bis 13.06. | #5042ARTatBerlin | Galerie Guido W. Baudach präsentiert ab Samstag, 2. Mai 2026 (Vernissage: 01.05.) die Ausstellung Auto-Paragone der Künstler*innen Tamina Amadyar, Thomas Helbig, Andy Hope 1930, Hinako Miyabayashi und Markus Selg.
Die Galerie Guido W. Baudach freut sich zum diesjährigen Gallery Weekend Berlin eine thematische Gruppenausstellung unter Beteiligung von fünf Künstlerinnen und Künstlern aus dem Galeriegrogramm zu präsentieren. Unter dem Titel Auto-Paragone zeigen Tamina Amadyar, Thomas Helbig, Andy Hope 1930, Hinako Miyabayashi und Markus Selg je eine malerische und eine skulpturale Arbeit in Korrelation.
Der Begriff Paragone, wie er im Ausstellungstitel erscheint, stammt aus dem Italienischen und bezeichnet den sogenannten Wettstreit der Künste, jenes vornehmlich in der Zeit der Renaissance und des Barocks mit Verve ausgetragenene Ringen von Malerei und Skulptur um die vermeintliche Vorrangstellung unter den Disziplinen. Heute, da die einstige Gesinnungsfrage längst von der Tagesordnung des Kunstdiskurses verschwunden ist, lässt sich die bemerkenswerte Beobachtung machen, dass eine Mehrzahl der gelernten Maler*Innen irgendwann im Laufe ihrer künstlerischen Entwicklung auch plastisch tätig werden und in der Folge zumeist in beiden ehedem so heftig in Konkurrenz stehenden Medien parallel arbeiten – etwas, das, nebenbei bemerkt, bei Bildhauer*Innen in umgekehrter Form nur selten vorkommt. Die Ausstellung Auto-Paragone untersucht das geschilderte Phänomen anhand einer Gegenüberstellung ausgewählter Arbeiten von Künstlerinnen und Künstlern der Galerie mit entsprechend multidisziplinärer Praxis.
In ihren die Tradition der Farbfeldmalerei fortschreibenden, ebenso reduziert wie gleichzeitig großzügig angelegten Leinwandarbeiten adressiert Tamina Amadyar (*1989 in Kabul) persönliche Erfahrungen und Begegnungen, insbesondere von und mit Landschaft. Ihre oft installativen Skulpturen weisen dagegen einen eher häuslichen Bezug auf und bringen mit dem Thema Interieur auch dessen soziale Komponente ins Spiel. In Auto-Paragone zeigt Amadyar das großformatige Gemälde hydra aus dem Jahr 2025, das in seinen fließenden, einander teils überlagernden Blau- und Grüntönen die Weite und Offenheit einer seichten Küste evoziert, während die aus diesem Jahr stammende leuchtend rote Bodenskulptur balescht an einen sauber aufgetürmten Stapel kommoder Sitzkissen denken lässt.
Thomas Helbig (*1967 in Rosenheim) ist ein Künstler, dessen Arbeiten an der Schnittstelle von Volkskunst und Avantgarde mit Bezügen zu Rokoko und Barock sowie zur Romantik angesiedelt sind. Neben Gemälden und Zeichnungen von oft rätselhafter, vieldeutiger Motivik schafft Helbig auch assemblage-artige Skulpturen, die noch stärker als seine Bildwerke zwischen Figürlichkeit und Abstraktion changieren und wie Totems eines unbekannten Kultes erscheinen. Helbigs Beitrag zu Auto-Paragone bilden das Gemälde Same, 2026 – welches einerseits wie die Vermalung einer ätherischen Landschaft wirkt, zum anderen aber auch verschiedene kryptische Zeichen und weitere schwer entschlüsselbare Bildelemente aufweist, sowie die Sockelskulptur Austrian, ebenfalls 2026, die auf der Grundlage von Fragmenten von Kitsch-Figuren und Möbelstücken eine symbolträchtige Metamorphose von Putte und Schlange liefert.
In der vielfältigen Praxis von Andy Hope 1930 (*1963 in München), die von Zeichnung und Collage über Malerei und Skulptur bis hin zu Installation und Video reicht, sind Einflüsse von klassischer Avantgarde, Science-Fiction und Populärkultur zu einer unverwechselbaren Bildsprache verschmolzen. Sie kennzeichnet ein Werk, das sich in beständiger Entwicklung befindet, sich wandelt und verändert, ohne jedoch an charakteristischer Prägnanz einzubüßen. Dies zeigt sich auch an den beiden hier ausgestellten, tatsächlich schon historischen Arbeiten, der Skulptur Mok aus dem Jahr 2001, die an einen überdimensionierten Spielzeugbaum erinnert, aber auch ein Requisit aus einem dystopischen Endzeit-Film sein könnte, sowie an dem aus dem Folgejahr stammenden Gemälde Inferia, einer alptraumartigen Berglandschaft mit Raketen-Kirchtürmen und Hopes geradezu ikonografischen schwarzen Adlergeier im Zentrum.
Hinako Miyabayashi (*1997 in Hokkaido) verbindet in ihrer Praxis japanische und westliche Malereitradition. Ihre rein abstrakt anmutenden Arbeiten sind von einem tiefempfundenen, gleichsam animistischen Naturbezug geprägt. Dabei verbindet Miyabayashi immer wieder herkömmliche Werkstoffe mit innovativen, ungewöhnlichen Materialien. In jüngster Zeit ist sie dazu übergegangen, ihrem Ansatz auch in skulpturalen Arbeiten Ausdruck zu verleihen. In Auto-Paragone zeigt Miyabayashi das Gemälde A Star Hole Turning, 2026, welches mit erdgebundenen Materialien wie Kohle und Sand auf Baustellenschutznetz und Baumwolle ausgeführt ist, sowie die Steinskulptur Next to Back, 2025, deren zwei etwa gleich großen Teile an archäologische Artefakte erinnern, an Bruchstücke eines einst Ganzen, die die Künstlerin immer wieder neu und spielerisch in Beziehung gesetzt sehen möchte.
Markus Selg (*1974 in Singen) arbeitet in diversen Medien und unterschiedlichen Disziplinen daran, Natur und Technik, physische und digitale Welt künstlerisch zu versöhnen. Als Vorreiter und Protagonist einer Kunst, die mit und am Computer entsteht, insbesondere in Form von Malerei, nutzt Selg digitale Werkzeuge und modernste Druckverfahren in jüngster Zeit auch zunehmend innerhalb seiner skulpturalen Praxis, etwa in der hier ausgestellten Arbeit Thistle Relic on a Mandelbrot Plain, 2026, in der computer-generierte Fraktal-Formen ihre Verwandtschaft zum Aufbau einer getrockneten Distelblüte erweisen. Die Computer-Malerei Paradoxides I, 2022, wiederum zeigt in der Darstellung versteinerter Triboliten, eine der frühesten komplexen Lebensformen der Evolutionsgeschichte. Sie ist als UV-Druck auf Polyester ausgeführt, den Selg nachträglich noch von Hand verformt und somit das Bild gleichzeitig zum Relief gemacht hat.
Vernissage: Freitag, 1. Mai 2026, von 18:00 bis 21:00 Uhr
Ausstellungsdaten: Samstag, 2. Mai bis Samstag, 13. Juni 2026
Sonderöffnungszeiten (Gallery Weekend Berlin): Sonntag, 3. Mai 2026, 11 – 18 Uhr
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Bildunterschrift Titel: Courtesy of Galerie Guido W Baudach
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