post-title Martin Boyce | The Light Pours Out | Esther Schipper | 26.10.-01.12.2018

Martin Boyce | The Light Pours Out | Esther Schipper | 26.10.-01.12.2018

Martin Boyce | The Light Pours Out | Esther Schipper | 26.10.-01.12.2018

Martin Boyce | The Light Pours Out | Esther Schipper | 26.10.-01.12.2018

bis 01.12. | #2267ARTatBerlin | Esther Schipper präsentiert seit 26. Oktober 2018 die Einzelausstellung The Light Pours Out des Künstlers Martin Boyce.

Esther Schipper freut sich, The Light Pours Out, die erste Einzelausstellung von Martin Boyce mit der Galerie anzukündigen.

Martin Boyce hat den Galerieraum subtil verwandelt, indem er ein System von Leisten geschaffen hat, die die Wände bedecken und deren Oberfläche in skulpturale Settings und formale Rahmen für seine Skulpturen verwandeln. Mit der Präsentation neuer Werke aus seiner Serie von bemalten Paneelen aus perforiertem Stahl mit angebrachten Metallelementen, großen Screens und Werken aus seiner Serie von Jesmonit Platten setzt der Künstler seine Hybridisierung verschiedener Traditionen von Kunst, Architektur, Design und Urbanismus fort – sowohl westlicher als auch östlicher, modernistischer und historischer.

Basierend auf Linien aus den kubistischen Betonbäumen von 1925 der Brüder Jan und Joël Martel, die seit 2005 als „Lexikon der Formen“ für den Künstler fungieren, verweisen die Leisten sowohl auf die Geschichte der architektonischen Ornamentik als auch auf die Vorliebe des 18. und 19. Jahrhunderts für Verzierungen. In diesem Kontext, beziehen sie sich insbesondere auf die Geschichte von Ausstellungen – das Muster der Rechtecke gibt dem Raum einen neuen Rhythmus, bildet buchstäblich Rahmen (traditionell für Gemälde verwendet) und repräsentiert gleichzeitig ihre Bedeutung als symbolische Kennzeichnung.

In einer weiteren Anspielung auf die kontinuierliche Auseinandersetzung des Künstlers mit der Malerei durch andere Mittel – mit Verflechtungen von Skulptur und Malerei, dreidimensionalen Objekt- und Bildebenen, Solidität und Transparenz – sind eine Reihe von Arbeiten aus farbigen perforierten Stahlpaneelen mit Elementen aus Ketten und kleinen Laternen in den von den Leisten gebildeten Sektionen installiert. (Wenn die Paneele die Rahmen schneiden, wird deren formale und konzeptionelle Funktion noch deutlicher.) Bemalt und gefärbt haben die monochromen Paneele—welche teils aus einem, zwei oder drei Teilen bestehen—eine bemerkenswerte Leuchtkraft. Der Farbauftrag wirkt fast flüssig, erinnert an Tinte oder Aquarell und färbt die perforierte Oberfläche mit einem feinen Kaskadenmuster.

ART-at-Berlin-–-Courtesy-of-Esther-Schipper-–-Martin-Boyce
painted panel detail, photo © Martin Boyce / Courtesy the artist; Esther Schipper, Berlin

Im Zusammenhang mit Boyces Interesse an chinesischer Kunst erinnern die Werke an die charakteristischen Kompositionen der chinesischen Malerei von Berglandschaften. Die Laternen und Ketten verstärken eine solche Assoziation: als wiederkehrendes Motiv in Boyces Werk beziehen sich die Metalllaternen sowohl auf die charakteristische Form chinesischer Lampen und Laternen als auch auf jene, welche auf seiner Beschäftigung mit den Bäumen der Brüder Martel beruhen. Die aufgeladene Balance zwischen Simplizitätund ikonographischem Motiv der skulpturalen Komponenten eines jeden Werkes erinnert zudem an ein Stilmittel der traditionellen chinesischen und japanischen Malpraxis.

