post-title Clara Brörmann | pursuit of happiness | SCHWARZ CONTEMPORARY | 09.09.-22.10.2016

Clara Brörmann | pursuit of happiness | SCHWARZ CONTEMPORARY | 09.09.-22.10.2016

Clara Brörmann | pursuit of happiness | SCHWARZ CONTEMPORARY | 09.09.-22.10.2016

Clara Brörmann | pursuit of happiness | SCHWARZ CONTEMPORARY | 09.09.-22.10.2016

bis 22.10. |  #0712ARTatBerlin | SCHWARZ CONTEMPORARY zeigt ab dem 9. September 2016 die Ausstellung pursuit of happiness der Künstlerin Clara Brörmann.

Aus der monochrom blauen Bildfläche in Wurfzabel 1 sind zahlreiche Farbstreifen
herausgeschnitten, so dass der Blick auf die grobe Leinwand und auf ein
scheinbar hinter der blauen Farbe liegendes Gemälde freigegeben wird; einer
Materialcollage ähnlich, bei der einzelne Teile übermalt und überklebt werden,
zeichnen sich in Die Liebenden auf den weißen Flächen die Umrisse darunterliegender
roter Formen ab und in Wald changieren die nach vorne tretenden und
zurückweichenden Formen, so dass das Gemälde einen stofflichen Charakter
erhält. Stellenweise lassen die nur noch hauchdünn vorhandenen Farbaufträge in
dem großformatigen Diptychon Ringdans den Eindruck eines schon verblassenden
Freskos entstehen.
Die Schnittkanten, die freigelegte Leinwand, die zu Tage tretenden unterschiedlichen
Farbschichten – all das sind Spuren des Entstehungsprozesses: Clara
Brörmanns Arbeitsweise ist ein Spiel mit ihrem malerischen Gegenüber, bei
welchem der jeweilige status quo des Gemäldes immer wieder Eingriffen
ausgesetzt wird, bis schließlich ein Endpunkt erreicht ist, der die verschiedenen
Entstehungsschritte sichtbar macht und sie zu den Teilen eines neuen Ganzen
werden lässt. Brörmanns Arbeiten zeichnen sich durch eine ihnen eigene zeitliche
und räumliche Gleichzeitigkeit aus: die zahlreichen Bearbeitungsschritte
erzeugen eine verdichtete Zeitlichkeit, die sich durch die Verschränkung von
Vorher und Nachher auszeichnet. Zugleich entsteht ein vielschichtiger Bildraum,
in dem das Unten der Leinwand als Bildträger und das Oben des Farbauftrags
ineinander übergehen. Und schließlich werden in Brörmanns Gemälden immer
auch die Seiten des Keilrahmens miteinbezogen; auch sie geben den Blick frei auf
ein früheres Stadium des Gemäldes und verleihen ihm gleichzeitig den Anschein
eines skulpturalen Objekts.
Die Arbeiten in der Ausstellung pursuit of happiness sind eine Erweiterung dieses
Spiels des Auslotens von Farbe, Form und Komposition. Auf der Suche nach
neuen Möglichkeiten, ihre abstrakten Gemälde in ungewöhnliche Rezeptionssituationen
zu versetzen, fügte die Künstlerin ihrem Spiel eine weitere Regel
hinzu: durch die beschreibenden Titel wird ein Interpretationsraum eröffnet, der
die abstrakten Formen in einen konkreten Zusammenhang rückt.
Die vier sich ineinander drehenden Kreise werden so zum Rad der wankelmütigen
Schicksalsentscheiderin, der Glück und Unglück bringenden Göttin Fortuna, der
sich in dem großformatigen Diptychon abzeichnende Kreis lässt sich als Spur
deuten, die Tanzende bei ihrem Reigen, dem Ringdans, hinterlassen haben und
die geometrischen weißen Formen geben sich als dicht nebeneinander stehende
Bäume in einem Wald zu erkennen.
Zwischen dem Bild, dem Titel und den Assoziationen des/der Betrachtenden
spannt sich ein Netz, in dem aus den abstrakten Formen Abbildungen konkreter
Sachverhalte werden.
Während bei Fortuna, Ringdans und Wald die Verbindung zwischen den Formen
und den Titeln unschwer herzustellen ist, ist dies bei der Arbeit Die Liebenden
weniger leicht. Die weiß und rot gehaltenen, spitzzulaufenden tropfenähnlichen
Strukturen rufen nicht ohne weiteres eine Assoziation zu der Darstellung eines
Liebespaares hervor. Eine weitere Koordinate in dem von Brörmann gespannten
Bezugssystem leistet hier Abhilfe: Im hinteren Galerieraum werden Aquarelle
gezeigt, die als Titelgeber für die Gemälde fungieren. Ihre Vorlagen sind
allegorische Darstellungen mittelalterlicher Buchillustrationen. Bildaufbau,
Formen und Farben des Blattes amants dans un lit verdeutlichen die
Übersetzung, die hier zwischen der mittelalterlichen Darstellung und dem
abstrakten Gemälde stattgefunden hat.
Durch das zusätzliche Bildmaterial werden die Gemälde in einen weiteren
Bezugsraum versetzt, innerhalb dessen Brörmann ihre Gemälde mit der Frage
konfrontiert, ob ein abstraktes Gemälde eine Allegorie verkörpern kann, die
ihrerseits bereits ein Bild eines abstrakten Begriffes darstellt. Und auch der/die
Betrachtende ist eingeladen, dieser Frage nachzugehen; so wird der Endpunkt
des Gangs durch die Ausstellung gewissermaßen zum Anfangspunkt eines
erneuten Gangs, zu einer zweiten Spielrunde, diesmal mit erweiterten Regeln.

Text: Ferial Nadja Karrasch

Vernissage: Donnerstag, 8.September 2016, 18:00 – 20:00 Uhr 

Ausstellungsdaten: Freitag, 9. September – Samstag, 22.Oktober 2016

Zu SCHWARZ CONTEMPORARY

 

Bildunterschrift: Clara Brörmann, Die Liebenden, 2016, Öl auf Leinwand, zweiteilig, je 90 x 140 cm

Ausstellung pursuit of happiness –  SCHWARZ CONTEMPORARY – Kunst in Berlin ART at Berlin

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