bis 25.04. | #5007ARTatBerlin | Semjon Contemporary präsentiert ab Freitag, 27. März 2026 (Vernissage: 26.03.) die Ausstellung Colour Studies der Künstlerin Angela Dwyer.
Angela Dwyer ist als Künstlerin bei Semjon Contemporary keine Unbekannte. Sie hat bereits zweimal auf Einladung an thematischen Gruppenausstellungen teilgenommen: 2014 in dem ersten Teil der zweiteiligen Ausstellungsreihe Lieber Künstler, zeichne mir! über Abstraktion, Konkretion, Notation und Struktur und 2017 in Penetrating Paper.
Die jetzt gezeigten Werke sind aus dem Werkzyklus der Colour Studies, die sie konsequent seit Jahren schafft und regelmäßig auf Instagram und Facebook veröffentlicht, wo sie auch von mir entdeckt wurden.
Die Farbstudien entstanden aus einem Projekt im Jahr 2019, als Angela Dwyer feststellte, dass sie Schwierigkeiten hatte, ohne Vorlage ein Ikosidodekaeder zu konstruieren. Trotz ihrer künstlerischen Lehre der »Elemente der Gestaltung« wusste sie, dass sie wieder von vorne anfangen musste. Sie begann, sich mit geometrischen Formen zu beschäftigen, und nutzte Farbe, um deren Funktionsweise und Abstraktion zu verstehen.
Sie schreibt: »Die täglichen Farbstudien sind ein Ritual, eine Disziplin und zugleich eine Art Erdung. Es geht nicht um Perfektion oder ein Endergebnis, sondern um ein Experiment, um die Erlaubnis, Fehler zu machen, um das Unbekannte zu entdecken, und diesem dann zu folgen. Die schönsten Momente sind immer dann, wenn ich mir sage: ›Ich weiß nicht, was ich tue‹; wenn mir bewusst wird, dass ich nicht verstehe, was ich da eigentlich sehe.«
Angela Dwyer gibt sich einen Rahmen, innerhalb dessen sie alle Freiheit nutzt, sich zu entwickeln, zu entfalten, zu entdecken, sie selbst zu sein. Eine Hochzeit von Selbstbestimmung, Wissen und Kreativität, Neugier, Routine und Erdung. Täglich.
Wenn in der Ausstellung bei Semjon Contemporary mindestens zwei große Wandblöcke mit zahlreichen Colour Studies inszeniert werden, wird man sich der Fülle und Vielfalt ihrer Motive bewusst; anhand der Wiederholung von Formen zeigt sie, wie Farbe unsere Wahrnehmung von Form verändert und umgekehrt. Die farbliche Gewandung dieser Formen ist jedoch immer individuell. Sie schreibt: »Farben können helfen, die Form zu erklären, und sie können dazu verwendet werden, die Teile des Ganzen zu zeigen, wie eine Verbindung entstanden ist, innen und außen. Farben können aber auch verwirren und verschleiern.« Mit anderen Worten: Sie selbst ist täglich einerseits die Suchende und Forschende, und andererseits die Herrin ihrer Geschöpfe, die im Prozess des Schaffens entscheidet, in welche Richtung das zu Formende geht.
Das Ergebnis ihres alltäglichen Schaffens, in einem kleinen, aber doch überwältigenden Ausschnitt gezeigt, lässt uns staunen und lädt uns ein, vergleichend zu sehen und uns einzulassen, auf das Besondere einer jeden geschaffenen Farbform. Ihr Werkbegriff Colour Studies scheint untertrieben zu sein. Vielleicht war schon zu Beginn der Begriff gesetzt, und sie wusste selbst noch nicht, dass die Beschäftigung mit dieser Werkgruppe eine lange Reise werden würde. Der Studiencharakter bei der intensiven Fülle ist kaum noch gegeben. Es ist eher eine enzyklopädisch scheinende Setzung. Eine Augenfahrt und ein Sinneserlebnis allemal. Respekt!
Semjon H. N. Semjon, März 2026.
Vernissage: Donnerstag, 26. März 2026, 19:00–21:30 Uhr
Ausstellungsdaten: Freitag, 27. März bis Samstag, 25. April 2026
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Bildunterschrift Titel: Angela Dwyer, Colour Study 21.09 2025, 2025, 29 cm x 20,5 cm, aquarelle and pencil on paper; photo: Angela Dwyer
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