bis 18.04. | #4935ARTatBerlin | Taubert Contemporary zeigt ab Freitag, 13. Februar 2026 die Ausstellung Δs = kλ der Künstlerin Sandra Schlipkoeter.
In der Ausstellung Δs = kλ untersucht Sandra Schlipkoeter die Bedingungen von Wahrnehmung im Spannungsfeld von Linie, Licht und Raum. Der Titel, einer physikalischen Formel entlehnt, beschreibt kein geschlossenes System, sondern ein Verhältnis: minimale Verschiebungen, Differenzen und Abstände, aus denen messbare Veränderungen entstehen. In Schlipkoeters künstlerischer Praxis wird diese Denkfigur zu einem präzisen Modell des Sehens – eines Sehens, das nicht stabil ist, sondern sich aus Überlagerungen, Brechungen und zeitlichen Momenten zusammensetzt.
Seit vielen Jahren arbeitet Schlipkoeter mit dem Phänomen der Interferenz, jener Überlagerung von Lichtwellen, die sowohl in natürlichen als auch in digitalen Bildwelten sichtbar wird. Ausgangspunkt ihrer Arbeiten sind fotografische Beobachtungen von Bildschirm- und Kameralicht, deren vermeintliche Störungen – Linien, Flimmern, Verschiebungen – sie in einen malerischen Prozess überführt. Dabei geht es nicht um die Darstellung eines Motivs, sondern um die Übersetzung eines visuellen Ereignisses: Licht wird zur Struktur, Linie zum Träger von Bewegung und Dauer.
Die gezeigten Arbeiten entwickeln sich aus der Malerei zu einem offenen Bildraum. Auf Papier und Neobond gearbeitete Schüttungen und Linienzeichnungen werden durch präzise gesetzte Einschnitte geöffnet, geschichtet und in neue räumlicheKonstellationen überführt. Die Linie wird zum realen Eingriff in die Bildfläche, die ihre Geschlossenheit verliert und beginnt, sich zwischen Oberfläche, Wand und Raum zu entfalten. Vorder- und Rückseite, Positiv und Negativ, Fläche und Tiefe treten in ein instabiles Gleichgewicht. Im Zentrum der Ausstellung steht eine Wandarbeit, die aus zeichnerischen Setzungen der Interferenzlinien entwickelt ist und die formalen und inhaltlichen Fragestellungen bündelt.

Sandra Schlipkoeter, AG 4, 2019. cut-out, mirror foil
42 x 29,5 cm | framed: 45,5 x 33 cm | 16.5 x 11.6 inches | framed: 17.9 x 13.0 inches
Neu sind Arbeiten, in denen Schlipkoeter ihre Auseinandersetzung mit Linie und Interferenz konsequent erweitert. In Objekten aus Papier und Harz wird die Linie nicht mehr allein als räumliche Struktur, sondern als zeitlich geschichteter Prozess erfahrbar. Transparenz, Schichtung und Materialität machen Verdichtung, Sedimentation und Dauer sichtbar. Sie erweitern den bisherigen Werkzusammen- hang um eine zeitliche Dimension. Formen, die an Bohrkerne oder Schnitte durch geologische Schichten erinnern, verbinden Material, Farbe und Zeit zu räumlichen Konstellationen. Farbe erscheint hier nicht als Oberfläche, sondern als Tiefen- phänomen: In Werken wie RGB und Phasenraum werden Farbwerte und Wellen- längen explizit aufeinander bezogen und als räumlich erfahrbare Relationen sichtbar. Interferenz wird nicht nur dargestellt, sondern materialisiert.
Bei aller formalen Nähe zu abstrakten Bildtraditionen versteht Schlipkoeter ihre Arbeiten nicht als Abstraktionen im klassischen Sinn. Linie, Farbe und Interferenz bleiben an konkrete Lichtphänomene gebunden, an fotografische Vorlagen und reale Wahrnehmungssituationen. Auch dort, wo der Ursprung unsichtbar wird, bleibt der malerische Anspruch zentral: Jede Fläche, jede Linie ist Ergebnis eines kontrollierten, beinahe analytischen Arbeitsprozesses, der das Bild als präzise gesetzte Oberfläche begreift.
Mit Δs = kλ zeigt Sandra Schlipkoeter eine Werkgruppe, in der sich Malerei, Schnitt, Raum und Zeit wechselseitig bedingen. Die Arbeiten fordern ein Sehen, das Bewegung, Veränderung und Dauer mitdenkt. Wahrnehmung erscheint hier nicht als unmittelbare Gewissheit, sondern als sensibles System von Relationen – ein System, in dem kleinste Verschiebungen ausreichen, um das Ganze neu zu konfigurieren.
Vernissage: Freitag, 13. Februar 2026, 18:00–21:00 Uhr
Ausstellungsdaten: Freitag, 13. Februar 2026 – Samstag, 18. April 2026
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Bildunterschrift Titel: Sandra Schlipkoeter, NR03|20|21, 2024. Oil and acrylic on Neobond paper cut. 30 x 21 cm | framed: 32 x 24 | 12.6 x 9.6 inches
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