post-title Norbert Kricke + Ernst Wilhelm Nay | Aurel Scheibler | 27.04.-07.07.2018 – verlängert bis 28.07.2018

Norbert Kricke + Ernst Wilhelm Nay | Aurel Scheibler | 27.04.-07.07.2018 – verlängert bis 28.07.2018

Norbert Kricke + Ernst Wilhelm Nay | Aurel Scheibler | 27.04.-07.07.2018 – verlängert bis 28.07.2018

Norbert Kricke + Ernst Wilhelm Nay | Aurel Scheibler | 27.04.-07.07.2018 – verlängert bis 28.07.2018

verlängert bis 28.07. | #2108ARTatBerlin | Aurel Scheibler präsentiert derzeit die Ausstellung Linie und Farbe mit Werken der Künstler Norbert Kricke und Ernst Wilhelm Nay.

Norbert Kricke, Ernst Wilhelm Nay: Linie und Farbe

Linie und Farbe, Fläche und Raum beschäftigten zwei der herausragenden Künstler der zweiten Hälfte des 20.Jahrhunderts in Deutschland. Der eine entwickelte aus der Linie eine neue Idee für Skulptur, indem er die Linienplastik zu einem poetischen Symbol für Raum und Zeit, für die Raumzeit erhob. Der Andere, indem er der Farbe das Primat für die Gestaltung der Fläche gab und mit seinen späten, „Elementaren Bildern“ das Ende der Moderne bedeutete.

Der Drang zum Namenlosen, zum Legen einer bloßen Spur, die mit nichts zu vergleichen ist und an nichts zu erinnern scheint, ist für Norbert Kricke (1922-1984) seit Anfang der 1950er Jahre charakteristisch. Sein Schritt vom Körperlichen zum Einfachen, Elementaren und zugleich Vieldeutigen ist radikal. Er entdeckt die Linie, die nicht mehr in den Dienst plastischer Volumina tritt. Die Linie selbst, in ihrer Ungebundenheit wird zum plastischen Medium. Mit seinen eigenen Worten: „Linie: Form der Bewegung, Bewegung: Form von Zeit, nie als Begrenzung von Fläche, nie als Kontur von Körpern – immer als raumzeigendes Phänomen, als Offenheit.“

Die Farbe hat das Bild vom Werk Ernst Wilhelm Nays (1902- 1968) im allgemeinen Bewusstsein so ausschließlich geprägt wie bei kaum einem deutschen Künstler. In unserer Ausstellung jedoch wird Nay als Künstler der Linie mit Zeichnungen aus den 1950er/1960er Jahren gezeigt, die ohne jegliches Kolorit auskommen. Nays Zeichnung kennt keine Ruhe. Sie ist stets Transformation eines Bewegten, der die ruhende Fläche mobilisiert.

ART at Berlin – Courtesy of Aurel Scheibler und die Kuenstler
Ausstellungsansicht Norbert Kricke + Ernst Wilhelm Nay

Die in den 1950er Jahren entstandenen Blätter offenbaren Nays Umsetzung musikalischer Anregungen dieser Zeit in rhythmisch gesetzten Tuschlinien: gerade Linien mit abrupten Richtungswechseln und dynamischen Pinselschwüngen überziehen die Blätter, während kleinere Tuschflecke wie Notationen ihren Klang setzen. Die Bleistiftzeichnungen von 1960/61 legen die Rotation des graphischen Getriebes offen. Enggeführte Spiralzüge machen den federnden Expansionsdrang der Scheiben sichtbar, die Ungleichgewichtigkeit innerhalb der Kreiseinheit, Ballungen stehen leeren Zonen wie Energiequanten gegenüber. Die späten Filzstiftzeichnungen von 1966 bis 1968 vollziehen einen Wandel vom Musikantischen zum Gestalthaften. Die Linienflüsse, die die aufgerichteten figuralen Reihungen begrenzen, können weich und geschmeidig, spitzzackig und rückläufig, ausbuchtend um Inseln oder zu einem Delta geformt sein. Nicht selten finden extreme Gegensätze auf einem Blatt zur Einheit. Werner Haftmann hat sie als „Lebensarabesken“ bezeichnet. Erst in diesen letzten Blättern bricht etwas Schicksalhaftes mit erschütternden Psychogrammen ein. Das Seltenste, was sich nur in Zeichnungen wie bei Klee, Kirchner, Wols findet und in den späten Skulpturen von Kricke angedeutet wird, ist die Konfession der ganz auf sich selbst zurückgeworfenen Existenz.

