bis 24.10. | #5169ARTatBerlin | Galerie Esther Schipper präsentiert ab Donnerstag, 10. September 2026 die Ausstellung „Repose“ des Künstlers David Claerbout.
Unter dem Titel „Repose“ präsentiert die Ausstellung vier Werke, die erstmals in Berlin zu sehen sind: „The woodcarver and the forest“ (2025), „Birdcage“ (2023), „Backwards Growing Tree“ (2023) und „Eagle Eye“ (2026). Neben den Videos werden auch eine Reihe von Arbeiten auf Papier ausgestellt.
Alle gezeigten Filme setzen sich mit unserem Verhältnis zur Natur und der Art und Weise auseinander, wie wir gelernt haben, die Welt um uns herum zu sehen. In „The woodcarver and the forest“ beobachten wir einen Holzschnitzer, der Holzblöcke zuschneidet, um einen Löffel nach dem anderen herzustellen; die Handlung wirkt fast meditativ, bis uns bewusst wird, dass jede Geste ihren Preis hat: Vor seinem Fenster wird der Wald langsam zu den Gegenständen, die er herstellt. Die üppigen Gärten eines herrschaftlichen Anwesens, die in „Birdcage“ gezeigt werden, werden zum Schauplatz eines gewaltsamen Ausbruchs, der die Szene (und den Zuschauer) aus der scheinbaren Ruhe in einen Zustand der Anspannung und Angst versetzt.
David Claerbout, Repose, Esther Schipper, 2026. Foto © Andrea Rossetti. David Claerbou, Bonn, 2026, Courtesy of the artist and Esther Schipper
In „Eagle Eye“ liegt ein Weißkopfseeadler wach, aber bewegungsunfähig auf einem Operationstisch, was unsere gewohnte Assoziation des
Adlers als Symbol für Stärke und Freiheit auf den Kopf stellt. Durch Found Footage, CGI und generative KI bringt Claerbout das Computergenerierte und das Organische zusammen und verwischt so die Grenze zwischen einem lebenden Wesen, das beobachtet, und einem Modell, das gelernt hat zu beobachten. „Backwards Growing Tree“ ist ein weiteres Porträt des Hintergrunds: das eines einsamen Baumes in der italienischen Landschaft, der digital rekonstruiert und über fünf Jahre hinweg beobachtet wurde. Indem er dessen natürliches Wachstum umkehrt, stört Claerbout unser Zeitgefühl – eine Umkehrung, die erst im Laufe der Zeit sichtbar wird und etwas über die Wahrnehmung selbst offenbart: die scheinbare Blindheit des Auges gegenüber dem Vergehen der Zeit in der Natur.
David Claerbout, Repose, Esther Schipper, 2026. Foto © Andrea Rossetti. David Claerbou, Bonn, 2026, Courtesy of the artist and Esther Schipper
„Repose“ setzt die langjährige Auseinandersetzung des Künstlers mit Zeit und Dauer fort. Drei der Werke – „Eagle eye“, „The woodcarver and the forest“ und „Backwards Growing Tree“ – erstrecken sich über mehrere Stunden oder sogar mehrere Jahre. Diese extremen Zeiträume führen eine Echtzeitkomponente ein und bringen den Verlauf der Filmzeit mit dem des Besuchers in Einklang. Auf diese Weise rückt Claerbout die Filmzeit näher an die biologische Zeit heran: eine Zeit, die sich im Tempo lebender Prozesse entfaltet und der wir meist kaum Beachtung schenken. Es ist eine ereignislose, psychologisch ineffiziente Filmzeit, die dem Auge wenig zu erfassen bietet und unserer visuellen Kultur zuwiderläuft, die uns darauf konditioniert, ständig nach Stimulation und Belohnung zu suchen.
David Claerbout, Repose, Esther Schipper, 2026. Foto © Andrea Rossetti. David Claerbou, Bonn, 2026, Courtesy of the artist and Esther Schipper
Die ausgestellten Zeichnungen stehen alle in Zusammenhang mit den Videoarbeiten. Als integraler Bestandteil von Claerbouts Schaffen wird jedes Projekt des Künstlers von einer kleinen Anzahl von Zeichnungen begleitet, die eine Mischung aus Vorstudien, Notizen aus dem Produktionsprozess und eher konzeptuellen Überlegungen darstellen. Es handelt sich nicht einfach um Skizzen für die Filme, sondern um eine Art, diese zu durchdenken und die Komplexität sowie die Zeitlichkeit der Videoarbeiten durch Licht- und Farbstudien sowie Techniken der Sequenzierung und Montage auf Papier zu übertragen.

David Claerbout, Repose, Esther Schipper, 2026. Foto © Andrea Rossetti. David Claerbou, Bonn, 2026, Courtesy of the artist and Esther Schipper
Anstatt einer romantisierten Vorstellung von Natur nachzugehen, hinterfragt die Ausstellung unsere Art, die Welt um uns herum zu sehen. Indem er die übliche Reihenfolge dessen, was unsere Aufmerksamkeit auf sich zieht, und dessen, was als Hintergrund gilt, umkehrt, lenkt der Künstler unseren Blick auf das, was im menschlichen Sehen normalerweise am Rande bleibt oder ausgeblendet wird. Anstatt sich auf ein einzelnes Ereignis zu konzentrieren, erlebt der Betrachter mehrere Prozesse gleichzeitig. So stellen Claerbouts Werke den einzelnen, starren Blick der Kamera in Frage und nähern sich einer Sichtweise an, die besser auf unser Dasein in der Welt und unsere Physiologie abgestimmt ist: Die menschliche Wahrnehmung ist niemals einheitlich, sondern entsteht durch den Wettstreit der Sinneseindrücke, die von zwei Augen, zwei Ohren und zwei Gehirnhälften wahrgenommen werden, was zu unzähligen Eindrücken führt, die zusammen vielfältige Wege der Begegnung mit der Welt eröffnen.
David Claerbout, Repose, Esther Schipper, 2026. Foto © Andrea Rossetti. David Claerbou, Bonn, 2026, Courtesy of the artist and Esther Schipper
In einem abgedunkelten Raum in einen Dialog gebracht, lädt „Repose“ uns ein, Szenen sowohl der Zerstörung als auch der Regeneration, der potenziellen Gefahr und der beständigen Schönheit zu betrachten. Claerbouts Werke bedienen sich neuer Technologien, um den Effekt der Hyperrealität zu erzeugen – ein Thema, das das Œuvre des Künstlers schon lange bevor digitale und KI-generierte Bilder allgegenwärtig wurden, geprägt hat. Seine Bilder lassen ein Bewusstsein für ihren Status als Darstellungen erkennen und machen die Betrachter auf die unscharfen Grenzen zwischen dem Technischen und dem Organischen, zwischen Künstlichkeit und Natur aufmerksam. Für Claerbout befindet sich unsere Wahrnehmung an der Schnittstelle dieser Bereiche, im ständigen Spannungsfeld zwischen dem, was wir sehen, und dem, was wir glauben.
Vernissage: Donnerstag, 10. September 2026
Ausstellungsdaten: Donnerstag, 10. September – Samstag, 24. Oktober 2026
Bildunterschrift Titel: David Claerbout, Repose, Esther Schipper, 2026. Foto © Andrea Rossetti. David Claerbou, Bonn, 2026, Courtesy of the artist and Esther Schipper
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