post-title Claude Viallat | Malereien III | Galerie kajetan Berlin | 02.05.–25.06.2026

Claude Viallat | Malereien III | Galerie kajetan Berlin | 02.05.–25.06.2026

Claude Viallat | Malereien III | Galerie kajetan Berlin | 02.05.–25.06.2026

Claude Viallat | Malereien III | Galerie kajetan Berlin | 02.05.–25.06.2026

bis 25.06. | #5052ARTatBerlin | Galerie kajetan Berlin präsentiert ab Samstag, 2. Mai 2026 (Vernissage: 01.05.) die Ausstellung Malereien III des Künstlers Claude Viallat.

Die Galerie kajetan freut sich, die nunmehr dritte Einzelausstellung des Künstlers Claude Viallat (1936 in Nîmes, wo er lebt und arbeitet) zu präsentieren. Viallat zählt zu den prägenden Erneuerern der Malerei, auch im Kontext der französischen Supports/Surfaces-Bewegung, deren Mitbegründer er war. Die Ausstellung versammelt Arbeiten aus den Jahren 2024 und 2025, in denen sich jene radikale Neubestimmung der Malerei exemplarisch verdichtet, für die Viallat seit den späten 1960er-Jahren steht: die Trennung des Bildträgers vom Keilrahmen, die Hinwendung zu vorgefundenen, gebrauchten oder ausrangierten Stoffen industrieller Herstellung sowie die konsequente Arbeit mit einer seriellen, weder eindeutig organischen noch geometrischen Form, die zu seinem Markenzeichen wurde.

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Claude Viallat | Malereien III | Ausstellungsansicht / Exhibition View 2026 | Courtesy Claude Viallat & Galerie kajetan | Photo: Gunter Lepkowski

Am Beginn von Viallats Arbeitsprozess steht das zu bearbeitende Material. Die Stoffe – häufig Schenkungen, ausgemusterte Gebrauchstextilien oder von der Industrie ausgesonderte Restposten – sammelt und lagert der Künstler unsortiert in seinem Atelier. Ihre jeweilige Beschaffenheit, Dichte, Struktur und Muster sowie konkrete Widerstände wie Nähte oder Säume bestimmen, wie und in welcher Intensität er Farbe aufträgt.

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Claude Viallat | 488 / 2025 | 2025 | Acryl auf Gewebe / Acrylic on fabric | 134 x 67 cm / 52,8 x 26,4 in, Photo: Gunter Lepkowski

Viallat trägt diese, stets Acryl, mittels Schablone, Schwamm oder Pinsel auf den Stoff auf – mal pastos, mal durchlässig – und reagiert dabei unmittelbar auf dessen Eigenschaften. Die wiederkehrende Form ist zumeist über den gesamten Bildträger gleichmässig verteilt, sodass eine netzartige All-Over-Struktur entsteht, die einen klassischen Bildaufbau in Frage stellt: Perspektive, Bildzentrum und bildinterne Hierarchisierung treten zurück.

In der Arbeit 331/2025 widersetzt sich zudem der als Bildträger verwendete Stoff in seiner fast trapezartigen Form einer traditionell rechteckigen Bildordnung. Die unten herabhängenden Stoffbänder erweitern das Werk in den Raum und unterlaufen so die Vorstellung eines abgeschlossenen flachen Bildkörpers – die Malerei wird zum Objekt.

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Claude Viallat | 409 / 2025 | 2025 | Acryl auf Gewebe / Acrylic on fabric | 72 x 134 cm / 28,3 x 52,8 in, Photo: Gunter Lepkowski

Viallats serielle Form erscheint hier in dunklem Schwarz, gefüllt mit einem beigen, zurückhaltenden Ton, der auch außerhalb der gesetzten Form wiederkehrt. Die schwarze Kontur erscheint durchlässig, sodass die aufgetragenen Farben sich stellenweise durchdringen und von einem zarten, deckenden Rosa eingefasst sind. Farbe, Form und Träger treten in einen gleichwertigen Dialog, der vom satten Orange des Saums unterstrichen wird. Der verwendete Stoff – vermutlich ehemals eine Schürze – ist nicht mehr reiner, möglichst neutraler Bildträger, sondern wird mit seinen sichtbaren Verschleißspuren ebenso wie in seiner fragmentierten Form – auf die Viallat malerisch mit fragmentiertem Formenraster reagiert – selbst zum bildgebenden Element.

