post-title Robert Filliou | how to see Robert Filliou | Galerie Barbara Wien | 07.03.-15.04.2026

Robert Filliou | how to see Robert Filliou | Galerie Barbara Wien | 07.03.-15.04.2026

Robert Filliou | how to see Robert Filliou | Galerie Barbara Wien | 07.03.-15.04.2026

Robert Filliou | how to see Robert Filliou | Galerie Barbara Wien | 07.03.-15.04.2026

bis 15.04. | #4961ARTatBerlin | Galerie Barbara Wien präsentiert ab 7. März 2026 die Ausstellung how to see Robert Filliou des Künstlers Robert Filliou.

„Was der Besucher weiß, ist genug. Das ‚Wissen, dass man weiß‘ zu akzeptieren, aber auch zu ‚wissen, was Wissen ist‘, das ist der Geist der Permanenten Kreation.“ – Robert Filliou/Joachim Pfeufer in Le Poipoidrome Ambulant 00, 1975

„Ich habe gedacht, ich könnte Dinge nach dem Kriterium des Augenblicks messen. Zum Beispiel bin ich etwas über sechzig Tomaten groß, und ich bin 111.225 Kopenhagen– Paris-Zugreisen alt.“ – Robert Filliou in einem Interview mit Irmeline Lebeer-Hossmann, 1976

„Robert Filliou ist einer der bedeutendsten Künstler des 20. Jahrhunderts. Vielleicht braucht es das 21. Jahrhundert, um dies zu erkennen.“ Der Kurator Anders Kreuger findet klare Worte für Robert Filliou, den er nicht nur als Künstler, sondern auch als Stückeschreiber, Dichter und Denker vorstellt. 2017 kuratiert Kreuger eine wichtige Retrospektive im M HKA in Antwerpen mit dem Titel The Secret of Permanent Creation, begleitet von einer hervorragenden Publikation. Es ist die vierte Retrospektive, die Filliou seit 1984 gewidmet wurde. Obschon die Aktionen von Filliou, der 1987 starb, und selbst die Retrospektiven auf sein Werk 2017 schon weit zurückliegen, stellt Kreuger in dem Vorwort zu seinem Buch fest, dass „es sich nie so anfühlte, als würdenzwir mit historischem Material arbeiten. Fillious Denken und Werk sprechen uns heute direkt an.“ Er betont die Aktualität von Filliou: „Er ist eine Stimme für unsere Zeit, die von der politischen und poetische Ökonomie spricht, von Neugier und Forschung, die mehr sind als ‚ein Privileg für die Wissenden‘.“ Kreuger fasst zusammen, was Filliou so einzigartig macht: „Er versucht neue Namen zu finden für das, was er tut und macht. Statt Kunst zu machen, spricht er von Permanenter Kreation oder von der Genialen Republik der Forschung.“ Kreuger nennt diese außergewöhnliche Fähigkeit Fillious „systematischfreies Denken“.

how to see ist eine neue Ausstellungsreihe der Galerie Barbara Wien, die am 7. März 2026 mit Arbeiten von Robert Filliou eröffnet wird. Wir werden eine Auswahl von Originalwerken, Druckgrafiken, Multiples, Büchern, Texten und Ephemera präsentieren.

Zusätzlich zeigen wir den Film Porta Filliou, produziert 1977 während einer Arton’s-Residenz in Calgary von Filliou zusammen mit Marcella Bienvenue und Clive Robertson. Porta Filliou ist eine Videoergänzung zu Fillious Buch Teaching and Learning as Performing Arts (1970). Besucher werden außerdem die Möglichkeit haben, das Werk Whispered History of Art (1963) zu hören.Wir bieten mit der Ausstellung eine informationsreiche und zugleich unterhaltsame Einführung in die Kunst und das innovative Denken von Filliou.

Mit der Ausstellungsreihe how to see führen wir mit originalen Werken, Dokumenten und Texten in die Kunstkonzepte der jeweils ausgestellten Künstlerinnen und Künstler ein. Wir zeigen Material aus der Galerie, der Buchhandlung und dem Grafikschrank. Seltene wie auch verfügbare Bücher und Texte können studiert und erworben werden. In einigen Fällen ergänzen wir die Werke auch mit Ephemera, Plakaten und Einladungskarten. Der Titel der Ausstelungsreihe how to see kann auf zwei Arten gelesen werden, einmal als die Frage: Wie sehen wir die Kunstkonzepte heute? Ein anderes Mal: Wie nimmt der Künstler oder die Künstlerin die Welt wahr?

Als kurze Einführung in den ersten Teil von how to see möchten wir auf einige zentrale Ideen Fillious hinweisen: Filliou entwickelte ein neues Verständnis dafür, was Kunst sein könnte. Er nutzte Zufall und Spiel, um skulpturale Plattformen und Gegenmodelle zu schaffen, und stellte damit sowohl die Rolle der Kunst als auch das Verständnis der Kunst als abgeschlossenes Produkt in Frage. Für Filliou war das Kunstwerk nicht das Ende eines kreativen Prozesses, sondern sein Anfang. Schon in den frühen 1960erJahren war Filliou Teilnehmer der Fluxus-Bewegung und begann, die Grenzen der Kunst zu hinterfragen und die Konventionen und Strukturen von Institutionen offenzulegen, während er zugleich alternative Modelle von künstlerischer Produktion und von Austausch anbot. Es ist erwähnenswert, dass seine künstlerische Laufbahn, wie auch die von Niki de St. Phalle, Daniel Spoerri oder Diter Rot, um nur drei zu nennen, 1961 mit einer Au stellung in der von dem deutsch-dänischen Künstler Arthur Køpcke gegründeten Galerie Køpcke in Kopenhagen begann.

