post-title Kathryn Andrews | Black Bars | König Galerie | 23.09.-22.10.2017

Kathryn Andrews | Black Bars | König Galerie | 23.09.-22.10.2017

Kathryn Andrews | Black Bars | König Galerie | 23.09.-22.10.2017

Kathryn Andrews | Black Bars | König Galerie | 23.09.-22.10.2017

bis 22.10. | #1624ARTatBerlin | König Galerie zeigt ab dem 23. September 2017 die Ausstellung “Black Bars” der Künstlerin Kathryn Andrews.

König Galerie freut sich, die erste Ausstellung von Werken der in Los Angeles lebenden Künstlerin Kathryn Andrews anzukündigen. In der Black Bars betitelten Schau, die am Freitag, den 22. September 2017 eröffnet und bis zum 22. Oktober zu sehen ist, zeigt sie eine Gruppe großformatiger Wandarbeiten sowie freistehende Skulpturen.

Kathryn Andrews’ Werk durchbricht die Wahrnehmungsgewohnheiten unserer mediengesättigten Gegenwart. Sie stellt hochgradig ikonische Formen wie popkulturell geprägtes Bildmaterial und Hollywood-Requisiten neben abstrakte und äußerst reduzierte Gebilde, die sich durch intensive materielle Präsenz auszeichnen. Ihre Combines lassen den Betrachter zwischen einer bildlichillusionistischen Sehweise (wie in der Pop Art) und der Wahrnehmung von Materialien und Objekten (wie im Minimalismus) schwanken. So zielt ihre Arbeit auf eine Auflösung des augenscheinlichen Widerspruchs zwischen diesen zwei historischen künstlerischen Ansätzen.

Der Titel Black Bars stammt von einer wachsenden Serie von Wandarbeiten, zu denen die Künstlerin sich von Manets bahnbrechendem Gemälde Le Déjeuner sur l’herbe inspirieren ließ, in dem eine Picknickszene mit verstörenden sexuellen Spannungen und krassen Maßstabsmissverhältnissen aufgeladen ist. Diese Themen dienen Andrews als Angelpunkt für eine Untersuchung der tief verwurzelten Verbindungen zwischen Bild und Begehren im westlichen Kulturkanon. Auf weißem Grund um die Gesichter junger Frauen herum angeordnete Siebdruckdarstellungen zufällig ausgewählter Dinge, die für unkomplizierten Genuss und Freizeitvergnügen stehen, übersetzen Manets Gegenstandswelt in eine zeitgenössischere und manchmal humoristische Sprache, in der Anklänge an Modewerbung unübersehbar sind. Ein Teil des Bildmaterials ist zugekauft, aber der überwiegende Teil entsteht in von der Künstlerin selbst organisierten Fotoshootings. Durch diese Nachschöpfung von Bildern, die sonst als Stockfotografie durchgehen würden, situiert Andrews ihre Autorschaft in einem System, dessen kommerzielle Motivation durch bewusste und unbewusste Äußerungen von Begehren bestimmt ist, und zeigt so auf, wie das menschliche Subjekt als Requisite dargestellt werden – und fungieren – kann.

Die Monumentalität der beinahe 2,5 Meter hohen Arbeiten wird noch durch die achtunggebietenden schwarzen Balken betont, die mittels Siebdruck auf die Innenseiten der den Betrachter von den Bildern dahinter trennenden Acrylglasscheiben aufgebracht sind. Indem sie eine Gesamtschau verhindern, versperren sie den Zugang zu der hinter ihnen liegenden Illusion von Genuss und lenken die Aufmerksamkeit auf die unmittelbaren physischen Eigenschaften des Objekts, dem sich der Betrachter gegenübersieht: das spiegelnde Acrylglas, die Texturen des bemalten Bildträgers im Rahmen und die Farbtöne und Beschaffenheit der Druckfarben, aus denen die Bilder bestehen. Andrews’ Beherrschung diverser Drucktechniken erlaubt es ihr, zweidimensionalen Formen fühlbares Gewicht zu verleihen. Nähert sich der Betrachter den Bildern, um sie zu entschlüsseln, zerfallen sie in ihre materiellen Bestandteile. Zu ihrem Inhalt gehören daher nicht nur die kulturellen Erzählungen, die sie symbolisieren, sondern auch die Mittel, mit denen sie unmittelbar die Sinne ansprechen.

