bis 18.10. | #4761ARTatBerlin | Sexauer Gallery präsentiert ab 06. September 2025 (Eröffnung: 05.09.) die Ausstellung „(Non)sense“ der Künstlerin Caroline Kryzecki.
Caroline Kryzecki zeigt Malereien auf Papier. Mit der Pinselspitze malt und tupft sie tausende halbkreisähnliche Formen mit Gouache und Aquarell in ein Raster. Durch die Veränderung von Größe und Ausrichtung der Formen, sowie durch die verschiedenen Töne und die Modulation von Transparenz und Opazität, entstehen trotz der immer selben Vorgehensweise Arbeiten von großer Vielfalt. Das Spektrum reicht von ganz streng bis fast psychedelisch. In der jetzigen Ausstellung ergeben sich in den fast sechzigtausend Rasterfeldern der kleinen, und den über dreihunderttausend Feldern der großen Arbeiten unbegrenzte Variationsmöglichkeiten.
Caroline zeigt in (Non)sense Malereien. Zu Beginn ihrer Karriere war sie zunächst durch Kugelschreiberzeichnungen mit tausenden von Linien bekannt geworden. Aus diesen Zeichnungen entwickelte sie Jahre später ihre Rastermalereien. Mit der Pinselspitze malte und tupfte sie tausende kleine halbkreisähnliche Formen mit Gouache und Aquarell in ein Raster. Das Rasterpapier stellte die Handsiebdruckerei aus Berlin nach ihren Vorgaben für sie her. Die ersten Experimente auf Rasterpapier hatte Kryzecki bei der Josef & Anni Albers Foundation gemacht, auf altem Patronenpapier, das einst Textilgestaltern zum Entwurf von Mustern diente.
Durch die Veränderung von Größe und Ausrichtung der Formen, sowie durch die verschiedenen Töne und die Modulation von Transparenz und Opazität, entstanden trotz der immer selben Vorgehensweise Arbeiten von großer Vielfalt. Das Spektrum der Anmutung reichte von ganz streng bis fast psychedelisch. In der jetzigen Ausstellung ergeben sich in den fast sechzigtausend Rasterfeldern der kleinen, und den über dreihunderttausend Feldern der großen Arbeiten ebenfalls wieder unbegrenzte Variationsmöglichkeiten.

Caroline Kryzecki, 2024, gouache, watercolor and screen print on paper, 190 x 150 cm, Photo: Marcus Schneider, Courtesy SEXAUER Gallery
Die Raster der Arbeiten haben unterschiedliche Farben. Am Rand des Rasters der kleineren Formate steht MALLORCA gedruckt. Kryzecki hatte dieses Rasterformat bei einem Stipendienaufenthalt auf Mallorca entwickelt. Sie hat den Entwicklungsort des Rasters daher neben dieses drucken lassen, um dem originalen Patronenpapier, das ihr als Anregung gedient hatte, Referenz zu erweisen. Auch bei diesem Papier waren am Rand die Herkunft, die Rastergröße und die Druckerei vermerkt.
Im Jahr 2020 stellte Kryzecki ihre Malereien in der Einzelausstellung Counting Silence bei SEXAUER zum ersten Mal öffentlich vor. Farblich beschränkte sie sich auf nur zwei Farben: Rot und Blau. Drei Jahre später, 2023, reduzierte sie ihre Palette in der Ausstellung Kind of Blue sogar auf nur eine Farbe: Blau. Ganz anders in (Non)sense – Kobaltblau, Türkis, Weiß, Kupfergrün, Ocker, Neapelgelb, Zirkonrosa, Venezianisch Rot. Ein Feuerwerk an Farben.
Man muss wissen, dass die Arbeiten ohne Entwürfe oder Zuhilfenahme eines Computers entstehen. Sie sind alle persönlich von der Künstlerin ohne Mitarbeiterinnen handgemalt und entwickeln sich im Prozess. Und hier gibt es einen Zusammenhang, denn durch die Hand entstehen – anders als bei einer Maschine – ungeplante kleine Abweichungen und Ungenauigkeiten, die die Künstlerin zu einer Reaktion zwingen. Derart kommt es immer wieder zu Veränderungen und Anpassungen im Arbeitsprozess.
