post-title Gerhard Winkler | Here Comes The Night | Kuckei + Kuckei | 27.01.-04.03.2017

Gerhard Winkler | Here Comes The Night | Kuckei + Kuckei | 27.01.-04.03.2017

Gerhard Winkler | Here Comes The Night | Kuckei + Kuckei | 27.01.-04.03.2017

Gerhard Winkler | Here Comes The Night | Kuckei + Kuckei | 27.01.-04.03.2017

bis 04.03. | #1039ARTatBerlin | Kuckei + Kuckei zeigt ab dem 27. Januar 2017 die Ausstellung „Here Comes The Night“ des Künstlers Gerhard Winkler.

Well, here it come

Good God, here comes the night

Here comes the night

Lonely, lonely, lonely, night (…)

 

Here comes the Night, Van Morrison & Them, 1965

 

Spaziergänger in der Dämmerung

Der Begriff des Nachtstücks findet kulturhistorisch sowohl in der Malerei, als auch in der Literatur und in der Musik Anwendung. Beschreibt er in der Literatur Werke eher düsteren, unheimlichen Charakters (bei E.T.A. Hoffmann und anderen Vertretern der »Schwarzen Romantik«), so steht er in der Musik in Form des Nocturnes (bzw. Notturnos) in erster Linie für getragene, »träumerische« Klavierstücke (Frédéric Chopin, John Field).

Auf dem Gebiet der Malerei erfuhr das Sujet der Nachtstücke, das sich zwischen dem 15. und 17. Jhdt. großer Beliebtheit erfreute (Rembrandt, Bosch), in der Epoche der Romantik eine Renaissance, die mit einer inhaltlichen Neu-Orientierung verbunden war: Die Künstler (hier denkt man natürlich in erster Linie an Caspar David Friedrich und seine Schule) schufen nun nächtliche Landschaften mit oft geheimnisvollen Lichtverhältnissen, die als existentielle „Seelen-Landschaften“ gelesen werden konnten.

Das beginnende 20.Jahrhundert sah das Nachtstück dann vor allem in Gestalt von Postkarten mit Mondscheinmotiven, allenfalls Magrittes „Reich der Lichter“ mag einem noch in den Sinn kommen. Wie zahlreiche andere Sujets der Malerei (Blumen, Seestücke etc.) fiel es einem zwar undeutlichen, doch umso nachdrücklicheren Modernitäts-Verdikt zum Opfer, galt (und gilt) als explizit romantisch, was nach wie vor häufig mit Kitsch gleichgesetzt wird.

Überblickt man Winklers nunmehr drei Jahrzehnte umspannendes, ungewöhnlich vielgestaltiges Werk, so fällt auf, dass er immer wieder unwillkürlich diese »sujets non gratae« aufgreift und dabei auch den ein oder anderen »Faux pas« nicht scheut. Das eigentlich Interessante daran scheint uns aber zu sein, wie er das tut: An einer Provokation oder gar einem »Tabubruch“ liegt ihm offenbar nichts, und obwohl in seinen Arbeiten der Humor immer wieder ein wichtiger Bestandteil ist, verzichtet er im ganzen auf jegliche absichernde ironische Brechung. Er scheint es ernst zu meinen. Tatsächlich nähert er sich seinen Motiven mit der Neugier und Unbefangenheit eines zeitlosen Promeneurs, er nähert sich ihnen »en passant« und unvoreingenommen … – und ganz unter uns Internatsschülerinnen: Ist es denn etwa kein kostbares Momentum der Zeitenthobenheit, wenn wir vor einem Gemälde des 16. oder 19. Jahrhunderts stehen und uns von ihm berührt und bewegt fühlen, ganz ähnlich wohl wie die zeitgenössischen Betrachter dieser fernen Epochen?

Spricht man übrigens Winkler darauf an, dass die von ihm verwendete fotografische Technik der Kolorierung mit Eiweiß-Lasurfarben im Allgemeinen unwillkürlich in Zusammenhang mit kitschig-nostalgischen Postkarten gebracht wird, also als eine un-künstlerische, un-zeitgenössische Technik gilt, zuckt er nur mit den Achseln – er scheint sich nicht sonderlich für die aktuellen Konnotationen und Konventionen und die damit verknüpften Rezeptionsmuster zu interessieren. Allenfalls der Aspekt des Un-Künstlerischen scheint ihm nicht ganz ungelegen zu kommen. Alle Künstler sind eitel, und in seinem Fall mag sich die Eitelkeit auf den in der Tat kuriosen Umstand gründen, dass es ihm gelungen ist, in einer Zeit der scheinbar unbegrenzt heterogenen Kunst (und Fotografie)-produktion ein Außenseiter und Einzelgänger zu bleiben.

Und so wird auch weiterhin der ein oder andere diskurs- und kontextaffine Connaisseur mit einem gewissen Gefühl der Ratlosigkeit vor den Bildern dieses Künstlers stehen. Diese Ratlosigkeit aber scheint uns in einem sonderbar wechselseitigen Verhältnis mit der auratischen Präsenz zu stehen, die von Winklers eigentlich lapidaren Fotoarbeiten ausgeht.

Anne Sévigné

 

Vernissage: Freitag, 27. Januar 2017, 18:00 Uhr

Ausstellungsdaten: Freitag, 27. Januar bis Samstag, 04. März 2017

Zu Kuckei + Kuckei

 

Bildunterschrift: Nachtstück Galicien Nr. III, 1999, 62,5 x 92 cm, s-w-Barytpapier koloriert

Ausstellung Gerhard Winkler – Kuckei + Kuckei – Kunst in Berlin ART at Berlin

 

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