Der Einfluss von Køpcke auf die Konzepte der Künstlerinnen und Künstler, die er ausstellte, sollte mehr im Fokus der Kunstgeschichte stehen, als dies bisher der Fall ist.

Ein Beispiel für ein Gegenmodell von Robert Filliou ist die Plattform Poipoidrom, die er gemeinsam mit dem Architekten Joachim Pfeufer 1963 als „eine funktionale Beziehung zwischen Reflexion, Handlung und Kommunikation“ konzipierte. Ein zentraler Aspekt dieser Arbeit ist die Aktivierung und Ermutigung des Publikums: „Man braucht nichts zu ‚lernen‘, um die Aktionen und die Reflexionen des Poipoidroms verfolgen zu können. Was der Besucher weiß, ist genug. Das ‚Wissen, dass man weiß‘ zu akzeptieren, aberauch zu ‚wissen, was Wissen ist‘, das ist der Geist der Permanenten Kreation.“(Robert Filliou / Joachim Pfeufer, Le Poipoidrome Ambulant 00, 1975) Poipoidrom gehört zu den ersten Arbeiten, in denen Filliou sein zentrales Konzept der „Permanenten Kreation“ formulierte. Filliou schreibt: „Ich habe mich für Permanente Kreation interessiert, und ich gebrauche dieses Wort viel häufiger als das Wort Kunst, weil ich Kunst als Kreativität praktiziere …“ (Robert Filliou, The Eternal Network Presents, 1984/85, S. 52)

Ein weiteres Gegenmodell ist seine Erfindung des Geburtstags der Kunst. Filliou, geboren am 17. Januar 1926, erklärte am 17. Januar 1963, dass die Kunst genau 1.000.000 Jahre zuvor geboren worden sei, als jemand einen trockenen Schwamm in einen Eimer Wasser fallen ließ. Zehn Jahre später feierte er den 1.000.010. Geburtstag der Kunst in der Neuen Galerie in Aachen. Seitdem wird der 17. Januar jährlich als Geburtstag der Kunst gefeiert – ein festes Datum, um über die Bedeutung der Kunst und über die Messung der Zeit nachzudenken.

Das „Prinzip der Äquivalenz“ ist ein weiteres herausforderndes Konzept von Filliou. 1968, auf Einladung von Alfred Schmela, seinem Galeristen in Köln, formulierte er das „Prinzip der Äquivalenz“ als zentrales Element der „Permanenten Kreation“: „GUT GEMACHT / SCHLECHT GEMACHT / NICHT GEMACHT.“ Er erklärt: „Im Sinne der Permanenten Kretion schlage ich vor, dass diese Möglichkeiten äquivalent sind.“ Das Prinzip deutet auf Fillious intensive Auseinandersetzung mit dem Zen-Buddhismus hin, dem er begegnete, als er zwischen 1951 und 1954 für die Vereinten Nationen in Südkorea arbeitete. Diese Philosophie veränderte sein Leben grundlegend und prägte seine spätere künstlerische Denkweise.

Barbara Wien

Robert Filliou (geboren 1926 in Sauve, im Süden Frankreichs) war 1943 Teil der Résistance-Bewegung. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs zog er in die Vereinigten Staaten, wo er für Coca-Cola arbeitete und in Los Angeles Wirtschaftswissenschaften studierte.

In den frühen 1950er-Jahren ging er als Ökonom im Auftrag der Vereinten Nationen nach Südkorea, um zum Wiederaufbauplan des Landes nach dem Krieg beizutragen. Nach ausgedehnten Reisen um die Welt kehrte er 1959 nach Frankreich zurück. Um diese Zeit entstanden seine ersten Aktionsgedichte undseine erste visuelle Arbeit L’Immortelle Mort du Monde, ein aleatorisches Theaterstück in Form einer Textcollage. 1961 hatte Filliou erstmals eine Ausstellung inder Galerie Arthur Køpcke in Kopenhagen. Im Januar 1962 gründete er die Galerie Légitime, die aus seinem Hut bestand, in dem er seine eigenen Werke sowie die von Freunden zeigte. Mit der Galerie Légitime nahm er am Festival of Misfits in London und an weiteren Fluxus-Festivals teil und war eine der zentralen Figuren in der Fluxus-Bewegung.

1966 verfasste er seine Principles of Poetic Economy, die 1968 zur Formulierung seiner Schlüsselkonzepte „Äquivalenz“ und „Permanente Kreation“ führten. Nach einer Zeit in Düsseldorf kehrte er 1975 nach Frankreich zurück. In der Nähe von Nizza erklärte er eine ehemalige Ölmühle zum „1. Territorium der République Géniale“.

Im Oktober 1984 zog er sich für 3 Jahre, 3 Monate und 3 Tage in ein buddhistisches Kloster zurück, wo er am 2. Dezember 1987 starb.

Vernissage: Samstag,7. März 2026, 16–20 Uhr

Ausstellungsdaten: Samstag, 7. März bis Mittwoch, 15. April 2026

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Bildunterschrift Titel: * Robert Filliou at his apartment in rue des Roziers, 1964. Photo: Vera Spoerri

Ausstellung Robert Filliou – Galerie Barbara Wien | Zeitgenössische Kunst in Berlin | Contemporary Art | Ausstellungen Berlin Galerien | ART at Berlin

 

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