Eigentlich hatte Kryzecki eine minimalistische Ausstellung geplant, mit Weiß- und Schwarztönen experimentiert. Dann aber stiegen bei der Vorbereitung Bilder der Mosaike der Alhambra in ihr auf, die sie im Mai 2024 besucht hatte. Die mittelalterliche Burg in Granada (Andalusien) ist eines der bedeutendsten Bauwerke des maurischen Stils in der islamischen Kunst. Bei den Fayencemosaiken dominieren die Farben Kobaltblau, Türkis, Weiß, Kupfergrün, Ocker und Neapelgelb. Die Fassaden der Nasridenpaläste in der Burg sind rosa, davor sieht man das Leuchten von Orangen zwischen sattgrünen, lichtdurchfluteten Blättern.
Caroline Kryzecki, Ausstellungsansicht Overbeck-Gesellschaft, 2024, photo: Fred Dott
Die Farben aus der Erinnerung gewannen schließlich die Oberhand auch auf dem Blatt, und Kryzecki begann, mit Zirkonrosa und Grün zu experimentieren. Grün ist eine schwierige Farbe, was mit der menschlichen Wahrnehmung zu tun hat, aber auch aus maltechnischen Gründen. Das Zirkonrosa wiederum bauschte den Pinsel auf, wohl wegen der größeren Pigmente, so dass Kryzecki nicht so fein damit malen konnte wie gewohnt. Kurz gesagt: es war schwierig. Die Arbeiten entstanden deshalb viel intuitiver. Die Hand gewann die Oberhand über den Geist. Kryzecki: „Immer, wenn ich eine bestimmte Idee zu haben glaubte, entschied meine Hand, etwas anderes zu tun.“
Aber auch die Formen änderten sich. Kryzecki lernt derzeit Arabisch. Die arabische Schrift, die von rechts nach links geschrieben wird, und die arabischen Schriftzeichen führten Kryzecki zu der Idee, die halbkreisähnlichen Formen im Raster nochmals zu modifizieren. Kryzecki hierzu: „Ich sparte innerhalb des Halbrunds Quadrate aus, immer am Raster des Papiers orientiert. So erreichte ich eine größere Abstufung: ich habe nicht nur vier Formen, durch die das Bild entsteht, sondern zehn.“
Aus der Grundidee einer minimalistischen Ausstellung entstand eine Explosion unterschiedlicher Formen und Farben. Auch sonst war diesmal alles anders. Normalerweise entwickelt Kryzecki für ihre Arbeiten Notationen, mit denen sie die Arbeiten fast mathematisch beschreibt. Auch trägt sie alle Farbtöne sauber in dafür vorgesehene Bücher ein. Ein großes Archiv. Alles voller Sinn und Ordnung. Diesmal nichts dergleichen – stattdessen Chaos, (Non)sense.
Die Arbeiten der letzten Ausstellungen hatten viel mit der minimalistischen Musik der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts zu tun. John Cage oder Steve Reich sind wichtig für die Künstlerin. Zeit, Rhythmus, Takt, Phasenverschiebungen. Auch dies scheint diesmal anders. Wenn überhaupt, geht es, auf Musik übertragen, diesmal mehr um Klang und Sound. Italo Pop meint die Künstlerin auf Nachfrage ironisch.
Kryzecki spricht bei ihrer künstlerischen Arbeit von Zeiten des „Hineinzoomens“ und Zeiten des „Herauszoomens“. Hineinzoomen bedeutet, die Arbeit auf ihre Essenz herunterbrechen, einen Parameter herausgreifen, durchdeklinieren, die reine Idee herauskristallisieren; alles Unnötige weglassen. Herauszoomen bedeutet: jede Arbeit eine neue Idee, viele verschiedene Ansätze. Jede Arbeit birgt das Potential für eine neue Serie. Diesmal war wohl eher die Zeit für ein Herauszoomen. Kryzecki: „Ich wollte mich noch nicht entscheiden und alle Ideen ausprobieren.“
Vernissage: Freitag, 05. September 2025, 18:00 Uhr
Ausstellungsdaten: Samstag, 06. September bis Samstag 18. Oktober 2025
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Bildunterschrift Titel: Caroline Kryzecki, watercolor and screen print on paper, 190 x 150 cm, Courtesy SEXAUER Gallery
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