Eine Wohnung verrutscht in ihrem architektonischen Gefüge. Nach und nach sackt sie Stockwerk um Stockwerk ab, bis ihr droht, in der Kanalisation zu versinken. Die mysteriöse Veränderung wird von den Bewohner*innen des Hauses kollektiv ignoriert. Die Erzählerin in Ilse Aichingers Kurzgeschichte hofft indes bis zuletzt darauf, dass jemand das Schweigen bricht: „Verzeihen Sie, aber wohnten Sie nicht gestern noch einen Stock höher?“
Was für Ordnungen prägen die Orte, in denen wir wohnen? Welche Spuren der Nutzung schreiben sich in sie ein und wirken über sie hinaus fort? Aichingers Wo ich wohne ist nicht nur titelgebend für die Ausstellung, mit der das Haus am Waldsee im Sommer 2026 sein 80-jähriges Bestehen reflektiert, sondern verweist zugleich auf die Verbindungen zwischen gesellschaftlichen Verhältnissen und …
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Abb. oben: Villa Knobloch, heute Haus am Waldsee, Grundriss 1923, Modifizierung durch Richard Venlet, 2026, Courtesy der Künstler
