post-title Detlef Günther | Human Image (Lovin’ the Alien) | Andreas Reinsch Project | 25.03.-26.05.2017

Detlef Günther | Human Image (Lovin’ the Alien) | Andreas Reinsch Project | 25.03.-26.05.2017

Detlef Günther | Human Image (Lovin’ the Alien) | Andreas Reinsch Project | 25.03.-26.05.2017

Detlef Günther | Human Image (Lovin’ the Alien) | Andreas Reinsch Project | 25.03.-26.05.2017

bis 26.05. | #1175ARTatBerlin | Andreas Reinsch Project zeigt ab dem 25. März 2017 die Ausstellung „Human Image (Lovin’ the Alien)“ des Künstlers Detlef Günther.

Der moderne Mensch ist eine Erfindung – eine Erfindung, die ihren Ausgangspunkt in der Frührenaissance,
also etwa um 1420-1500 hat. Die Anfänge dieses Denkens lassen sich jedoch weiter zurück verfolgen bis zu Giotto di Bondone (1266-1337), der heute als der Begründer der Renaissancemalerei angesehen wird, und Petrarca (1304-1374), der als Mitbegründer des Humanismus gilt. Ca. 100 Jahre später verfasste Pico della Mirandola seine Rede “De hominis dignitate (Die Würde des Menschen-1486)”, in der er den Menschen als wundersames “Chamäleon” beschreibt.

Heute ca. 700 Jahre später, ist der Mensch dabei, sich neu zu erfinden:

„Der Mensch entdeckt sich als operabel. Diese radikal neue Epoche ist im Kommen. Und zwar in
allen Dimensionen: … Da ist die Werkhalle der Biologie, der Biochemie und Genetik. … Da ist die
Werkhalle der Medizin, der Pharmakologie und vor allem der Psychopharmakologie. … Da ist die
psychologische Werkhalle …, die “Gehirnwäsche” im Großen betreibt, die mit den Massenmedien
umzugehen weiß, mit elektrischen Gehirnreizen Glückseligkeit und Wohlbehagen des ganzen Körpers
hervorruft. … Da ist die soziologische Werkhalle. Hier wird das Wachstum der Menschheit
vorausberechnet, werden Pläne gemacht, Gesetze entworfen, um die Bevölkerungszahl der Erde
auf einem erwünschten Niveau zu stabilisieren. … Und endlich die politische Werkhalle: hier sitzt
die Weltregierung, getragen von den herangezüchteten Superintelligenzen, hier werden die Arbeiten
der verschiedenen Werkhallen koordiniert, die letzten Ziele entworfen und festgelegt, auf die
sich alle Arbeit am Menschen hinbewegen soll. … es ist, wie wenn auf verschiedenen Teilen eines
großen Areals gleichzeitig gebaut wird und man den Eindruck hat, daß diese Einzelbauten einmal
zu einem einzigen Bau zusammenwachsen werden, eben zur hominisierten Welt, als einer einzigen
großen Fabrik, in der der operable Mensch haust, um sich selbst zu erfinden” *1

Detlef Günther möchte, indem er an das 13 Jh. anknüpft, an einen gesellschaftlichen Wendepunkt erinnern, an dem in Europa ein neues Menschenbild erfunden wurde, welches zeitgleich einherging mit der Erfindung des virtuellen Raums, der heute unser Denken, Handeln und Fühlen dominiert und sich global manifestiert hat.

In Giottos Fresken (Capella Scrovegni – Padua/Italien) wird Landschaft und Körper geometrisiert. Ebenso stellen diese Fresken erstmalig Alltags-Details dar: Schafe, Lämmer, Bäume … und das erste Portrait der Neuzeit (Enrico Scrovegni, der den Engeln ein Modell der Kapelle überreicht). Dies ist der Beginn einer neuen Sicht auf die Welt, eines neuen Menschenbildes, welches sich in seiner Weiterentwicklung heute in einer Moralität des “selbstbezüglichen Ichs” präsentiert und Konzepte der Patchwork-Identität und des plastisch formbaren Körpers und Geistes aufweist.

Vor diesem historischen Hintergrund werden in der Ausstellung Details aus Giottos Fresken der Capella Scrovegni aktuellen Abbildungen aus Werbung, Wissenschaft und Alltag gegenübergestellt. Auf die zumeist als Einzelstücke im Siebdruckverfahren produzierten Arbeiten ist häufig als integrales Detail oder auch formatübergreifend das Symbol des Heiligenscheins gesetzt. Dieses Symbol des Heiligenscheins nimmt in Günthers Arbeiten die Bedeutung eines Platzhalters ein, der Fragen nach einer aktuellen Standortbestimmung des Menschen und seiner Lebendigkeit aufwirft.

