post-title Marlena Kudlicka, Ignacio Uriarte, Diogo Pimentão | ŻAK BRANICKA | 10.09.-22.10.2016

Marlena Kudlicka, Ignacio Uriarte, Diogo Pimentão | ŻAK BRANICKA | 10.09.-22.10.2016

Marlena Kudlicka, Ignacio Uriarte, Diogo Pimentão | ŻAK BRANICKA | 10.09.-22.10.2016

Marlena Kudlicka, Ignacio Uriarte, Diogo Pimentão | ŻAK BRANICKA | 10.09.-22.10.2016

bis 22.10. | #0659ARTatBerlin |  ŻAK | BRANICKA zeigt ab dem 10. September 2016 die Gruppenausstellung „3/1/1“  mit der Künstlerin Marlena Kudlicka und den Künstlern Ignacio Uriarte und Diogo Pimentão.

ŻAK | BRANICKA ist hocherfreut, die Gruppenausstellung 3/1/1 vorzustellen, ein kollaboratives Projekt der Künstler Marlena Kudlicka, Ignacio Uriarte and Diogo Pimentão.

In unserer gegenwärtigen Welt gibt es keine reinen, unverarbeiteten Materialien außerhalb des Rahmens der Kultur, außerhalb von Sprache, außerhalb von Formen und Zeichen. In unserer gegenwärtigen Welt sind Materialien Objekte – Träger von kulturell und ideologisch vorgegebenen Bedeutungen und Szenarios. In ihrer gemeinsamen Ausstellung manifestieren Marlena Kudlicka (geb. 1973, lebt und arbeitet in Berlin), Ignacio Uriarte (geb. 1972, lebt und arbeitet in Berlin) und Diogo Pimentão (geb. 1973, lebt und arbeitet in London) dieses Bewusstsein im Hinblick auf Papier als verarbeitetes Material, als Form, als Messeinheit, als Baustein, als Werkzeug, und als Bild. Mit dem Titel 3/1/1 suggeriert die Ausstellung eine
Vielzahl von Perspektiven und Interpretationen in Bezug darauf, was wir mit Papier assoziieren, und folglich mit Zeichnung, und somit mit Repräsentation. Für Kudlicka, Uriarte und Pimentão ist ein Blatt Papier nicht bloß eine dünne Oberfläche aus Zellulosebrei, der aus Holz gewonnen wird. Noch ist es ein neutraler, transparenter, unsichtbarer Träger oder Untergrund. Für die Künstler ist es ein historisches Set an Strukturen, Formaten und Verhältnissen, die eine weite Auswahl an Aktivitäten und Verhaltensweisen beeinflussen. Für Kudlicka, Uriarte und Pimentão ist eine Zeichnung nicht nur eine substanzlose, vorläufige Skizze, welche die Umrisse eines Objekts darstellt, noch ist sie eine untergeordnete Kategorie der Malerei; Sie ist eine Aktion – ein Vorgang im realen, architektonischen, dreidimensionalen Raum.

Der Ausgangspunkt von 3/1/1 ist der internationale Standard von Papiergrößen, also die DINA Formate. Obwohl das internationale Papiergrößensystem von vielen als autogeneratives, oder sogar transzendentales Höhe-zu-Breite-Verhältnis wahrgenommen wird, ist es das Ergebnis einer bestimmten historischen Konstellation, die uns zum Deutschland des Jahres 1922 zurückführt, als das Deutsche Institut für Normung DIN 476 veröffentlichte, den Standard, der die A-Serie für Papiergrößen einführte und erst 1975 als der internationale Standard ISO 216 übernommen wurde. Für Kudlicka, Uriarte und Pimentão beginnt 3/1/1 mit der Historisierung und Relativierung des Standards der DIN-A Serie, bis zu einem Punkt, an dem sie nicht als universal und zeitlos, sondern als ein bedingtes Ergebnis bedingter Umstände angenommen wird.

f=different 3/1/1 (2016), Marlena Kudlickas Skulptur für 3/1/1, hat ihren Ursprung im Bild eines industriellen Papierschneiders. Skelettartig, linear und in gewisser Weise grafisch, umreißt die funktionsartige, geometrische Skulptur aus pulverbeschichtetem Stahl und Glas auf räumliche Art und Weise ein Höhe-Breite-Verhältnis, das die Vorstellung von Papier in Bezug auf die Typologie von Formaten thematisiert. f=different 3/1/1 ist eine plastische, selbstreferenzielle Zeichnung im Raum, die sich mit den Voraussetzungen der Zeichnung als solche
auseinandersetzt.

