post-title Thomas Zipp | Profondeville | Galerie Barbara Thumm | 12.09.–25.10.2025

Thomas Zipp | Profondeville | Galerie Barbara Thumm | 12.09.–25.10.2025

Thomas Zipp | Profondeville | Galerie Barbara Thumm | 12.09.–25.10.2025

Thomas Zipp | Profondeville | Galerie Barbara Thumm | 12.09.–25.10.2025

bis 25.10. | #4800ARTatBerlin | Galerie Barbara Thumm zeigt ab Freitag, 12. September 2025 (Vernissage: 11.09.) die Ausstellung „Profondeville“ des Künstlers Thomas Zipp.

Diese Ausstellung markiert einen Meilenstein in unserer fortlaufenden Zusammenarbeit mit dem Künstler und folgt auf seine Teilnahme an  der von uns mitkuratierten Gruppenausstellung „Anti-Pop II“, mit der wir Zipps Werk erstmals in unserem Programm vorgestellt haben.

Thomas Zipp, weithin bekannt für seinen intellektuell anspruchsvollen, multidisziplinären Ansatz, ist seit den späten 1990er Jahren eine zentrale Figur der zeitgenössischen Kunst in Deutschland und darüber hinaus. Seine Oeuvre (Praxis) umfasst Zeichnung, Malerei, Skulptur, Installation und Performance und setzt sich konsequent mit komplexen historischen Narrativen, spekulativen Wissenssystemen und psychologischen Architekturen auseinander.

In „Profondeville“ enthüllt Zipp ein eindrucksvolles Werkensemble, das seine Auseindersetzung mit den verflochtenen Felder von Erinnerung, Identität und Wahrnehmung vertieft. Das Haus – sowohl als architektnische Struktur wie als auch als Metapher – zieht sich leitmotivisch durch die Ausstellung: nicht nur als psychologischer Innenleben, sondern als durchlässiger Raum, in demm die Grenzen von Selbst, Geschichte und Bewusstseins fließend werden. In Anlehnung an Freuds Feststellung, man sein nicht länger Herr im eigenen Haus, agieren Zipps Rauminszenierungen wie kognitive Karten: fragmentiert, instabil und durchzogen von verborgen Kräften.

Der Ausstellungstitel „Profondeville“ verweist auf eine kleine belgische Stadt, die in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts durch dokumentierte UFO-Sichtungen bekannt wurde. Gerade mit diesen belgischen UFO-Sichtungen und deren Reflexionen beschäftig sich Thomas Zipp seit mehr als einer Dekade. Hier wird der Ortsname zum poetischen Resonanzraum, zu einer symbolischen Schwelle zwischen sichtbaren und unsichtbaren Welten. Diese Vorstellung gewinnt angesichts jüngster, unerklärlicher Phänomene im Luftraum, die unsere Milchstraße durchqueren und sich astrophysikalischer Deutungen entziehen, neuer Dringlichkeit. In diesem Kontext verweist „Profondeville“ auf Quanten-Zustände der Superposition, in denen mehrere Realitäten gleichzeitig existieren, bis sie durch Beobachtung festgelegt werden. Solange ihr Ursprung ungemessen bleibt, erscheinen diese Phänomene als mögliche Zeichen außerirdischer Intelligenz – eine kosmisches Fenster, um neu zu imaginieren, was real ist, was erinnert wird und woran noch zu glaubten sein könnte.

Ein Motorrad steht stumm da, trägt das Kennzeichen BN-952 – weiße Buchstaben auf schwarzem Grund. Daneben ruht eine lebensgroße Gestalt im Schlafsack, menschliche Form in friedlichem Schlummer, als träume sie den Raum ins Sein. Der Code des Motorrads gehört zu keinem bekannten Register, existiert in keinem offiziellen System, doch gerade diese Offenheit verwandelt ihn in eine Einladung: ein Zeichen, das darauf wartet, neue Bedeutungen zu empfangen. Die schlafende Gestalt stellt die wesentliche Frage: Wer bestimmt, was real ist – der Wachende oder der Träumende?

Diese kontemplative Konstellation eröffnet eine Untersuchung eines bemerkenswerten Phänomens: die systematischen UFO-Sichtungen, die zwischen 1989 und 1991 Belgiens Provinz Namur erleuchteten. Hunderte von Zeugen teilten eine außergewöhnliche Erfahrung – dreieckige Lichter, die elegant über den Nachthimmel tanzten. Doch die schlafende Gestalt neben dem Motorrad erinnert uns daran, dass die tiefsten Erkenntnisse oft in Zuständen zwischen Wachen und Träumen entstehen: Was wählen wir zu sehen? Was empfangen wir, wenn das rationale Bewusstsein ruht?

Was die Medien als Randerscheinung abtaten, offenbart sich hier als Labor menschlichen Bewusstseins. Die belgischen UFO-Dreiecke entstanden nicht als objektive Phänomene, sondern als Momente, in denen Menschen sich an der Schwelle zwischen verschiedenen Realitätsebenen befanden. Die schlafende Gestalt verkörpert diesen liminalen Zustand – ein Bewusstsein, das zwischen Traum und Wachheit wählt und dadurch neue Möglichkeiten der Wahrnehmung eröffnet.

Die Ausstellung „Profondeville“ feiert diese menschliche Kapazität zur bewussten Grenzerweiterung. Das Motorrad repräsentiert das Unbekannte; die ruhende Gestalt verkörpert unsere Fähigkeit zur empfangenden Aufmerksamkeit. Hier wird jeder Moment der Stille zu einer Einladung: Können wir das Bewusstsein erweitern? Können wir die Grenzen zwischen Möglichem und Unmöglichem durchlässiger machen?

Die Paarung von Motorrad BN-952 und schlafender menschlicher Gestalt verkörpert eine tiefe Erkenntnis: Wir müssen nicht immer wachsam kontrollieren – manchmal entstehen die wertvollsten Einsichten in Zuständen des Loslassens, der vertrauensvollen Empfänglichkeit. Der Schlafsack wird nicht zur Rüstung, sondern zur Membran, nicht zum Schutz, sondern zur Schnittstelle mit dem Unbekannten.

So entfaltet sich „Profondeville“ als Archäologie der erweiterten Wahrnehmung – entdeckend, dass die Realität mehr Dimensionen enthält, als unser Tagesbewusstsein erfassen kann. Die Installation legt nahe: Das Unbekannte wartet darauf, dass wir uns für andere Arten des Sehens öffnen – Arten, die Träume und Visionen als gleichwertige Erkenntnisquellen würdigen.

Die schlafende Figur lädt das Publikum zum Nachdenken ein: Was wäre, wenn die wichtigsten Begegnungen nicht dann stattfinden, wenn wir aktiv danach suchen, sondern wenn wir still genug sind, um das zu empfangen, was uns sucht? In diesem Licht wird sogar ein stilles Motorrad zu einem Gefäß des Staunens, und der belgische Himmel von 1989 offenbart sich als Spiegel unserer eigenen Fähigkeit zur Verwandlung.

Vernissage: Donnerstag, 11. September 2025, 18:00 – 22:00 Uhr

Ausstellungsdaten: Freitag, 12. September – Samstag, 25. Oktober 2025

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Bildunterschrift: Thomas Zipp, Profondeville, Poster 2025, Courtesy of the artist and Galerie Barbara Thumm

Ausstellung Thomas Zipp – Galerie Barbara Thumm | Zeitgenössische Kunst in Berlin | Contemporary Art | Ausstellungen Berlin Galerien | ART at Berlin

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