post-title Asta Gröting | Herz | carlier | gebauer | 17.01.–05.03.2026

Asta Gröting | Herz | carlier | gebauer | 17.01.–05.03.2026

Asta Gröting | Herz | carlier | gebauer | 17.01.–05.03.2026

Asta Gröting | Herz | carlier | gebauer | 17.01.–05.03.2026

bis 05.03 | #4923ARTatBerlin | carlier | gebauer zeigt derzeit die Ausstellung Herz der Künstlerin Asta Gröting.

Paradoxerweise bildet die Atmosphäre einer Leere das Herzstück dieser Ausstellung, die wie ein verzögertes Echo auf das Abwesende, das Ungreifbare verweist. Auf das, was übrigbleibt, wenn scheinbar nichts mehr übrigbleibt. Gröting lässt minimale Formen zu einer Geschichte zusammenkommen: Vierecke auf dem Boden vervollständigen sich zu einem Doppelbett, eine Waschmaschine führt sanfte, schaukelnde Bewegungen aus, von einem intimen Moment zwischen zwei Frauen bleibt nur noch ein Abdruck übrig, ein kaltes Edelstahlherz mit Nadel stellt die Frage in den Raum, unter welchen Bedingungen man(n) (s)ein Land verteidigt. Aus dem Schwein ist die Luft raus.

Mit diesen Setzungen schafft Gröting eine Poesie des Raums im Raum, wo die stofflichen, handfesten Arbeiten genauso zu Protagonisten werden, wie die Beziehungen der Objekte untereinander. Gröting konfrontiert in dieser Ausstellung mit dem Intimen und Vertrauten, dem Alltäglichen. Jedoch subtil und so verzerrt, dass dabei das „Heimliche“ stets ins Unheimliche, Fremde zu kippen droht. Sie stellt eine Art Innenleben aus, dessen genauere Definition sowie die Frage, was es genau ausmacht dennoch offenlässt. In Space Between Two Women Having Sex (2024) formte Gröting während des Sexaktes zweier Frauen einen direkten Abdruck mit Silikon ab. Dabei ist der plastische Zwischenraum zwischen den Personen von innen nach außen gekehrt und von unten nach oben gespiegelt – Gröting nimmt damit eine Art bildhauerischer Autopsie vor, sowohl buchstäblich als konzeptuell. Der negative Raum zwischen zwei Menschen wird zum Gegenstand, das Ungesagte, das Verschwiegene und Verborgene ans Licht geholt. Was übrig bleibt von dem Moment ist die andere Seite, die „Unterseite“ des Ichs. In der Laserlichtinstallation Atemkurve (2025) kehrt Gröting einen Prozess nach Außen, den unsere Körper jeden Lebensmoment ausführt, aber meist automatisiert: das Ein- und Ausatmen, das Aufnehmen von frischem Sauerstoff und die Abgabe von Kohlendioxid aus dem Blut. Der Sauerstoff als geteilte und lebenswichtige Ressource, die mit dem bloßen Auge nicht wahrzunehmen ist, kann als Bild für die Essenz dieser Ausstellung Grötings stehen: ihre Werke machen das sichtbar, was scheinbar selbstverständlich oder verborgen ist und laden uns dazu ein, diese Selbstverständlichkeiten neu zu denken.

Das Häusliche, ein Ort des Rückzugs aber auch der Reproduktionsarbeit, das historisch feminin Konnotierte, thematisiert Gröting in zwei Arbeiten, die über minimale andeutende Gesten kaum zu fassen sind: vier leicht gewölbte Rechtecke werden zu einem gemachten, aber leeren Doppelbett. In Styropor ausgeführt, schweben diese scheinbar federleicht über dem Ausstellungsboden. Als ein feuchtigkeitsresistentes und wärmedämmendes Material, wird es zum Schutz empfindlicher Objekte verwendet. Waschmaschine (2024) hingegen reduziert das beinahe unentbehrliche Gerät auf einen weißen Sockel mit dem typischen Grundmaß von Haushaltsgeräten, sogenannter Weißware. Der Sockel führt sehr langsam kaum wahrnehmbare horizontale und vertikale Bewegungen aus.

Statt einen Rückzug ins Private zu vollziehen, verdeutlicht die Künstlerin auch dessen politische Dimensionen. So ist das Schwein, durch seine Domestizierung eng mit der menschlichen Zivilisationsgeschichte verbunden. Zudem wird aufgrund seiner Intelligenz und physiologischen Ähnlichkeit zum Menschen das Schwein in der Medizin und Forschung häufig als Versuchstier eingesetzt. Flach auf der Seite liegend wird Dancing Queen (2024) zur Projektionsfläche für all diese Auseinandersetzungen, aber vor allem mahnt es, über die menschliche Beziehung zu Lebewesen und der Umwelt nachzudenken. Auch das kalte, chromfarbige Herz (2025) greift die symbolhafte Dimension des lebensnotwendigen Organs auf.

Es steht unter anderem für eine Mitte, das Zentrum, das aber auch von dem Brustkorb geschützt werden muss. Mit den deutschen Nationalfarben kombiniert, eröffnet diese Arbeit eine Ambivalenz zwischen Zugehörigkeitsgefühl, einer bestimmten Atmosphäre, in der man aufgewachsen ist, auf der einen Seite und den Folgen einer Auseinandersetzung mit der schmerzhaften Geschichte und politischen Ungerecht keiten auf der anderen. Gröting legt den Finger, beziehungsweise die Nadel, in die Wunde der gegenwärtigen Spannungsfelder.

Asta Gröting (geb. 1961 in Herford, Deutschland) lebt und arbeitet in Berlin, Deutschland. Internationale Einzelausstellungen fanden unter anderem im Städel Museum in Frankfurt, Deutschland; im Centre Pasquart in Biel/Bienne, Schweiz; im KINDL – Centre for Contemporary Art in Berlin, Deutschland; im ZKM Zentrum für Kunst und Medientechnologien in Karlsruhe, Deutschland; im n.b.k. Neuer Berliner Kunstverein in Berlin, Deutschland; im Lentos Kunstmuseum Linz in Linz, Österreich; im Henry Moore Institute in Leeds, Vereinigtes Königreich; sowie im Marta Herford in Herford, Deutschland statt. Gröting war zudem in zahlreichen internationalen Gruppenausstellungen vertreten, darunter im Musée des Beaux-Arts de Paris in Paris, Frankreich; in der James-Simon-Galerie in Berlin, Deutschland; den Staatliche Museen zu Berlin in Berlin, Deutschland; der Kunsthalle Bielefeld in Bielefeld, Deutschland; der 22nd São Paulo Biennial in São Paulo, Brasilien; der 8th Biennale of Sydney in Sydney, Australien; der 14th Biennale of Sydney in Sydney, Australien; und der 44th Venice Biennale in Venedig, Italien. Im Februar 2026 nimmt sie an Gruppenausstellungen in der Städtischen Galerie Villingen-Schwenningen, Deutschland, und im August in der Konschthal Esch, Luxemburg, teil. Im September 2026 zeigt sie eine Werkpräsentation im Carlone Contemporary im Belvedere Wien, Österreich.

Ausstellungdaten: Samstag, 17. Januar bis Donnerstag, 3. März 2026

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Bildunterschrift Titel: Asta Gröting, Herz, exhibition view at carlier | gebauer, Berlin, 2026 Photo © Andrea Rossetti

Ausstellung Asta Gröting – carlier | gebauer | Herz | Contemporary Art | Ausstellungen Berlin Galerien | ART at Berlin

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