post-title Tom of Finland | The Man Behind Tom of Finland / Ecce Homo – The Preliminary Drawings | Galerie Judin | 31.01.-15.04.2017

Tom of Finland | The Man Behind Tom of Finland / Ecce Homo – The Preliminary Drawings | Galerie Judin | 31.01.-15.04.2017

Tom of Finland | The Man Behind Tom of Finland / Ecce Homo – The Preliminary Drawings | Galerie Judin | 31.01.-15.04.2017

Tom of Finland | The Man Behind Tom of Finland / Ecce Homo – The Preliminary Drawings | Galerie Judin | 31.01.-15.04.2017

bis 15.04. | #1013ARTatBerlin | Galerie Judin zeigt ab dem 31. Januar 2017 die Ausstellung „Ecce Homo – The Preliminary Drawings“ des finnischen Künstlers Tom of Finland.

Galerie Judin präsentiert die erste Ausstellung in der Galerie mit dem finnischen Künstler Tom of Finland.

Tom of Finland ist der Künstlername des Finnen Touko Laaksonen (1920, Kaarina – 1991, Helsinki). Zunächst signierte er seine erotischen Zeichnungen mit „Tom“. Erst als seine Werke 1957 erstmalig publiziert wurden, wurde das heute weltberühmte Pseudonym „Tom of Finland“ geboren. Der Name Touko Laaksonen blieb fortan der Familie und den Kollegen vorbehalten; Freunde und Fans nannten ihn nun „Tom“.

Die Zeichnungen von Tom of Finland, die in den letzten fünfzehn bis zwanzig Jahren seines äußerst produktiven Lebens entstanden sind, füllen umfangreiche und populäre Bildbände. Doch nur selten bietet sich die Gelegenheit, auch Werke aus früheren Schaffensphasen zu entdecken. Dabei erlauben uns gerade jene frühen Blätter, den erstaunlichen Aufstieg des jungen Künstlers aus der nördlichen europäischen Peripherie zur stilbildenden Ikone der globalen Schwulenbewegung nachzuvollziehen. Seine minutiös ausgearbeiteten, detailreichen Kompositionen schufen eine neue, unverwechselbare Ästhetik. Die glatten, akkurat ausgearbeiteten Blätter basieren wiederum auf Tausenden von höchst individuellen Vorzeichnungen. In schnellen, sicheren und kraftvollen Strichen ausgeführt, geben diese Skizzen einen umfassenden Einblick in die künstlerische Entwicklung Tom of Finlands.

Tom of Finland entwickelte ein Werk, das zugleich motivisches, stilistisches und gesellschaftliches Neuland betrat. Während andere Darstellungen den schwulen Mann als feminine, schwache oder gar hysterische Erscheinung abwerteten, entwarf er einen neuen schwulen Archetyp, der sich durch körperliche wie mentale Stärke auszeichnet. Seine Sexualität ist nicht schambehaftet, sie ist lustvoll und selbstbestimmt. Dieses neue homosexuelle Selbstbewusstsein sollte nicht nur die Darstellung von Männlichkeit in Kunst und Populärkultur beeinflussen, sondern auch die Emanzipation des schwulen Mannes begleiten und ihm den Respekt der heteronormativen Gesellschaft einbringen. Denn die Männer Tom of Finlands verkörpern mehr als einen bloßen sexuellen Befreiungsschlag; selbst drastische pornografische Darstellungen enthalten einfühlsame Porträtstudien. Seine neuen Männer sind somit weit mehr als die Summe ihres freizügigen und freudvollen Sexuallebens: Sie sind selbstbestimmte Individuen – stark und gleichberechtigt.

Tom of Finland ist eine schwule Ikone. Seine Zeichnungen von lustvollen und gut gebauten Männern in enger Kleidung schufen eine starke schwule Identität. Er zeichnete Männer, die gleichgeschlechtlichen Sex ohne Scham haben, ihn vielmehr mit Stolz und Selbstsicherheit genießen.

