bis 30.05. | #5059ARTatBerlin | Galerie Max Hetzler (Bleibtreustraße 45) präsentiert ab 30. April 2026 die Ausstellung Between the Lines des Künstlers Darren Almond.
Die Galerie Max Hetzler, Berlin, freut sich, mit Between the Lines eine Einzelausstellung neuer Arbeiten von Darren Almond zu präsentieren.
Im ersten Ausstellungsraum fungiert das großformatige Gemälde Monolith als programmatischer Ausgangspunkt. Aus einem von Baumstrukturen durchzogenen Bildraum tritt eine prägnante Null hervor – eine Form, die sich als vielschichtiges Zeichen lesen lässt: als Symbol der Unendlichkeit, als Fluchtpunkt perspektivischer Ordnung oder als Verweis auf buddhistische Vorstellungen des Nichts. Die Null als Figur kann sowohl Anfang als auch Endpunkt sein, in dem Leben und Gegenwärtigkeit zwischen eingefassten Ewigkeiten liegen – ein kurzes, leuchtendes Intervall zwischen Geburt und Tod. Mit den kahlen, schwebenden Zweigen einer winterlichen Weide verschränkt, evoziert sie die Perspektive eines Blicks aus ihrem Inneren heraus auf einen unbestimmten Horizont. Die Verwendung stark verdünnter Pigmente über die Leinwand hinweg erinnert an die Weise, wie Wasser die Zweige einer Weide während eines Regenschauers umspielt: Der Akt des Malens spiegelt das physische Verhalten von Regenwasser wider, das unter dem Einfluss der Schwerkraft herabfließt, und vollendet so den Wasserkreislauf und den Kreislauf des Lebens.
Die Weide – ein Baum, der untrennbar mit Wasser verbunden ist – wird in der gesamten Ausstellung zu einem Symbol zyklischer Prozesse. In Almonds Downpour-Gemälden, deren Farbpaletten je nach den evozierten Jahreszeiten variieren, verzeichnen Tropfspuren und Waschungen verdünnter Pigmente sowohl subtile als auch gesteigerte emotionale Veränderungen in Atmosphäre und Zeit. Auf diesen Leinwänden erscheint das Weidenmotiv als negativer Abdruck, geisterhaft und durch Abwesenheit definiert – ein Ort, an dem reale Zeit und Erinnerung aufeinandertreffen. ‚Ich hatte diesen Moment als kleiner Junge‘, erinnert sich Almond, ‚in dem ich völlig überwältigt war von der Intensität des Sonnenlichts, von seiner Reflexion auf der Wasseroberfläche, den silhouettierten, gegen das Licht gesetzten Zweigen einer Weide, die über dem Teich hängen, und dem intensiven Kontrast von all dem. Es ist eine unglaublich scharfe, kristalline Erinnerung, und ich trage sie seit fast fünfzig Jahren mit mir. Wenn man Erinnerungen über eine so lange Zeit festhält, beginnen sie sich zu verfestigen, sie prägen einen und werden zu etwas, das über sich selbst hinausgeht. Deshalb hielt ich es für notwendig, dieses „Etwas“ zu untersuchen, das ich all die Jahre so geschätzt habe – Erinnerungen, verschleiert durch das prismatische Licht der Erfahrung.‘
Im nächsten Galerieraum, der auf die Straße blickt, versetzt uns der Künstler in einen urbaneren Kontext, der jedoch weiterhin im Dialog mit der Weide steht: Er verlagert uns in einen nächtlichen Zeitraum, in dem wir denselben Baum betrachten, nun künstlich beleuchtet von Straßenlaternen oder Autoscheinwerfern. In Almonds Night Willows spielen Bild und retinales Nachbild eine Rolle bei der Bestimmung von Tiefe, Dauer und Belichtung der Gemälde und offenbaren dunklere Wege innerhalb der Kompositionen. Die Strenge der Nacht wird durch den angrenzenden Raum verstärkt, in dem Maßstab und Kontrast gesteigert werden. Großformatige, mit Gold überzogene Tafeln reflektieren und brechen das sich ständig wandelnde, allgegenwärtige Tageslicht des Galerieraums und verorten den Betrachter im Hier und Jetzt. Durch subtile Variationen von Temperatur und Farbe bekräftigen diese Gemälde das Interesse des Künstlers an Transformation und der Wandelbarkeit der Natur im Verlauf der Jahreszeiten. Das sanft schwingende Laub, in Early Spring in leuchtenden Grüntönen dargestellt, verfärbt sich allmählich zu tiefen Rot- und Orangetönen in Late Summer. In Spring/Summer werden die Zweige ganz ausgelassen und evozieren Blätter, die von hellem, goldenem Sonnenlicht hinterleuchtet sind. Das Motiv der Null kehrt als verankernde Präsenz wieder, kaum wahrnehmbar vor den schimmernden Bildgründen.
Ein Wechsel von Maßstab, Perspektive und Format findet im letzten Raum statt, wo Almonds zweiteilige, horizontal geteilte SenryūCarousel-Gemälde die Nahsicht einer Weide vermitteln, immersiv und abstrakt. Bis hierhin war der Horizont unbestimmt und fern – hier wird er zu einer physischen, alles umgebenden Präsenz. Die herausgelösten Mechaniken der Zeit und die Ausschnitte unterschiedlicher Jahreszeiten werden einander gegenübergestellt und markieren einen Kalender, der zugleich Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft ist. Durch die Verbindung von Kupfer, Aluminium und Gold in zweifarbigen Formationen sind die Werke von einer reichen Lebendigkeit und Farbtiefe durchdrungen. Die in den Bildgrund eingeprägte Null vereinheitlicht diese Gemälde erneut: Über beide Tafeln jedes Diptychons hinweg muss der Betrachter den Kreis im eigenen Sehen vervollständigen. Dieser Wendepunkt, bereitgestellt durch die Null als Zahl, fungiert als leiser, aber zentraler Dreh- und Angelpunkt der gesamten Ausstellung, um den sich Almonds Auseinandersetzungen mit Veränderung, Vergänglichkeit und Wandel entfalten.
Auch die Zwischenräume werden bedeutungstragend: Die Fugen zwischen den Bildtafeln aktivieren den negativen Raum, eine vermittelnde Zone poetischer Bedeutung, die Interpretationen Potential zur Entfaltung gibt. Diese Idee wird im letzten Werk der Ausstellung greifbar, einer gegossenen Bronze-Zugtafel mit dem Titel Train of Thought, installiert im Wintergarten der Galerie. Mit der Inschrift ‚Between the Lines’ lädt sie zu einem Moment der Stille und des Innehaltens ein – dazu, zwischen den Zeilen zu lesen und nicht in Worten, sondern im Schatten der Worte zu denken.
Ort: Bleibtreustraße 45, 10623 Berlin
Vernissage: Donnerstag, 30. April 2026, 18 – 20 Uhr
Ausstellungsdaten: Donnerstag, 30. April bis Samstag, 30. Mai 2026
Bildunterschrift Titelbild: Darren Almond, Willow Bank, 2026, photo: def image
Ausstellung Darren Almond – Galerie Max Hetzler | Contemporary Art – Zeitgenössische Kunst in Berlin – Ausstellungen Berlin Galerien – ART at Berlin
