post-title Manuele Cerutti | PROVE DI CARISMA | 401contemporary | 14.11.2015-06.02.2016

Manuele Cerutti | PROVE DI CARISMA | 401contemporary | 14.11.2015-06.02.2016

Manuele Cerutti | PROVE DI CARISMA | 401contemporary | 14.11.2015-06.02.2016

Manuele Cerutti | PROVE DI CARISMA | 401contemporary | 14.11.2015-06.02.2016

bis 06.02. | #0254ARTatBerlin |  401contemporary präsentiert vom 14. November 2015 bis zum 6. Februar 2016 die Ausstellung „Prove di Carisma“ mit dem Künstler Manuele Cerutti.

„In “Prove di Carisma” setze ich meine Untersuchungen über die Subjektivität der Objekte fort, ein Thema das aktuell mein Hauptinteresse darstellt. Ich zeige in meiner Malerei die Subjektivität von Gegenständen, indem ich deren vielfältige Haltungen und Posen inszeniere, so dass sie in meinen Bildern eine charismatische Aura umgibt. Dies repräsentiert für mich eine radikale Ablehnung der traditionellen Rangordnung zwischen Subjekten und Objekten.

Der erste Raum der Ausstellung „Prove di Carisma“ ist dem charismatischen Objekten gewidmet. Dort stellen drei Werke das voll entfaltete Charisma dar, während die anderen Arbeiten die Stadien seiner Entstehung bzw. Auflösung analysieren.

Der zweite Raum zeigt die “Menge”, denn Charisma entsteht nicht allein durch die eigene Handlung des charismatischen Individuums, sondern auch durch die Akzeptanz und förderliche Einstellung eines Publikums. Somit zeigt dieser Raum das unentbehrliche Gegenüber. Im dritten Raum findet man den “Rest der Welt”, der von charismatischer Aura nicht beeinflusst wird.“

(Manuele Cerutti)

 

Realität ist eine emotionale Konstruktion

„Maler von Stillleben werden häufig als Realisten bezeichnet, als sei die Realität nichts anderes als eine Eins-zu-Eins-Abbildung der Welt. Doch der vielschichtige Akt des Sehens ist sowohl ein individuelles als auch ein kollektives Phänomen. Dinge zu sehen ist etwas völlig anders als sie in ihrer „Dinglichkeit“ zu begreifen – wie Heidegger dargelegt hat. Die „Dinglichkeit“ der Dinge ist ihr ausgreifendes Sein und konstituiert nicht nur ihren Ort, sondern
auch die affektive Wirkung – etwas, das über den bloßen Status eines Gegenstands weit hinausgeht.

Der Maler Manuele Cerutti präsentiert in dieser Ausstellung eine Serie von Stillleben, die die Idee gegenständ-licher Präsenz mit einem subtil emotionalen und erweiternden Erlebnis von Immanenz durchtränken. Ceruttis Fähigkeit, alltägliche Objekte über den Status des Gewöhnlichen hinauszuheben, ist geradezu beispiellos und seine Objektauswahl sowie räumlichen Gegenüberstellungen wirken ganz besonders suggestiv. Er überzeugt ästhetisch durch seine außergewöhnliche Fähigkeit, die Grenze zwischen dem Indexikalischen (dem zeigenden Gestus) und dem Symbolischen (dem repräsentativen Charakter) verschwimmen zu lassen. Die vorliegende Serie von in Sepia und Halbtönen gehaltenen Bildern setzt Fundstücke (wie Steine, Knochen, Drähte, Stoffe) in ungewöhnliche Beziehung zueinander. Aber im Gegensatz zu den Surrealisten geht es hier nicht darum, diskrepante Realitäten zu kombinieren. Es geht auch nicht nur um den formalen Reiz der entstandenen Konfigurationen. Vielmehr nehmen die Objekte selbst immanente Bedeutungen an, und ihre ungewöhnlichen Bildinszenierungen erzeugen metaphysische und geradezu spirituelle Assoziationen.

Kurz: Ceruttis Abbildung alltäglicher (man kann sogar sagen: ‚banaler‘) Objekte erhebt diese über ihre bloße physische Existenz hinaus. Und da jeder Betrachter eine variationsreiche Ikonographie bildlicher Assoziationen in sich trägt, wird er zwangsläufig seine eigenen Bedeutungen aus dem jeweiligen Bildobjekt gewinnen. Das Bild mit einem Stapel gefalteter Tücher gewinnt beispielsweise den Charakter einer Ikone (Veronica = „wahre Ikone“).

Jeder Betrachter zieht aus jedem einzelnen Bild seine eigenen persönlichen Interpretationen. Es ist dieses Potential, welches den Gemälden ihren einzigartigen und offenen ästhetischen Status verleiht. Die Immanenz ist ein entscheidender Aspekt der „Innerzeitigkeit“ (um nochmals Heidegger zu zitieren). In einem spirituellen Sinne impliziert das Wort Immanenz per definitionem jene „Innerzeitigkeit“, die das Alltägliche und das Profane durch-dringt. Ceruttis Gemälde können, jedes auf seine Weise und abhängig vom jeweils dargestellten Gegenstand, ein intimes Erlebnis von Innerlichkeit und Präsenz erschaffen.

Wenn man aber von Präsenz in diesen Bildern spricht, meint man nicht allein die sinnliche Wahrnehmung der Immanenz, sondern auch die feine und zuweilen verschwimmende (sfumato-artige) Zartheit ihrer bildnerischen Gestaltung. Ungeachtet der Gewagtheit ihrer inhaltlichen Komposition, strahlen Ceruttis Gemälde doch eine expressive Sanftheit aus. Zum Beispiel das nach oben ragende Tischbein mit einem darauf balancierenden Gegenstand mag wohl auch den Schatten einer anamorphen Botschaft aussenden, konstituiert aber andererseits ein Bild, welches eine eigene Präsenz erzeugt. Wie Heidegger vom dinglichen Leben (vom sogenannten Dasein) sagte: Es ist in die Welt verstrickt, es steht zu unserer Verfügung und es ist sich seiner Selbstwahrnehmung bewusst.“

(Mark Gisbourne)
Manuele Cerutti (*1976 in Italien) hat in verschiedenen Ländern in Europa ausgestellt und zahlreiche Auszeichnungen erworben, unter anderem 2004 den Illy Prize (Artissima, Present Future) in Turin. 2011 hatte er eine Einzelausstellung in der ‚Fondazione Sandretto Re Rebaudengo‘ in Turin. 2012 seine erste Solo Show bei 401contemporary in Berlin. Im Januar 2014 widmete das GAM in Turin ihm eine Einzelausstellung. Seine Arbeiten sind in zahlreichen, vorwiegend privaten Sammlungen in Europa vertreten. Im Jahr 2007 hat Cerutti das “Progetto Diogene bivacco urbano” mitbegründet, eine Initiative mit einem internationalen Stipendium in Turin und einer unab-hängigen Kunstakademie. – Der Künstler lebt und arbeitet in Turin.
PROVE DI CARISMA ist Manuele Ceruttis dritte Einzelausstellung bei 401contemporary.

Vernissage: Freitag, 13 November 2013, 18 Uhr

Ausstellungsdaten: Samstag, 14. November 2015 bis Samstag, 06. Februar 2016

Zu 401contemporary

 

Bildunterschrift: Manuele Cerutti, L’attesa delle regole (IV), 2012-2014, Öl auf Leinen, 124 x 110 cm, Foto: Christina Leoncini, Courtesy: 401contemporary and the artist

Manuele Cerutti – 401contemporary – Kunst in Berlin ART@Berlin

 

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