Gleichzeitig verbinden sich in diesen skulpturalen Elementen der Paneele industrielle und organische Assoziationen: Die verfärbten Metallketten zeugen von einem Prozess der Abnutzung oder des Verfalls (welchem sie im Freien ausgesetzt wären). Die Formen nehmen dagegen, wie so oft in Boyces Werk, einen naturalistischen Charakter an, da ihre fließenden Linien auch an die in der Natur vorkommenden erinnern (wie Reben, zarte Äste, oder die matten Linien von Weidenbäumen).

Zwei Skulpturen – eine, die eine Stehlampe mit einer leicht über dem Boden schwebenden bemalten Tür verbindet, und eine weitere, die eine Lampe, die an einem großformatigen Metallrahmen hängt, der an das Kopf- und Fußteil eines Bettes erinnert – setzen diese Verbindungen von organischen, anthropomorphen und maschinellen Assoziationen fort.

Zwei großformatige freistehende Arbeiten fungieren sowohl als Trennwände als auch als Rahmen –  eine Form, die Boyce bei der Gestaltung hybrider Architekturlandschaften verwendet hat, um die Mehrdeitigkeit der Screens als Begrenzungen, Öffnungen und Markierung von Übergangsräumen hervorzuheben. Ihre Lichtdurchlässigkeit – die Oberfläche besteht aus halbtransparentem glasfaserverstärktem Kunststoff, der über einem rechteckigen Metallrahmen montiert ist – unterstreicht ihre Funktion als konzeptionelle Schwellen.

Große Tore oder Screens, die die urbanen Landschaften von Boyce strukturieren und Parcours oder individuelle Räume schaffen, verbinden architektonische und urbaneReferenzen. Während Zäune, Tore, Fenster – zum Teil aus umgedrehten Bänken, Metallgittern oder Ketten entstanden, an temporäre Häuser oder Barackenstädte erinnernd – ein wiederkehrendes Motiv waren, artikulieren diese neuen Arbeiten den steten Einfluss der traditionellen japanischen Architektur und inspesondere deren als Raumteiler fungierenden Schiebetüren. Gleichzeitig ruft die Transluzenz die Wirkung von Vorhängen hervor, die paradoxerweise die großen Glasfenster modernistischer Gebäude verhängen und das, was als Architektur der Transparenz konzipiert war, verschwimmen lassen.

Martin Boyce hat ikonische Designobjekte überarbeitet und neu formuliert und seine eigene Bildsprache entwickelt, die auf einer Lesart der formalen und konzeptionellen Geschichten von Kunst, Design, Architektur und Stadtplanung basiert. Boyces Ausstellungen haben oft die Form von verzauberten Landschaften, die von leicht lakonischen Zeugen vergangener Stadtentwicklungsprogramme bewohnt erscheinen, aber auch das Formenvokabular des zeitgenössischen Urbanismus mit Momenten unerwarteter Zärtlichkeit und Schönheit füllen.

Martin Boyce wurde 1967 in Hamilton, Schottland, geboren. Er studierte an der Glasgow School of Art und am California Institute for the Arts. Boyce hat derzeit eine Professur an der HfBK in Hamburg inne. Er lebt und arbeitet in Glasgow. Der Künstler erhielt 2011 den Turner-Preis.

Eröffnung: Freitag 26. Oktober 2018, 18:00 – 21:00 Uhr

Ausstellungsdaten: Freitag, 26. Oktober – Samstag, 01. Dezember 2018

Zu Esther Schipper

 

Bildunterschrift: painted panel detail, photo © Martin Boyce / Courtesy the artist; Esther Schipper, Berlin

Ausstellung Martin Boyce – Esther Schipper | Zeitgenössische Kunst in Berlin | Contemporary Art | Ausstellungen Berlin Galerien | ART at Berlin

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