Die Wandinstallationen von Ignacio Uriarte führen die Erforschung von Papier und Zeichnung dieser Ausstellung in eine andere Richtung. Indem er Zeichnen nicht als ein Verfahren praktiziert, das auf Papier ausgeführt wird, sondern als eine Aktion von und mit dem Papier selbst, oder spezifischer, von und mit den Papiergrößen der DIN-A Serie, kreiert Uriarte Wandinstallationen, die aus repetitiven Anordnungen identischer Gruppen von Papier
bestehen. Dabei werden die DIN-A Serie und das ISO Papiergrößensystem als bildhauerisches Material verwendet, während der Unterschied zwischen dem Zweidimensionalen und dem Dreidimensionalen, zwischen Flachheit und Räumlichkeit verschwimmt.

Diogo Pimentãos Beiträge zu 3/1/1 artikulieren das ‚ausgedehnte Feld des Zeichnens’ der Ausstellung aus einem zusätzlichen Winkel. Seine in Graphit ‚getränkten’ Arbeiten können als Papierskulpturen (oder Skulpturpapiere) beschrieben werden, deren Bedeutung und Form sich verändern und die ständig neu definiert werden, in Übereinstimmung mit dem Standpunkt des Betrachters (wie z.B. in Walk (2015)) und mit dem Ort, an dem sie ausgestellt sind (wie z.B. in Sudden (Shape) (2015)).

Die strukturelle Logik, auf der 3/1/1 basiert, vermittelt den Eindruck einer Art endlosen Staffellaufs. Die Ausstellung ist wie eine große Laufbahn, die in drei Strecken geteilt ist. Wie auf dem Ausstellungsposter angedeutet, belegt jeder der drei Künstler einen Bereich, und die Kanten jedes Bereichs überlappen jene der anderen: Kudlickas Skulptur und Sprache dehnt sich auf Uriartes Sprache und Zeichnung aus, welches sich auf Pimentãos Zeichnung und Skulptur ausdehnt, welches sich auf Kudlickas Skulptur und Sprache ausdehnt, usw.

Auf struktureller Ebene bestimmt die Ausstellung die Diffusion jedes Bereichs an Arbeiten in die anderen vor. Während sie die Unterscheidung zwischen den individuellen künstlerischen Beiträgen ihrer drei Künstler beibehält, versucht 3/1/1, die Position des Künstlers als singulärem, souveränen Autor vorsichtig zu untergraben. Kudlickas, Uriartes und Pimentãos Experimente mit Papier und Zeichnung platzieren ihre
Arbeit in Verbindung zu Donald Judds Charakterisierung von minimalistischer Kunst als „Weder Kunst Noch Skulptur“ (1965), sowie zur „Ästhetischen Administration“ der Konzeptkunst. Zusätzlich zum Interesse an impersonalisierten Standards von Papiergrößen und deren diffuser Struktur, unterstreichen diese Referenzen die Verbindung von 3/1/1 zur Politik der Urheberschaft, doch gleichzeitig ermächtigen sie uns, zu beobachten, auf welche Art und Weise die Ausstellung die kanonischen Imperative von minimalistischer und konzeptueller Kunst missachtet, und ihrer feinen, aber unermüdlichen Bewegung zwischen Materialien und Prozessen, zwischen Leere und Fülle, Verneinung und Bejahung, Passivität und Aktivität zu begegnen.
(Text von Ory Dessau)

Vernissage: Freitag, 09. September 2016, 18 – 21 Uhr

Ausstellungsdaten: Samstag, 10. September bis Samstag, 22. Oktober 2016

Zu Zak | Branicka

 

Bildunterschrift: via ŻAK BRANICKA – 3/1/1

Ausstellung 3/1/1 – ŻAK BRANICKA – Kunst in Berlin ART at Berlin

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