post-title Joshua Zielinski | Parallelen sind nie daneben | Laura Mars Gallery | 11.04.-09.05.2026

Joshua Zielinski | Parallelen sind nie daneben | Laura Mars Gallery | 11.04.-09.05.2026

Joshua Zielinski | Parallelen sind nie daneben | Laura Mars Gallery | 11.04.-09.05.2026

Joshua Zielinski | Parallelen sind nie daneben | Laura Mars Gallery | 11.04.-09.05.2026

bis 09.05. | #4950ARTatBerlin | Laura Mars Gallery zeigt ab 11. April 2026 die Ausstellung Parallelen sind nie daneben des Künstlers Joshua Zielinski.

Sind das Lämpchen im Retrodesign, die sich zur Siegerehrung auf dem Podium versammelt haben? Für die Serie Lakope hat Joshua Zielinski ausrangierte Sporttrophäen zerlegt und neu zusammengesetzt. Die kleinen Marmorsockel blieben erhalten, doch die Pokale selbst, in ihrer Talmi-Ästhetik, erinnern mal an Kuchenformen, mal an schillernde Schirmlinge, von denen einer seinen Hut mit dünnen Ärmchen festzuhalten versucht. Der trapezförmige, zartgelbe Sockel bringt die Objekte auf Augenhöhe der Betrachter und fasst sie zu einer skulpturalen Einheit.

Auch die Skulptur Twin ist das Ergebnis einer Umformung: Ursprünglich sollte der Sandstein in einem anderen Kontext als Sockel dienen, doch wurde nie eine Skulptur darauf installiert. Allerdings sind Spuren von Bearbeitung (Bohrungen) und Lagerung (Verfärbungen und Abbrüche) bewusst erhalten geblieben. Zielinski hat aus dem vorhandenen Material eine Stele geschlagen, deren Form dem gespiegelten Profil einer Sockelleiste des Typs „Berlin” entspricht. Diese historisierende Form aus der Gründerzeit, eine Art „Raumsockel”, ist ein funktionales Gestaltungselement, das sich in den Altbauten vieler deutscher Großstädte findet (vgl. Hamburger/Frankfurter Profil).

Im großen Ausstellungsraum dominieren zwei Museumsvitrinen die Szene. Displays, die für gewöhnlich wertvolle Objekte vor Staub oder anderen Einwirkungen schützen, bewahren hier zwei Staubsammlungen. Man Rays berühmte Fotoarbeit Élevage de poussière (Staubzucht) kommt einem in den Sinn, eine rätselhafte Aufnahme, die den monatelang angesammelten Staub auf Duchamps Le Grand Verre zeigt. Doch Zielinskis Vitrinen enthalten keinen Hausstaub, sondern feine Steinstäube – sie schützen die Besucher vor der latenten Gefahr, die von diesen ausgeht. Der flüchtige Staub wird von den Vitrinen eingehegt; die amorphe Form des Materials in den beiden Vitrinen lässt das Ensemble dabei wie eine vergleichende mineralogische Versuchsanordnung erscheinen. Sehen wir hier die Reste eines Steins, einer Skulptur, oder könnte daraus wieder eine neue Form entstehen?

Ähnliche Fragen werfen auch Zielinskis Letternmetallgüsse Löschblätter auf: Aus eingeschmolzenen Bleisatzlettern hat er sieben Abgüsse von verschiedenen Löschpapierseiten produziert. Ein etwas absurder Vorgang, denn die meist pastellfarbenen, hauchdünnen Blättchen, die sonst überschüssige Tinte in Schulheften absorbieren, begegnen hier den gewichtigen, obsolet gewordenen ehemaligen Trägern potentieller Texte. Feine Adern, körnige Flächen oder scharfe Kanten verleihen jedem Guss eine individuelle Präsenz.

Schließlich ist da noch Der Unstete, eine Skulptur aus Gneis. Man ahnt darin eine Figur, oder vielleicht auch nur den Schatten einer Figur? Die schichtartige Struktur des Materials verweist auf seine Charakteristik als metamorphes Gestein, das wahrscheinlich in der letzten Eiszeit als Irrblock aus Skandinavien nach Deutschland wanderte. So fügt sich auch diese fast klassisch anmutende Skulptur ein in die anderen Werke der Ausstellung; deren verbindende Eigenschaften sind das Transformative und die Möglichkeit, aus demselben Material immer wieder neue Identitäten zu schaffen.

Text: Bettina Klein

Joshua Zielinski * 1986 in Michigan, USA. 2008 absolvierte er einen Bachelor of Fine Arts mit dem Schwerpunkt Skulptur an der Western Illinois University. 2009 zog er nach Berlin, um dort an der Kunsthochschule Weissensee sein Studium fortzusetzen, das er 2012 mit einem Diplom in Bildhauerei abschloss. Anschließend war Zielinski für ein weiteres Jahr Meisterschüler bei Prof. Berndt Wilde. Von 2013 bis 2014 war Zielinski für ein Jahr Resident an der Cité Internationale des Arts in Paris. 2015 ergänzte er seine künstlerische Ausbildung durch das postgraduale Studium “Kunst im Kontext” an der UdK Berlin, welches er 2018 bei Heike-Karin Föll abschloss. Seit 2017 hat er Lehraufträge u.a. an der Weißensee Kunsthochschule Berlin, an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule in Halle sowie an der Western Illinois University, USA. Zielinskis Arbeiten waren u.a. in der Kunsthalle Wilhelmshaven (2025), in der Kleine Orangerie Schloss Charlottenburg, Berlin (2025), bei Die Möglichkeit einer Insel, Berlin (2024), in der Laura Mars Gallery, Berlin (2024), Foundation, Wien (2018), in der Kunsthalle Kotha, Helsinki, Finnland (2021) und auf der Yayasan Biennale, Jogjakarta, Indonesien (2017) zu sehen. Joshua Zielinski lebt und arbeitet in Berlin.

Vernissage: Samstag, 11. April 2026, um 19 Uhr

Ausstellungsdaten: Samstag, 11. April – Samstag, 9. Mai 2026

Zur Galerie

 

 

Bildunterschrift: Joshua Zielinski, Löschblätter, 2026, Letternmetall, 24 x 35 x 1 cm

Ausstellung Joshua Zielinski – Laura Mars Gallery | Zeitgenössische Kunst Berlin | Contemporary Art | Ausstellungen Berlin Galerien | ART at Berlin

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