Touko Laaksonen wurde am 8. Mai in Kaarina im Südwesten Finnlands geboren. Die Eltern arbeiteten als Lehrer an einer Grundschule, in der die Familie zugleich wohnte. Künste spielten eine wichtige Rolle in der Familie. Der Vater hatte eine besondere musische Affinität und führte die Kinder als Leiter des örtlichen Chores bereits in jungen Jahren ans Singen heran. Die Mutter ermunterte die Kinder zu Handarbeit und Zeichnen.

Nach dem Abschluss des Gymnasiums 1939 nahm Touko ein Fernstudium der Werbegrafik auf – in ebenjenem Jahr, in dem der Zweite Weltkrieg ausbrach. Zu Beginn des Jahres 1940 wurde er in die finnische Armee eingezogen. Zum Ende desselben Jahres wurde er zum Leutnant, 1943 dann zum Oberleutnant ernannt. Nach dem Ende des Krieges schloss Laaksonen seine Ausbildung als Werbegrafiker ab und nahm parallel ein Studium der Musik an der berühmten Sibelius-Akademie auf. 1949 schloss er das Studium in den Fächern Komposition und Klavier ab. Als er sein Land im Krieg verteidigte, konnte Laaksonen seinen privaten Zeichnungen nur wenig Zeit widmen. Als er aber nach dem Krieg die Privatsphäre eines eigenen Raumes hatte, konnte er endlich seine Fantasien zu Papier bringen – während er sich nachts mit Männern in öffentlichen Parks und an anderen Schwulentreffpunkten in Helsinki vergnügte. Bis Mitte der 1950er Jahre wurden die „schmutzigen Zeichnungen“ – wie er sie bescheiden nannte – nie offiziell publiziert. Touko hatte sie lediglich seinen Freunden gegeben und einige Blätter fotografiert, die dann in privaten Kreisen zirkulierten. Das änderte sich 1957, als Bob Mizer erstmals eine der Zeichnungen auf das Cover seines Magazins Physique Pictorial setzte. 1973 tat er dann den entscheidenden Schritt, um sich ausschließlich seiner Kunst zu widmen: Er verließ die Werbeagentur. Die neue Hingabe an seine Leidenschaft sollte sich bezahlt machen, sie befeuerte seine Anerkennung im Ausland weiter.  Im selben Jahr, in dem er die Agentur verließ, fand auch die erste Ausstellung seiner Zeichnungen statt, und zwar im Hinterzimmer eines kleinen Erotikbuchladens in Hamburg. 1978 besuchte Tom of Finland dann endlich die USA. In jenem Jahr fanden gleich zwei Einzelausstellungen statt: eine in Los Angeles, eine in San Francisco. Und dann gab es noch eine Ausstellung in New York mit dem Künstler Etienne, die der gebürtige Kanadier Durk Dehner (*1949) veranstaltete. In den 1980er Jahren pendelte Tom zwischen Los Angeles und Helsinki. An beiden Orten arbeitete er an Ausstellungen in Europa und Amerika, Publikationen, Auftragsarbeiten und zugleich an der zeichnerischen Umsetzung seiner eigenen Fantasien.

Am 7. November 1991 verstarb der Künstler im Alter von 71 Jahren an einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD).

Die Ausstellung wird von einem umfangreichen Bildband begleitet, der gleich einem Skizzenbuch erstmals nur Studienblätter des Künstlers versammelt. Parallel zur Ausstellung in der Galerie Judin zeigt der Salon Dahlmann (Marburger Str. 3, 10789 Berlin) vom 31. Januar bis zum 6. Mai 2017 die Ausstellung Loves and Lives, die der Biografie Touko Laaksonens gewidmet ist.

Vernissage: Samstag, 28. Januar 2017, 17:00 bis 20:00 Uhr

Ausstellungsdaten: Dienstag, 31. Januar bis Samstag,15. April 2017

Zur Galerie Judin

 

Bildunterschrift: Tom of Finland (Touko Laaksonen, 1920–1991), Untitled (prep. drawing), 1970, © 1970 Tom of Finland Foundation

Ausstellung Tom of Finland – Galerie Judin – Kunst in Berlin ART at Berlin

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