post-title Yitzhak Golombek | Envelopes | Galerie koal | 27.10.-03.12.2016

Yitzhak Golombek | Envelopes | Galerie koal | 27.10.-03.12.2016

Yitzhak Golombek | Envelopes | Galerie koal | 27.10.-03.12.2016

Yitzhak Golombek | Envelopes | Galerie koal | 27.10.-03.12.2016

bis 03.12. | #0853ARTatBerlin | Galerie koal zeigt ab dem 27. Oktober die erste Einzelausstellung „Envelopes“ des Künstlers Yitzhak Golombek.

Die Erinnerung ist ein trügerischer Ort, und doch ist sie am Ende alles, was bleibt.
Yitzhak Golombeks Zeichnungen und Objekte gleichen Souvenirs aus einer vorbewussten Zeit.

Golombek wurde 1956 in Polen geboren und emigrierte im Alter von acht Jahren mit seinen Eltern nach Israel. Seine künstlerische Praxis wird häufig mit dem modernen geschichtswissenschaftlichen Ansatz der Mikrohistorie assoziiert, der größere gesellschaftliche Zusammenhänge auf die minutiöse Erforschung individueller, oft marginalisierter, Lebenswege herunterbricht.

Formalisierung, Repetition, Parodie sowie die Reduzierung auf ein klares Formenrepertoire lösen die Migrationserfahrung als zentrales Motiv in Golombeks Arbeiten vom Subjektiven los und loten universelle Gefühle der Entfremdung und des Unvermögens aus.

Absonderungen und Auswüchse des Körpers, Tränen und Zähne, rekurrieren auf Vergänglichkeit ebenso wie Kontinuität der menschlichen Beschaffenheit. Gipsausgüsse von Dokumentenumschlägen, Briefe der Sprachlosigkeit, versinnbildlichen den Wunsch nach und das Scheitern von Kontaktaufnahme. Überdimensionalisierte und verfremdete Läusekämme verwischen als Insignien der Kindheit die Demarkationslinien zwischen Schmutz und Schönheit, Zugehörigkeit und Ausgrenzung. Zu grotesken Physiognomien arrangierte Kartoffeln, Sättigungsbeilage der Armen, werden zu unsentimentalen, in ihrer Profanität berührenden, Portraits.

Der Antiheroismus dieser Arbeiten findet auch in den verwendeten Materialien Ausdruck: Sperrholz, Gips, Papier, Klebestreifen konterkarieren den Anspruch klassischer Skulpturen auf Wertigkeit und Beständigkeit. Seine Drops, die als Tränen, Tropfen oder Pfützen verstanden werden können, entstehen aus zweidimensionalen Formen, denen Volumen hinzugefügt wird. Präsenz und Leere, Konstruktion und Immaterialität bedingen sich gegenseitig und erscheinen untrennbar miteinander verknüpft. Angeordnet zu kruden Transportvehikeln dienen sie als Träger für Erinnerungen und fragile Momentaufnahmen, die ebenso wie die Strukturen selbst, beständig zu kollabieren drohen.

Deformationen, Abweichungen und Imperfektionen der handwerklichen Herstellung tragen zur Anziehungskraft von Golombeks Objekten bei. Sie taugen nicht als Instanzen vordergründiger Narration. Ihre Wahrheit offenbart sich gerade in der Unerzählbarkeit verborgener Geschichten, die sich in Schweigen und diffusen Köperempfindungen lediglich erahnen lassen.

Text Diana Weis / 2016

Vernissage: Mittwoch, 26. Oktober 2016 von 19 bis 21 Uhr

Ausstellungdaten: Donnerstag, 27. Oktober bis Samstag, 03. Dezember 2016

Zu Galerie koal

 

Bildunterschrift: Carriage / 2016 / Plywood, framed drawing, plaster

Ausstellung Yitzhak Golombek – Galerie koal – Kunst in Berlin ART at Berlin

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