Eine Gegenüberstellung der farbig gefassten Skulpturen von Norbert Kricke aus den 1950er bis 1980er Jahren mit den linearen Zeichnungen von Nay ist ein schon lang gehegtes Anliegen und hier zum ersten Mal zu sehen. Sie zeigt beide Künstler, die ganz unterschiedliche Intentionen verfolgen und doch grundlegende Gemeinsamkeiten aufweisen. Während Kricke die Bewegung im Raum festhält, indem seine Linien Richtungen vorgeben und in ihrer Dynamik die Wahrnehmung vom Raum leiten, bleibt Nay der Fläche verhaftet. Sein Anliegen war es nicht, Raum zu beschreiben. Die Pole sind hier eindeutig: die Linie im Raum oder die Fläche beschreibende Linie.

Die Dynamik der Linie wird von Kricke mit bewusstem Einsatz der Farbe akzentuiert. Sie verweist nicht assoziativ auf Inhalte, sondern suggeriert Bewegung, vermag zu beschleunigen und zu verlangsamen. Sie sucht das Materielle zu überwinden und den Moment der Bewegung zu betonen. Er schreibt: „Ich fand heraus, dass Weiß und Chromgelb linear im Raum gezeigt höchsten Bewegungswert haben. Während Lineamente mit Winkeln, die zum rechten Winkel neigen, Farben der Ruhe, der Schwere wie Braun, Schwarz, Englisch-Rot und Grau etc., verlangen, verwende ich Blau sehr oft dann, wenn ich den räumlichen Wert eines Teiles oder einer ganzen Plastik besonders betonen will. Ich habe nie die Farbe aus ästhetischen oder dekorativen Gründen benutzt…“. Auch das Verhältnis von Nay zur Farbe ist von ähnlichem Bewusstsein. Er verneint kategorisch den Einsatz der Farbe zum emotionalen Ausdruck: „Die Wertung der Farbe als Gefühlswert lehne ich ab. Der Ausdruckswert des Bildes liegt in der geistigen Struktur, der geistig sinnlichen Formulierung der Fläche.“ Nay erklärt die vollkommene Ausschaltung der Illusion, einer von Künstlerhand geschaffenen Scheinbarkeit, zum Anliegen seiner Malerei. Sichtbar würde so die echte Realität der Farbe als Fläche und darin zugleich ein Anschauungsbild vom Menschen.

Beide Künstler verlieren in ihrer künstlerischen Arbeit nie das Humane aus dem Auge. Es bleibt der Bezugspunkt und Maßstab ihres Denkens. Es ist das freiheitliche Verständnis und die Möglichkeit zur geistigen Anschauung, die ihre Werke verbindet. Nay schreibt dazu: „Für die geistige, also die Kunst heute, ist der Gedanke bestimmend, dass das Äußerste an Abstraktion befähigt ist, das Menschlichste des Menschen anschaubar zu machen. Der Mensch tritt nie deutlicher zutage, als in der freiesten Erfindung der Abstraktion.“ Und Kricke: „In der Plastik heißt Raum immer Freiheit.“

Gallery Weekend: Samstag, 28. April – Sonntag, 29. April Februar 2018, 18:00 – 21:00 Uhr

Ausstellungsdaten: Freitag, 27. April – Samstag, 07. Juli 2018 – verlängert bis 28. Juli 2018!

Zu Aurel Scheibler

 

Bildunterschrift: Courtesy of Aurel Scheibler – Ausstellungsansicht Norbert Kricke + Ernst Wilhelm Nay

Ausstellung Norbert Kricke + Ernst Wilhelm Nay – Linie und Farbe – Aurel Scheibler | Contemporary Art – Zeitgenössische Kunst in Berlin – ART at Berlin

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