post-title Lennart Grau | 2 cm über dem Zenit | Circle Culture Gallery | 27.02.–16.04.2016

Lennart Grau | 2 cm über dem Zenit | Circle Culture Gallery | 27.02.–16.04.2016

Lennart Grau | 2 cm über dem Zenit | Circle Culture Gallery | 27.02.–16.04.2016

Lennart Grau | 2 cm über dem Zenit | Circle Culture Gallery | 27.02.–16.04.2016

bis 16.04. | #0399ARTatBerlin | Circle Culture Gallery zeigt ab dem 27. Februar 2016 die Ausstellung „2 cm über dem Zenit” von Lennart Grau. Die Einzelausstellung des Berliner Künstlers präsentiert opulente und farbenprächtige Gemälde in Groß-, Mittel- und Kleinformaten.

In seinen Werken überträgt Lennart Grau Sujets und Vorlagen der Vergangenheit in eine gegenwärtige Malerei. Seine Kunst zeichnet sich dabei durch eine Übersteigerung aus, welche den oberflächlichen Glanz der vergangenen Epochen sprichwörtlich schmelzen lässt.

Lennart Graus Bilder haben einen gewissen anachronistischen Charakter. Inspiriert von der Ästhetik des Rokoko, des Biedermeier und des Barock kehrt der Künstler von seinen Recherchen im Internet und in alten Auktionskatalogen mit ausgewählten Stillleben, Landschaftsszenen, Herrscher- und Heldenporträts in das Hier und Jetzt zurück, um in handwerklicher Könnerschaft, in Acryl und Öl auf Leinwand eine überbordende Fantasiewelt zu erschaffen. Graus Auseinandersetzung mit historischen Bildern, deren Appropriation und idiosynkratische Übercodierung stellt eine gelungene Balance zwischen Impression und Expressivität dar. Seine Distanz zu derzeit geläufigen Bildsprachen nährt dabei einen Eskapismus, der vielleicht nur einen Ausgangspunkt und einen Anlass für das Abdriften in eine andere, viel schönere und imposantere Welt als Surrogat für eine in der Jämmerlichkeit befangene und in den Zwängen des Alltags verhaftete Existenz sucht. Das Wesen dieser Malerei ist, dass sie verführend entführt.

Vor farblich changierenden, goldenen, grünen, türkis- und lilafarbenen Hintergründen, die das eine Mal an textile Brokattapeten, das andere Mal an lichte Horizonte und illusionistische Vorhänge erinnern, erheben sich Figuren aus unterschiedlichsten gesellschaftlichen und professionellen Milieus. Der Künstler, der an der Universität der Künste Berlin studierte, macht seine Protagonisten durch Gewänder und typische Posen kenntlich und stellt sie, wie er selbst sagt, „2 cm über dem Zenit“ – so lautet auch der Ausstellungstitel – dar. Den Höhepunkt der Macht haben sie bereits überschritten, ihre eitle Vergänglichkeit betont Lennart Grau durch die Überzeichnung ihrer vestimentären Ausstattung und den reich dekorierten Interieurs. Und im wahrsten Sinne des Wortes entkommen sie dem zweidimensionalen Bildträger, da die pastose Farbmasse sich zu reliefartigen Strukturen verdichtet und in den realen Raum des Betrachters hineinragt. Sie löst sich von der Gegenständlichkeit, die sie gerade noch beschrieben hat, verzaubert durch autonome Präsenz und richtet die Aufmerksamkeit auf die Maltechnik, die Farbmischungen, die marmorierten Strukturen, die ondulierenden Verläufe, die wie Lava auf der Bildoberfläche fließen und sich durch helle Glanzlichter behaupten.

Sowohl die Figuren, deren Gesichter identitätslos und ohne spezielle Charakteristika bleiben – meistens sind nur Augenhöhlen dargestellt – und die sinnlichen Landschaften, wie auch die reichen Blumenbouquets und die opulenten Stillleben liefern vor allem den Impuls für einen ausufernden künstlerischen Drang zur dekorativ-ornamentalen Stilisierung. Die daraus resultierende und so evidente Affirmation des Schönen mündet häufig in eine ästhetische Überdosis, die in der Kulturgeschichte als Kitsch sowohl verdammt als auch, etwa in der Pop Art, gepriesen wurde. Als Stilmittel und
Affektreservoir ist der Kitsch mit seinem künstlerischen Pathos und dem Hang zur unverstellten Sentimentalität längst in der Hochkultur angekommen. Gelegentlich wurde dem Kitsch unterstellt, dass er das, was der Fall ist, vollkommen ironiefrei affirmiere. Doch diese Argumentation übersieht, dass gerade in der Übersteigerung und der Maßlosigkeit auch ein ironisches
Prinzip liegt – vielleicht als zeitgenössische Lesart von Jean Baudrillards Strategie der Affirmation. Lennart Graus Kunst hat trotz der historischen Anleihen nicht viel mit den 1980er-Jahren, der Postmoderne und deren zitierendem Aneinanderfügen von Zeiten und Stilepochen zu tun, aber weiß wie Heinz von Förster, dass die Wahrheit die Erfindung eines Lügners ist.
Denn zuviel ist gerade gut genug. Manierismus at its best!

Auszüge aus: Angela Stief – Beyond Beauty. Über die eskapistische Malerei von Lennart Grau

Vernissage: Freitag, 26. Februar 2016, 19 – 21 Uhr

Ausstellungsdaten: Samstag, 27. Februar –16. April 2016

Zu Circle Culture

 

Bildunterschrift: Lennart Grau, Cannonball 2015, acrylic and oil on canvas 200 x 200cm Courtesy of Circle Culture Gallery, photo Anna Wasilewski

Lennart Grau Ausstellung – Circle Culture Gallery – Kunst in Berlin ART at Berlin

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