post-title Chris Agnew + Marcel Buehler | And He Built a Crooked House | Kristin Hjellegjerde Gallery | 27.09.-10.11.2018

Chris Agnew + Marcel Buehler | And He Built a Crooked House | Kristin Hjellegjerde Gallery | 27.09.-10.11.2018

Chris Agnew + Marcel Buehler | And He Built a Crooked House | Kristin Hjellegjerde Gallery | 27.09.-10.11.2018

Chris Agnew + Marcel Buehler | And He Built a Crooked House | Kristin Hjellegjerde Gallery | 27.09.-10.11.2018

bis 10.11. | #2236ARTatBerlin | Kristin Hjellegjerde Gallery präsentiert ab 27. September 2018 die Ausstellung And He Built A Crooked House der Künstler Chris Agnew und Marcel Buehler.

Neonlicht spiegelt sich in vernickelten CO2 -Zylindern, fein gravierte Linien kontrastieren schemenhaft in Öl festgehaltene Momente. Zur Berlin Art Week 2018 stellt die Galerie Kristin Hjellegjerde Werke des Berliner Künstlers Marcel Buehler und Gemälde des Briten Chris Agnew aus; beide Künstler vereint das Interesse an der Frage nach unserer wahren Identität unterhalb der Oberfläche.

Der Ausstellungstitel And He Built A Crooked House bezieht sich auf die gleichnamige Science-FictionKurzgeschichte Robert A. Heinleins aus dem Jahr 1940. In dieser baut ein überambitionierter junger Architekt ein hypermodernes Haus in Form eines Tesserakts, angestachelt von der Idee, eine räumliche vierte Dimension (anstatt der Zeitachse als eigentlicher vierter Dimension) umzusetzen. Durch ein leichtes Erdbeben wird das Gebäude jedoch ungeplant tatsächlich zum vierdimensionalen Raum. Zimmer, eigentlich weit entfernt voneinander, sind plötzlich nah und gehen ineinander über. Fenster öffnen Aussichten in andere Städte und Galaxien. Das Verlassen des Gebäudes wird mit einem Mal unmöglich; am Ende gelingt nur durch ein weiteres Erdbeben das Entkommen, dabei verschwindet das Haus im Nirvana.

Nun fast schon 80 Jahre alt, sind viele Elemente der Geschichte erstaunlich aktuell. Die Digitalisierung bringt eine vierte Dimension in unser Leben und Denken; Zeit und Raum verschwimmen, die ganze Welt scheint überall und jederzeit mit einem Klick erreichbar. So wie Heinlein seinen Protagonisten zunächst nicht mehr in die reale Welt entlässt, so drohen wir uns heutzutage im digitalen Universum zu verlieren: lost in space im world wide web. Das, was jetzt Gültigkeit hat und wahr scheint, ist im nächsten Klick bereits veraltet. Diese Verdichtung von Momenten aus Beständigkeit und Vergänglichkeit, in ihrer Intensität immer weiter zunehmend, spiegelt sich in den Arbeiten der beiden Künstler wider. Dabei arbeiten Agnew und Buehler mit historischen Querverweisen und Techniken und verknüpfen sie mit der Aktualität des heutigen Seins.

ART at Berlin – Courtesy of Galerie Kristin Hjellegjerde – Chris Agnew
Chris Agnew „Night Shift“  (90x120cm / 34,4×47,2in)
Courtesy: artist und Galerie

Als Inspiration für Chris Agnews aktuelle Arbeiten dienen eigene Fotos flüchtiger Momentaufnahmen, verschwommen und meist ohne narrativen Hintergrund. Seine Leinwände grundiert er mit etwa 20 Schichten Gesso, um dann feine Schichten Öl aufzutragen, die – um ihre Vergänglichkeit und Volatilität zu unterstreichen – teils wieder mit Schmirgelpapier abgetragen werden. Zuletzt nutzt er sowohl altertümliche Gravierwerkzeuge als auch echte Zahnarztbohrer, um in einem Akt des künstlerischen Selbst-Vandalismus das bereits fertig erscheinende Bild mit tiefen, unveränderbar eingeritzten Linien und Motiven zur Vollendung zu bringen. So wird die unterste Gesso-Grundierung wieder teils freigelegt und transformiert dadurch zur visuell obersten Bildschicht. Sinnbild dieser Ebenen zwischen Beständigkeit und Vergänglichkeit ist sein intensives Interesse an der Frage, was den Menschen unter all den Schichten tatsächlich ausmacht, was verborgen liegt. Hierbei spielt für ihn die in ihrer Existenz teils sehr dehnbare Wahrheit eine wichtige Rolle. Denn Fakten werden gern von dem, was man lieber glauben möchte, überlagert – auch wider besseren Wissens.

Diese Unsicherheit präsentiert sich auch in Marcel Buehlers ausgestellten Werken, sowohl in der neonbasierten Lichtskulptur On ne sait jamais (frei übersetzt im Englischen mit You never know und im Deutschen mit Man weiß nie) als auch in der Unikat-Siebdruck-Arbeit Machiavelli 01 (NOBS): Der (Selbst-)Zweck heiligt anscheinend alle Mittel, die ganze Welt wird zur Bühne – und selbst die Mächtigsten im Land verstören vielerorts mit Feuerwerken aus Subjektivität und alternativen Fakten. Auch die für die beiden bodenbasierten Objekte Gerücht IV und Gerücht V verwendeten CO2 -Zylinder regen den Betrachter an, über die Wucht von Falschmeldungen nachzudenken. Schon in vordigitalen Zeiten bedrohlich, können Lügen, als Fake-news im digitalen „Shitstorm“ in die ganze Welt transportiert, heute in Windeseile ganze Existenzen vernichten. Denn trotz unseres „Rechts auf Vergessenwerden“: Das Internet vergisst nicht. +

Wir hinterlassen tausende Spuren im Web; unsere digitalen Repräsentanten bei Google, Facebook und Co. bilden uns und unsere Begehrlichkeiten ab, unsere Sorgen und Interessen, unsere Bekanntschaften und Geheimnisse. Dieses Wissen abzapfend, können unsere zukünftigen Schritte bedingt durch das Gesetz der großen Zahlen, die Verwendung von Algorithmen nicht zuletzt künstlicher Intelligenz besser vorgezeichnet werden als wir es selbst heute erahnen. In den in der Ausstellung gezeigten Werken zeigt sich, dass letztendlich unser Fundament zählt, es scheint wieder und wieder durch alles durch und steht für Beständigkeit.

