post-title Mi Kafchin | Self-Fulfilling Prophecy | Galerie Judin | 11.11.-14.01.2017

Mi Kafchin | Self-Fulfilling Prophecy | Galerie Judin | 11.11.-14.01.2017

Mi Kafchin | Self-Fulfilling Prophecy | Galerie Judin | 11.11.-14.01.2017

Mi Kafchin | Self-Fulfilling Prophecy | Galerie Judin | 11.11.-14.01.2017

bis 14.01. | #0882ARTatBerlin | Galerie Judin zeigt ab dem 11. November 2016 die Ausstellung „Self-Fulfilling Prophecy“ der Künstlerin Mi Kafchin.

Galerie Judin freut sich, die erste Ausstellung in der Galerie mit der rumänischen Künstlerin Mi Kafchin zu präsentieren.

Mi Kafchin, die als Mihuț Boșcu Kafchin in einem männlichen Körper aufwuchs und sich seit einigen Monaten im Prozess einer Geschlechtsangleichung befindet, setzt sich seither mit eigenen und fremden Konstruktionen von Geschlecht und Identität auseinander. Im Studium und als Assistentin des Malers Adrian Ghenie erschloss sie sich vielfältige künstlerische Ausdrucksmittel, die von Zeichnungen und Gemälden über Skulpturen bis hin zu raumgreifenden Installationen reichen. Mit der Hormontherapie veränderte sich auch Kafchins Farbwahrnehmung: Sie ließ die gebrochene Farbigkeit ihrer vorangegangen Schaffensphase hinter sich und erschloss sich eine neue leuchtende Farbpalette.

Mit den Werken ihrer ersten Einzelausstellung in der Galerie Judin, die allesamt 2016 entstanden, hat sich Kafchin auf eine autobiografische Spurensuche begeben. Diese setzt mit ihrer Kindheit und Jugend in Rumänien ein, die als von der Gegenwart geradezu abgeschnittene Epochen ins Bild gesetzt sind. Während Black and White Danube die Skulpturen im öffentlichen Raum als Ausgangspunkt der künstlerischen Laufbahn benennt, schildern Fishing for Souls und Purple Rain die gleichermaßen vom orthodoxen Glauben und vom Okkultismus geprägte rumänische Gesellschaft. In Abwendung von den sozialen Repressionen fand Kachin Halt bei den Heroen der Kunstgeschichte, mit denen sie die Suche nach der eigenen Vervollkommnung verband. Ihre einstige Zerrissenheit hat die Künstlerin nun in Allegorien überführt, die zunächst wie niederländische Seestücke und Szenen aus der christlichen Bildtradition anmuten. So artikuliert das an Darstellungen des Fegefeuers angelehnte Gemälde Hell Fueled by Thoughts in summarischer malerischer Auffassung, in welcher Weise Kafchins gedankliche Selbstbespiegelung autodestruktive Züge annahm. Auch mit Werken wie The Tempest und Me as Phantom Ship hat sie aus dem abendländischen Motivkanon wirkmächtige Ausdrucksformen für ihre inneren und äußeren Zwangslagen abgleitet. Sie hat sich jedoch auch nicht gescheut, das Leiden im falschen Körper explizit ins Bild zu setzen.

Kafchins Reflexion ihrer Geschlechtsangleichung wird von Afraid of Dying eröffnet, das noch den männlichen Oberkörper präsentiert, um den bereits ein Baugerüst errichtet ist. Die Werke Franzl, The Fifth Element und With the Help of Mendeleev versammeln anschließend das Arsenal notwendiger Medikationen.  Wie schmerzlich dieser Vorgang sein kann, führt das Gemälde Trying to Be Beautiful vor Augen. Hier steht ein grüner Drache für die Diskrepanz zwischen innerer und äußerer Erscheinung. Mit Puder und Schmuckkästchen versucht das Fabelwesen vergeblich, dem weiblichen Schönheitsideal zu entsprechen, doch aufgrund seiner enormen Körpergröße kann es sich nicht einmal richtig im kleinen Spiegel betrachten. Die Figur des Drachens ist eine von zahlreichen Chiffren, die Kafchin für die eigene Transformation gefunden hat. Sie entstammen rumänischen Volksmärchen und gehen zugleich auf die europäische Kunstgeschichte zurück. So greift Kafchin auch die Darstellung des bei den Alten Meistern so beliebten Jungbrunnens als Sinnbild für Schönheitsideale, Vergänglichkeit und Verwandlungen auf. Fountain of Youth setzt jedoch nicht nur die absehbare äußere Veränderung ins Bild. Die ungleich wichtigere Metamorphose ist durch drei Fische am linken Bildrand dezent angedeutet: Es ist der Verweis auf Fischarten, die in der Lage sind, ihr Geschlecht unter bestimmten Bedingungen zu wechseln.

Mit ihren jüngsten Werken hat Kafchin ihren Ängsten und Hoffnungen nicht nur ebenso mutig wie berührend Form verliehen, sondern sie als grundlegende Fragen unserer menschlichen Existenz abstrahiert. Sie eröffnen die Diskussion über persönliche Ideale, Widersprüche und Veränderungsprozesse. Das Ziel von Kafchins eigener Transformation hat sich auch in einer kleinen Gruppe von Terrakotta-Sklupturen niedergeschlagen.

Der gegenwärtige Stand von Kafchins Transformation ist an zwei großformatigen Gemälden abzulesen. So zeigt The Self-Sufficient Plant eine fragile Pflanze, die eigenhändig ihre Blütezeit einläutet. A Self-Fulfilling Prophecy, das größte Werk der Ausstellung, präsentiert eine blonde Schönheit in Begleitung von schweren Maschinen bei der Besteigung des Mount Everest. Während sie sich mithilfe der personifizierten Natur der letzten Etappe des Aufstiegs zuwendet, bleibt ein skelettierter Mann als Alter Ego im Schnee zurück.

Mi Kafchin wurde 1986 in der rumänischen Stadt Galați geboren. Nach Einzelausstellungen in Cluj, Stockholm, Los Angeles, Paris und Budapest hat ihr die Nationalgalerie für zeitgenössische Kunst in Bukarest im Herbst 2016 eine umfangreiche Werkschau gewidmet. Gruppenausstellungen: Österreichischen Museum für angewandte Kunst, Wien (2015), Espace Culturel Louis Vuitton, Paris (2013), Biennale, Prag (2013) und Pariser Triennale (2012). Die Künstlerin lebt und arbeitet in Berlin

Vernissage: Freitag, 11. November 2016, 18:00 – 21:00 Uhr 

Ausstellungsdaten: Freitag, 11. November 2016 – Samstag, 14. Januar 2017 

Zur Galerie Judin

 

Bildunterschrift: Mi Kafchin, Fountain of Youth, 2016 / Courtesy the artist and Galerie Judin, Berlin

Ausstellung Mi Kafchin – Galerie Judin – Kunst in Berlin ART at Berlin 

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