post-title Martine Poppe | Peering at the Edge of Daydreams | Kristin Hjellegjerde Gallery Berlin | 10.01-18.02.2023

Martine Poppe | Peering at the Edge of Daydreams | Kristin Hjellegjerde Gallery Berlin | 10.01-18.02.2023

Martine Poppe | Peering at the Edge of Daydreams | Kristin Hjellegjerde Gallery Berlin | 10.01-18.02.2023

Martine Poppe | Peering at the Edge of Daydreams | Kristin Hjellegjerde Gallery Berlin | 10.01-18.02.2023

bis 18.02. | #3732ARTatBerlin | Kristin Hjellegjerde Gallery Berlin präsentiert ab 10. Januar 2023 die Ausstellung “Peering at the Edge of Daydreams” der Künstlerin Martine Poppe.

Sonnendurchflutete Leinwände mit riesigen, farbenprächtigen Blüten und verschlungenen Stängeln beschwören das Gefühl eines üppigen, dschungelartigen Raums. Sie sind jedoch keine Visionen von Eden, zumindest nicht im herkömmlichen Sinne; Martine Poppe’s schwülstige Landschaften sind verzerrt und glitzernd, mit verpixelten Oberflächen und seltsam schimmernden Formen. „Peering at the Edge of Daydreams“, die sechste Einzelausstellung der Künstlerin in der Kristin Hjellegjerde Gallery, verbindet Poppe’s anhaltendes Interesse an Klimafragen und Ökofeminismus mit tropischen Ansätzen des Bubblegum-Minimalismus – leuchtende Farben, Blumen, Sonnenschein -, die ein Gefühl von Freude und Leichtigkeit vermitteln sollen. Das Ergebnis sind leise, komplexe Werke, die das Spielerische und die Kreativität als machtvolle Werkzeuge feiern, welche die Art und Weise verändern können, wie wir die Welt um uns herum sehen und mit ihr umgehen.

Der Titel der Ausstellung, der an ein Gedicht der irischen Schriftstellerin und Ökofeministin Rosemarie Rowley angelehnt ist, verweist auf ein Entgleiten aus der Realität, einen schwankenden Zwischenraum. Wenn wir tagträumen, hebt unsere Vorstellungskraft uns aus der Realität heraus, und obwohl dies eine Form von Eskapismus ist, kann es auch eine aufschlussreiche Erfahrung sein. Wie Poppe bemerkt, „ist man am Ende auf eine Weise ehrlich zu sich selbst, wie man es sonst nicht ist“. Für sie fühlte sich der Entstehungsprozess dieser neuesten Bilder wie ein notwendiger Tagtraum an, ein Rückzug an einen glücklicheren, helleren Ort, der das Experimentieren und die einfache Schönheit der Natur zulässt. „Wenn es jemals einen Moment für trotzige Fröhlichkeit gab, dann ist es jetzt“, sagt sie, aber gleichzeitig weisen die Bilder in ihrer entschlossenen Positivität auf die Künstlichkeit ihrer eigenen Entstehung hin. Bei näherem Hinsehen nämlich sind die riesigen, pfirsichfarbenen Blütenblätter der Lilien ungesund grün gesprenkelt, die weichen, gekräuselten Zentren der Hortensien vergilben und die leuchtenden Samenköpfe wirken kränklich infiziert.

Dieser veränderte Sinn für Perspektive ist das Ergebnis von Prozess und Materialität. Bei dieser jüngsten Serie hat Poppe ihre als Inspiration für die Ölgemälde zugrundeliegenden Fotografien stark manipuliert, um nicht nur das Licht zu verstärken und die Farben zu verzerren, sondern auch um die Schattenbereiche zu reduzieren. Die verbleibenden dunklen Bereiche erscheinen großformatig gedruckt als isolierte Pixel und werden bei der Übertragung vom digitalen Bild auf die gemalte Oberfläche noch verstärkt. Poppe positioniert das gedruckte Foto dabei temporär während des Malens hinter dem Keilrahmen und nutzt für das eigentliche Gemälde anstatt der klassischen Leinwand ein leicht durchscheinendes Segeltuch. Mit schnellen, texturierten Gesten malt sie auf das Tuch und trägt mit ihrer einzigartigen halbmondförmigen Pinselstrichtechnik nur eine Lage Öl auf – diese dabei entstehende Struktur ruft einen verzerrten Effekt hervor und zeichnet dabei gleichzeitig ihre körperlichen Bewegungen auf. Auf diese Weise symbolisieren die dunklen Bereiche nicht nur die Vergänglichkeit der Natur, sondern auch unseren Anteil an ihrem Untergang. Wie Poppe anmerkt, ist ihre „zufällige Verschmutzung“ des perfekten Bildes in gewisser Weise auch ein augenzwinkernder Kommentar zur vorsätzlichen Blindheit in der aktuellen Politik in Bezug auf Umweltveränderungen. Der Zweck dieser Bilder besteht jedoch nicht darin, ein Urteil zu fällen oder Schuldgefühle hervorzurufen – stattdessen wollen sie die subversive Kraft des Positiven demonstrieren.

Poppe stieß zum ersten Mal auf den Begriff „Bubblegum-Minimalismus“ im Zusammenhang mit einem bestimmten Stil der Popmusik und -literatur, aber was sie am interessantesten findet, ist, wie die Vermeidung von Negativität nicht so sehr das Gefühl beseitigt, sondern eher eine Leere schafft. Mit anderen Worten: wir werden uns der Unwirklichkeit der Situation, der Darbietung oder – in Poppe’s Fall – des Bildes übermäßig bewusst. Im Gegenzug sind wir in der Lage, klarer über das zu reflektieren, was uns fehlt. „Meine Kunstgeschichtslehrer sagten, dass es etwas Ähnliches in der lebensfrohen Kunst der 1910er und 20er Jahre gab, als Bewegungen wie Art Deco und Art Nouveau einen großen Einfluss hatten“, sagt Poppe. „Sie würden diese Bewegungen jedoch auch dafür kritisieren, dass sie blind für das Kommende waren, während ich der Meinung bin, dass die Kunst auf die Bedürfnisse der Zeit reagiert, in der sie geschaffen wird.“

Vor dem Hintergrund globaler Umweltprobleme, politischer Umwälzungen, Menschen-rechtsfragen und Finanzkrisen sollen Poppe’s strahlende Gemälde nicht nur ein willkommenes Gefühl der Erleichterung, sondern auch der Reflektion und Hoffnung bieten. Kunst mag zwar ein „Tagtraum“ sein, aber sie ist auch ein Weg der Motivation, im wirklichen Leben zu handeln und Dinge zu verändern.

Vernissage: Dienstag, 10. Januar 2023, 18:30 – 21 Uhr

Ausstellungsdaten: Dienstag, 10. Januar –  Samstag,18. Februar 2023

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Bilduterschrift: Martine Poppe: A flower challenging a rock, 2022, oil on polyester restoration fabric, 160 x 105 cm

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