Buehler und Agnew sind beide feine Beobachter des (allzu) Menschlichen; sie stellen uns die Frage nach unserer Identität – und dem Grad unserer Entfremdung. Die Menschheit ist schon immer geprägt von Evolution und Revolution, von Progression und Disruption. Doch die rasante Geschwindigkeit unseres heutigen, digitalen Zeitalters birgt die Gefahr einer unkontrollierbaren Verselbstständigung unserer Identitäten und des Verlusts unserer menschlichen Basis. Das Potenzial unserer „vierten“ Dimension ist ohne Frage enorm und beeindruckend. Der Kontrollverlust jedoch ist schon längst da, seine zunehmende Beschleunigung jedoch wird von der Gemeinschaft (größtenteils) achselzuckend hingenommen. Wo jedoch führt uns jener hin? On ne sait jamais.

Über Chris Agnew

Chris Agnew ist ein britischer Künstler, der für seine Zeichnungen, Gesso Panels und projektbasierten Arbeiten bekannt ist. Er erhielt 2008 seinen BA von der Universität von Leeds, gefolgt von einem Master in Fine Art am Wimbledon College of Art im Jahr 2010. Der Inhalt seiner Projekte wird von einem interdisziplinären Dialog mit gesellschaftspolitischen Interessen geprägt. Er interessiert sich für die Formbarkeit dessen, was wir als „Wahrheit“ halten und wie die Präsentation von Informationen im digitalen Zeitalter unser Verständnis von Ereignissen beeinflusst. Frühere Projekte umfassten den Austausch mit orthodoxen Ikonografen, einem kanadischen Archäoastronom und einem Kollektiv von investigativen Journalisten in Rumänien. Agnew wurde mit dem Axisweb Artist Award (2017), dem Derwent Art Prize, People’s Choice (2016) ausgezeichnet und erhielt Preise wie den Jerwood Drawing Prize (2010 und 2009) und Saatchi’s New Sensations (2010). Seine Werke befinden sich in Sammlungen wie dem V & A, London, der Hearst Corporation, New York, und Luciano Benettons Imago Mundi. Zu den letzten SoloShows gehören Ba da, Doda (2017) und Dither (2016) bei Kristin Hjellegjerde, London.

Über Marcel Buehler

Marcel Buehler wurde 1969 in Mülheim an der Ruhr geboren und lebt und arbeitet in Berlin. Er schloss sein Studium an der HGB in Leipzig ab. Buehler ist ein Konzeptkünstler, dessen Arbeiten mit Humor und Respektlosigkeit Themen des zeitgenössischen Lebens untersuchen. So ist seine Kunst für ihn wie das Reisen: Er empfindet das Auf-dem-Wegsein als Qual und freut sich auf die Retrospektive, die ihm zeigt, dass er noch am Leben ist. Seine Praxis umfasst eine breite Palette von Medien, doch im Laufe der Jahre kristallisierten sich zwei Hauptschwerpunkte heraus: plastisches Lichtskulpturen und Collagen. Einzelausstellungen u.a.: Kosmos in der Galerie Andrae Kaufmann, Berlin (2012), Deutschland und The One Trick Pony in der Galerie Martin Mertens, München (2011). Gruppenausstellungen u.a.: Liaison in den Uferhallen, Berlin, Deutschland, Eine neue Sprache im Observer Building, Hastings, UK, Junge Sammlungen 03 im Museum Weserburg, Bremen, Deutschland, und Los Angeles (Berlin – LA Trilogie III) in der Galerie Kornfeld, Berlin, Deutschland.

Über Kristin Hjellegjerde

Gallery Kristin Hjellegjerde eröffnete ihre Galerie in London im Juni 2012 gefolgt von einer ersten Dependance in Berlin im April 2018. Die Kristin Hjellegjerde Gallery, die von Blouin (2015) zu den 500 einflussreichsten Galerien der Welt und von der Londonist (2014) zur unabhängigen Galerie des Jahres ernannt wurde, zeigt innovative zeitgenössische Kunst von aufstrebenden und etablierten internationalen Künstlern. Kristin Hjellegjerde ist auch als Kunstberaterin für Sammler tätig und wird zudem die Sommerausstellung 2019 zu Afrikanischer Kunst des Vestfossen Kunstlaboratoriums in Norwegen kuratieren.

Vernissage: Mittwoch, 26. September 2018, 18:00 – 21:00 Uhr

Ausstellungsdaten: Donnerstag, 27. September – Samstag, 10. November 2018

Zur Kristin Hjellegjerde Gallery

 

Bildbezeichnung: Chris Agnew „Night Shift“  (90x120cm / 34,4×47,2in), Courtesy: artist und Galerie

Ausstellung Chris Agnew + Marcel Buehler – Galerie Kristin Hjellegjerde | Zeitgenössische Kunst in Berlin | Contemporary Art | Ausstellungen Berlin Galerien | ART at Berlin

 

 

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