Auch in 374 / 2024 erklärt Viallat den Malgrund, ein floral gemusterter beiger Stoff, zum gleichwertigen Akteur innerhalb des malerischen Bildgefüges. Die in Blau wiederholte Form ist mit stark verdünnter Farbe aufgetragen, die an den Rändern verläuft, in das Gewebe einsickert und als Farbsprenkel auf der Bildfläche erscheint. Das Formelement zeigt sich hier weniger als klar begrenztes Zeichen denn als sensibel in das Material eingelassene Spur.

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Claude Viallat | 349 / 2025 | 2025 | Acryl auf Gewebe / Acrylic on fabric | 185 x 92 cm / 72,8 x 36,2 in, Photo: Gunter Lepkowski

Viallat stört die serielle Anordnung gezielt durch zwei weitere Eingriffe: ein weiß gefasstes, spitz nach unten weisendes Farbfeld „schneidet“ aus der linken Bildecke in das Bildgeschehen, während eine weitere, signalrot gefasste Farbfläche im rechten unteren Bildrand als visuelles, nahezu stoppendes Gegengewicht fungiert. Es entsteht ein Spannungsfeld aus Wiederholung, Materialität und malerischer Intervention.

Fast schon eintönig wirkt dagegen die Arbeit 349/2025. Dabei offenbart sich hier ein zentrales Moment im Werk des Künstlers: er nutzt sein Formenraster, um unsere Wahrnehmung gezielt in Bewegung zu versetzen. Der blaue Stoff des Trägers bleibt in seiner Eigenfarbigkeit und Materialstruktur als malerische Aussparung vollständig präsent, während eine weiße, lasierend aufgetragene Farbschicht grossflächig die stark verdünnte schwarze Kontur der seriellen Form einfasst. Die Zuordnung von Figur (serielle Form) und Grund verschiebt sich fortwährend. Je nach Blick tritt entweder die blaue Fläche des Stoffes als Motiv hervor oder aber die weiß übermalte, von Aussparungen und starken Falten des Malgrunds dominierte Fläche erscheint als das zentrale, da auch vordergründige Bildelement. Die Austauschbarkeit von Figur und Grund erzeugt ein Kippmoment, das die Wahrnehmung instabil hält und jede eindeutige Lesart unterläuft.

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Claude Viallat | 328 / 2024 | 2024 | Acryl auf Gewebe / Acrylic on fabric | 169 x 116 cm / 66,5 x 45,7 in , Photo: Gunter Lepkowski

Die für Viallat charakteristische, wiederkehrende Form fungiert so nicht als Motiv im klassischen Sinne. Ihre Wirkung entsteht jeweils im Verhältnis zu dem Malgrund als eigenständiges, bildgebendes Element mitsamt seiner Materialgeschichte. Die Wiederholung erzeugt keine Gleichförmigkeit, sondern verweist mal kontrastierend, mal einlassend auf die jeweilige Beschaffenheit der Stoffe. Zugleich verschiebt sich das Verhältnis zwischen Figur und Grund. Die gesetzte Form strukturiert den Bildträger, während dieser sich visuell auch in den Vordergrund drängt, sodass Vorder- und Hintergrund und damit auch die Hierarchie von Malerei und Malgrund aufgelöst scheinen.

Die Arbeiten verweisen auf die Bedingungen ihrer eigenen Entstehung und legen offen, wie sie gemacht sind: aus einer ebenso sensiblen wie expressiven Zusammenführung von vorgefundenem Material, Farbe und malerischem Eingriff, die tradierte Bildvorstellungen unterläuft und die Grenze zwischen Malerei und Objekt ins Wanken versetzt.

Eliza Grabarek

Vernissage: Freitag, 1. Mai 2026, 18:00–21:00 Uhr

Ausstellungsdaten: Samstag, 2. Mai bis Donnerstag, 25. Juni 2026

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Bildunterschrift Titelbild: Claude Viallat | 331/2025 | Acryl auf Gewebe/ Acrylic on fabric | 112 x 78 cm / 44,1 x 30,7 in, Photo: Gunter Lepkowski

Ausstellung Claude Viallat – Galerie kajetan Berlin | Zeitgenössische Kunst – Contemporary Art – Ausstellungen Berlin Galerien | ART at Berlin

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