint, als würde sie bald ihre ganze Hand verschlucken.
Während ihr linker Arm gegen den unteren Rand der Leinwand drückt, schiebt die Figur in „Waiting“ ihre linke Brust in die Armbeuge. Ein verschobener, blumenverzierter Brustwarzenabdeckung, der zugleich kokett und unbeholfen wirkt, verortet den entblößten Oberkörper zwischen Selbstbewusstsein und Verletzlichkeit. Rapone hat das Porträt in eine idyllische, fast pastorale Inszenierung eingebettet. Ein schlanker Zweig umrahmt den Kopf der Figur elegant; eine Nachtigall ruht neben einer Handvoll purpurroter Beeren. Doch die nackte Figur signalisiert mit einem leuchtend grünen Accessoire die Vorahnung drohender Gefahr: Sie trägt Pfefferspray bei sich. Wieder einmal bildet eine Digitalkamera, die direkt neben diesem gängigen Mittel zur Selbstverteidigung schwebt, einen Kontrapunkt: Sie zeugt von Neugier und der Fähigkeit, den Blick mit vollem Blitz zurückzugeben.

Celeste Rapone, Loner, 2025, oil on linen, 71 x 61 cm (28 x 24 in) (unframed), 73,6 x 63,5 x 5,1 cm (29 x 25 x 2 in) (framed) (CRA 010), Image © Nathan Keay
Das auf einer großformatigen Leinwand geschaffene Werk „Den“ (2026) setzt sich ebenfalls mit der Darstellung wachsamer Weiblichkeit auseinander. Die surreale und kantige Perspektive lässt die Komposition in einen fiktiven Raum zerfallen, der von narrativer Mehrdeutigkeit geprägt ist. Unterhalb eines industriellen Lüftungsrohrs erhaschen wir einen Blick auf vier ineinander verschlungene Figuren in sexy Nachthemden. Die manikürte Hand einer greift nach der Kehle einer anderen; zwei weitere halten sich an den Händen, die Finger ineinander verschränkt. Es ist unmöglich, diese Körper voneinander zu unterscheiden. Der Sexappeal der Szene wird jedoch durch die gelangweilten Gesichtsausdrücke der Figuren zunichte gemacht. Was auch immer von der erotischen Dynamik übrig bleibt, reibt sich an einer Wendung in der Handlung, die sich direkt unter dem oberen Rand der Leinwand befindet. Ein genauerer Blick auf das Display eines geöffneten iPads enthüllt ein angehaltenes Selbstverteidigungs-Video-Tutorial. Während die ringenden Frauen dem Tutorial folgen, verwandeln sie den drohenden Schatten des Unheils in Unterhaltung. Indem er die Komposition mit Golftees und einer 8er-Kugel spickt, macht Rapone daraus ein narratives Festmahl, das lustige Spiele, verdrehte Gliedmaßen, straffes Fleisch und zusammengedrückte Zehen serviert.
Vernissage: Freitag,1. Mai 2026
Ausstellungsdaten: Freitag, 1. Mai – Samstag, 20. Juni 2026
Ausstellung Celeste Rapone – Esther Schipper | Zeitgenössische Kunst in Berlin | Contemporary Art | Ausstellungen Berlin Galerien | ART at Berlin
