bis 18.04. | #5001ARTatBerlin | carlier | gebauer zeigt derzeit die Ausstellung The Weight of Light der Künstlerin Jessica Rankin.
Carlier | Gebauer, Berlin, freut sich, die Einzelausstellung The Weight of Light der in New York lebenden Malerin Jessica Rankin anzukündigen, in der sieben neue Werke präsentiert werden.
Rankin ist für ihre charakteristische Verwendung von Garn und Farbe auf Leinwand bekannt, wobei sie in ihren Arbeiten auf die meisterhafte Beherrschung eines einzelnen Mediums verzichtet zugunsten eines intuitiven, spielerischen Ansatzes, bei dem sich Farbe wie Garn und Garn wie Farbe verhält. Rankin bewegt sich zwischen den Disziplinen und schafft einen visuellen Wechsel zwischen Farbe und Faden sowie zwischen Malerei und Schrift. Da sie weder eine formale Ausbildung als Malerin noch als Textilkünstlerin absolviert hat und somit auf die Beherrschung eines Mediums als Form der Kontrolle verzichtet, gewinnt sie eine besondere Freiheit in ihrem Schaffensprozess. Die Reflexion über das Werk ist dabei entweder Teil seiner Entstehung oder erfolgt im Nachhinein. Rankin selbst beschreibt ihren Prozess als „Schaffen in einem Zustand des Bangens“.
Die Kompositionen reichen über den Rand der Leinwand hinaus, auf die Rankin Textfragmente näht. Diese Referenzen sind über die Kanten gefaltet und laden die Betrachter dazu ein, näherzutreten und die Leinwand zu umrunden, um sich so in Beziehung zum Werk zu setzen. Die von Rankin verwendeten Textfragmente sowie die Titel ihrer großformatigen Gemälde zitieren häufig Gedichte aus ihrem persönlichen Kanon und entwirren ein Netz zutiefst intimer und persönlicher Bezüge. Gleichzeitig werfen sie Fragen zum Kunstschaffen und zur Kunstgeschichte auf – zu Genealogien und Sichtbarkeit –, die durch das Objektiv der Poesie betrachtet und auf der Leinwand entfaltet werden. Rankin versteht sich als „aufrichtige Künstlerin“ und begegnet ihrer Arbeit nicht mit ironischer Distanz, sondern mit einer gewissen Skepsis.
Mit der Dichterin Ada Limón, deren Gedicht „Fifteen Balls of Feathers“ Rankin in den Gemälden Watery Extension of Time (AL) und Small Susurrations (AL) zitiert, teilt sie die Erforschung von Begeisterung und Leidenschaft für das Menschsein im Alltag. Wie das Kräuseln des Wassers oder kraftvolle Sonnenstrahlen, deren Nachhall sich in die Netzhaut einprägt, vermitteln diese konzentrischen Kompositionen ein Staunen über die Vielfalt menschlicher Erfahrungen und die natürliche Umwelt.
In ihrem Werk greift Limón Themen wie Erbe und Überlieferung auf, die Rankin in der Ausstellung auf unterschiedliche Weise weiterführt. Loop up the Sky Swooping (JR) zitiert „Mainland Eyes“, ein Gedicht der Mutter der Künstlerin, Jennifer Rankin, die selbst eine anerkannte Dichterin ist. Über dieses Gedicht schrieb Martin Duwell im Jahr 2026, dass der Eindruck entstehe, eine Szene werde gemalt, in der Menschen alltägliche, scheinbar uninteressante Dinge tun, während das eigentliche Interesse dem Himmel und seinen Bewohnern – den Vögeln – gilt. In diesem Sinne sei „Mainland Eyes“ eine Einführung in Rankins anhaltende Interessen.
In Her Gathered Beams (M) verwendet Rankin ein Fragment aus John Miltons Paradise Lost, einem Werk, das als erstes biblisches Epos in englischer Sprache konzipiert wurde und sich mit erhabenen Themen wie Liebe und Heldentum auseinandersetzt. Anstatt jedoch eine heroische Erzählung zu entwickeln, setzt Rankin eine strahlende Heldin in den Mittelpunkt, die nicht erobert, sondern sammelt – ein Ansatz, der sich im Sinne von Ursula K. Le Guins Carrier Bag Theory of Fiction interpretieren lässt. Schließlich reflektiert Rankin in Whistle Anciently (AN), basierend auf Alice Notleys Gedicht „For the Ride“, über die einsamen Bedingungen des Kunstschaffens. Die Leinwand aus Leinen füllt sie mit bandartigen Formen, die nebeneinander fließen, sich jedoch selten verflechten oder überlappen.
Jessica Rankin (geb. 1971 in Sydney) lebt und arbeitet in New York. Ausgewählte Einzel- und Doppelausstellungen umfassen White Cube, Hongkong (2024); Touchstones Rochdale, Großbritannien (2017); Museum Dhondt-Dhaenens, Deurle, Belgien (2016) mit Julie Mehretu; Salon 94, New York (2014); Savannah College of Art and Design, Atlanta (2013); The Project, New York (2009); MoMA PS1, New York (2006); sowie Franklin Artworks, Minneapolis (2005). Zu den Gruppenausstellungen zählen unter anderem Palazzo Grassi, Venedig (2024); die Uptown Triennial, New York (2017); die Whitworth Art Gallery, Manchester (2015); das Kunstmuseum Wolfsburg (2013); Fie Myles, New York (2011); Jenkins Johnson Gallery, San Francisco (2011); The Studio Museum in Harlem, New York (2006); The Project, Los Angeles (2005); sowie Artist’s Space, New York (2003).
Vernissage: Samstag, 14. März, 2026, 16 – 21 Uhr
Ausstellungsdaten: Samstag, 14. März bis Samstag, 18. April 2026
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Bildunterschrift Titel: Jessica Rankin, The Weight of Ligh, exhibition view at carlier | gebauer, Berlin, 2026 Photo © Andrea Rossetti
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