Einerseits verkörpert Andrews’ Praxis die bildbasierte Kritikalität, die oft mit der Pictures Generation assoziiert wird: Sie nimmt sich bereitwillig vertrauter Repräsentationsformen an. Andererseits lehnt ihr Werk sich eng an diverse Strömungen innerhalb des Minimalismus an, die solche Formen rundweg scharf ablehnen würden. Ihr Interesse an Optikalität etwa erinnert an Vorläufer von der amerikanischen Westküste wie die Künstler von Light and Space, die ebenfalls der Frage nachgingen, wie und was ein Betrachter wahrnimmt, wenn er einem Kunstwerk begegnet. In den letzten fünf Jahren hat Andrews eine Reihe von Skulpturen mit in ihren Dimensionen auf den menschlichen Körper abgestimmten Edelstahlrohren entwickelt. Sie zeigen, wie diese scheinbar getrennten Untersuchungsfelder ineinandergreifen.

In der jüngsten dieser Skulpturen setzt Andrews zwei Stahlrohre als Rahmen für ein authentisches Requisit aus dem Film Titanic (1997) ein. Der hornförmige Schlot, der zu der Unterwasserkulisse gehörte, die das gesunkene Schiff darstellte, zeigt deutliche formale Ähnlichkeiten zu den Stahlelementen, mit denen er gemeinsam zu sehen ist. Die drei Rohre sind als Teile eines einzigen in sich geschlossenen abstrakten Objekts lesbar, dessen Wirkung auf der Variation von Formen, Farben und Oberflächentexturen beruht. Zugleich bleibt die Arbeit mimetisch mit verschiedenen ihr äußerlichen Ebenen – der Bilderwelt der Seefahrt im Allgemeinen und des Films Titanic im Besonderen sowie der realen Geschichte der Unglücksfahrt der Titanic – verknüpft.
Diese Widersprüche treten umso deutlicher hervor, wenn der Betrachter in das Rohr blickt, das das Requisit trägt: Während der obere Teil die einigermaßen getreue Nachbildung eines wirklichen Schlots zu sein scheint, sind weiter unten Schaumstoff und andere Materialien zu erkennen, die das Requisit als ein bloßes dreidimensionales Trompe-l’oeil ausweisen. Im Gegensatz zu den vergleichsweise makellosen Edelstahlelementen zeigt das Titanic-Readymade Gebrauchs- und Alterungsspuren. Seine Abnutzung erinnert daran, dass ikonische Objekte und Bilder, die in der Kultur zirkulieren, als wären sie von den Naturgesetzen ausgenommen, tatsächlich auf materielle Träger angewiesen und daher nicht weniger anfällig sind als die Materialien, in und an denen sie erscheinen. Nur in der Wahrnehmung und Erinnerung ihrer Betrachter können sie eine Zeit lang ihrem unausweichlichen Schicksal entgehen.

2017 wird Kathryn Andrews (geb. Mobile, Ala., 1973) ihre Arbeiten in der Einzelausstellung Field Station im Eli and Edythe Broad Art Museum an der Michigan State University, East Lansing, Mich., zeigen. Weitere Einzelausstellungen zuletzt: Kathryn Andrews: Run for President im Museum of Contemporary Art, Chicago, und im Nasher Sculpture Center, Dallas, Sunbathers I & II auf der High Line, New York, Temporary Contemporary im Bass Museum of Art, Miami, und Special Meat Occasional Drink im Museum Ludwig, Köln. Beteiligungen an Gruppenausstellungen zuletzt: Reconstitution im LAXART, Los Angeles, 99 Cents or Less im Museum of Contemporary Art Detroit, High Anxiety: New Acquisitions in der Rubell Family Collection, Miami, Progressive Praxis im de la Cruz Collection Contemporary Art Space, Miami, Good Dreams, Bad Dreams: American Mythologies in der Aïshti Foundation, Beirut, The Fleeting Image: Four Contemporary Artists im Nasher Museum of Art an der Duke University, Durham, N. C., und The Los Angeles Project im Ullens Center for Contemporary Art, Peking. Andrews lebt und arbeitet in Los Angeles.

Vernissage: Freitag, 22. September  2017, 18:00 bis 21:00 Uhr

Ausstellungsdaten: Samstag, 23. September bis Sonntag, 22. Oktober 2017

Zur König Galerie

 

Bildunterschrift: Kathryn Andrews, Black Bars: Déjeuner No. 14 (Girl with Bandana, Campfire Mug, Comb, Grapefruit Slice and Fly Swatter), 233,7 x 186,1 x 11,4 cm, aluminium, Plexiglas, ink, paint, unique

Ausstellung: Kathryn Andrews – Black Bars – KÖNIG GALERIE | Contemporary Art – Kunst in Berlin – ART at Berlin

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