*1 Karl Rahner – Experiment Mensch/Siebenstern-Taschenbuch Nr. 174

Loving The Alien Lyrics
(David Bowie)

Watching them come and go
The templars and the saracens
They‘re traveling the holy land
Opening telegrams

Torture comes and torture goes
Knights who‘d give you anything
They bear the cross of coeuf de leon
Salvation for the mirror blind

But if you pray all your sins are hooked upon the sky
Pray and the heathen lie will disappear
Prayers they hide the saddest view
(Believing the strangest things, loving the alien)
And your prayers they break the sky in two
(Believing the strangest things, loving the alien)
You pray til the break of dawn
(Believing the strangest things, loving the alien)
And you‘ll believe you‘re loving the alien
(Believing the strangest things, loving the alien)

Thinking of a different time
Palestine a modern problem
Bounty and your wealth in land
Terror in a best laid plan

Watching them come and go
Tomorrows and the yesterdays
Christians and the unbelievers
Hanging by the cross and nail

 

Angelika Sommer über Detlef Günther

Detlef Günther ist Trans-Media Künstler und ein Forschungspraktiker, möchte man hinzufügen, denn sein künstlerischer Horizont ist durch die Felder der Geschichte, der Anthropologie und Philosophie sowie westlicher und östlicher Religion wesentlich mitbestimmt. Er bewegt sich gegen den Zeitgeist des Destruktiven, indem er sich auf die Idee eines “integralen Weltbildes” beruft.

Seine aktuellen Themen, die sich u.a. mit den Thesen und aktuellen Auswirkungen des Humanismus und Transhumanismus beschäftigen, werden von ihm multiperspektivisch oder besser noch “integral-
aperspektivisch” durch verschiedene Medien geführt. Soll heissen: Günther geht es weniger um bloße Diversität, vielmehr wird in seinen Arbeiten das Eine in den Vielen dargestellt. Dabei fällt Günthers Fähigkeit auf, diese Vielfalt in einem Raum und Bezugsrahmen zu halten, unterschiedliche Perspektiven, Denk- oder Wertesysteme in einen Gesamtzusammenhang zu bringen.

Seit Anfang der 90ger Jahre entstehen Gemälde, Zeichnungen, Objekte, Installationen, Fotografien, Videoarbeiten und Multimedia-Environments, die Günther häufig in Gruppen und Zyklen zusammenfasst.
Je nach Ausstellungssituation setzt er einzelne Arbeiten und Medien auch variierend zueinander in Beziehung. Immer geht es ihm dabei um die Auslotung der Wahrnehmungsmöglichkeiten, um die Mehrdeutigkeit der Wirklichkeit, um die Kontextgebundenheit von Bedeutung.

Detlef Günther studierte Philosophie, Soziologie, Psychologie und Kommunikationswissenschaften an der Ludiwig-Maximilian-Universität in München und der Freien Universität in Berlin (Magister Artium
– Abschlußarbeit: Die Kunstauffassung der Kritischen Theorie). Anschließend studierte er Kunst an der UDK in Berlin (Meisterschüler). Zusammen mit Martin Assig, Klaus Hoefs, Oliver Öfelein und Jochen Stenschke gründete er die Künstlergruppe BOR. Freie Mitarbeit am Medieninstitut Berlin unter der Leitung von Prof. Dr. Arthur Engelbert an dem Forschungsprojekt „Technisches Sehen“. 1998-2000 entwickelte er als geschäftsführender Gesellschafter der Twosuns Media Development Gmbh das Interactive Environment Processing System „Enclued“ mit Anbindung an einen 3D-Motion Tracker. Aus dieser Entwicklung entstanden 2 Patente. Seit 2008 hält Detlef Günther Vorträge und Seminare an Fachhochschulen und Universitäten zum Thema „Entwicklung des Bildes und der bildgebenden Formate in Kunst und Wissenschaft“ und zum „Intelligenten Raum“.

Günthers Arbeiten sind u.a. vertreten in der Sammlung Karl Kremer (Gelsenkirchen), in der Kunstsammlung der Deutschen Bank (Frankfurt) und im Kunstmuseum Gelsenkirchen. Detlef Günther lebt und arbeitet in Berlin.

Vernissage: Samstag, 25. März 2017, 18:00 Uhr

Ausstellungsdaten: Samstag, 25. März bis Freitag, 26. Mai 2017

Gallery Weekend: Freitag, 28. April, 2017, 18:00 bis 21:00 Uhr, Samstag, 29. und Sunday, 30. April 2017, 11:00 bis 19:00 Uhr

Zu Andreas Reinsch Project

 

 

Bildunterschrift: Human Image: Erwachsenenspiele – Siebdruck, Acryl auf Leinwand, 100 cm x 70 cm, 2017

Ausstellungen Berliner Galerien: Detlef Günther – Andreas Reinsch Project | ART at Berlin

 

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