Ein Kunstwerk, das man anfassen darf, ist schon ungewöhnlich genug. Eines, das erst durch den Menschen, der es berührt, seine eigentliche Bestimmung findet, stellte die Vorstellungen von Skulptur in den 1970er-Jahren geradezu auf den Kopf. Franz West (1947–2012) machte den Körper des Publikums zum Bestandteil seiner Kunst und erklärte die bis dahin meist ehrfürchtige Distanz zwischen Werk und Betrachtenden kurzerhand für überflüssig. Anlässlich seines 80. Geburtstags im Februar 2027 widmet die ALBERTINA MODERN in Wien dem österreichischen Künstler vom 6. November 2026 bis zum 29. März 2027 die umfassende Retrospektive „Franz West. Die Revolution der Skulptur“. Zeitgleich untersucht das Wien Museum unter dem Titel „Franz West und Wien“ das Verhältnis des Künstlers zu seiner Heimatstadt.
West, dessen künstlerische Entwicklung vom Wiener Aktionismus beeinflusst wurde, begann in den 1970er-Jahren mit der Herstellung seiner sogenannten Passstücke. Die prothesenartigen, häufig eigenwillig geformten Objekte sollten nicht bloß betrachtet, sondern getragen, gehalten oder an den Körper angelegt werden. Erst im Zusammenspiel mit den Menschen, die sich ihrer bedienten, entfalteten sie ihre …
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Abb. oben: Franz West, Ohne Titel, um 1972–73, Ø: 102 cm, Pressspanplatte, Farbe, 2 Socken, Wäscheklammern. WAM, Dauerleihgabe Ph. Konzett, Wien 2026 © Archiv Franz West, © Estate Franz West, Foto: Wolfgang Reichmann
