bis 21.03. | #4930ARTatBerlin | Kristin Hjellegjerde Gallery Berlin zeigt ab Samstag, 14. Februar 2026 (Vernissage: 13.02.) die Ausstellung Picked an Orange for a Renaissance Girl des Künstlers Anders Scrmn Meisner.
Eine Frau, die in einer riesigen Austernschale in einem blauen Garten ruht. Ein Ring, der auf einer Grasdecke liegt. Tänzerinnen in Kimonokleidern, die sich vor einer Wand aus Blättern wiegen. In seinen neuesten Gemälden greift der dänische Künstler Anders Scrmn Meisner auf Sinneserinnerungen und eine universelle Symbolsprache zurück und lädt uns in einen Kokon aus Romantik, Schönheit und Verbundenheit ein.
Das titelgebende Bild der Ausstellung, “Picked an Orange for a Renaissance Girl”, fängt die Stimmung der Werkreihe ein und weckt die Vorstellung, in eine einfachere Zeit zurückzukehren – eine Zeit, in der wir noch enger mit der Natur und unseren Emotionen verbunden waren und das Verschenken und Erhalten einer Orange ausreichte, um Liebe, Bewunderung oder schlicht gegenseitiges Verständnis auszudrücken. Doch wie bei allen Werken von Meisner haben sowohl die Linienführung als auch die Komposition selbst – eine Orange, die sich fast über die gesamte Leinwand erstreckt – etwas Verspieltes an sich. Hier genießt der Künstler den Luxus, ein Stück Obst zu malen und es mit Bedeutung zu erfüllen, während er sich zugleich der Tatsache bewusst bleibt, dass wir nicht in der Zeit – oder der vermeintlichen Romantik – der Renaissance leben. Die zarte Durchsichtigkeit der grünen Blätter der Orange kontrastiert mit einem Hintergrund, in dem schwarze Erde auf einen roten Himmel und einen geheimnisvollen schwarzen Mond trifft.
Eine ähnliche Spannung zeigt sich in dem Gemälde “Thick Walls to Protect All Beauty”. Vor uns erhebt sich eine Wand, bemalt mit riesigen Blumen, Früchten und einem dekorativen Wellenrand. Sie ist selbst Ausdruck von Schönheit und zugleich – wie der Titel nahelegt – ein Schutzschild gegen jene Kräfte, die Schönheit bedrohen oder zerstören könnten. In einer Zeit globaler Umbrüche mag sie wie eine notwendige oder sogar ersehnte Struktur erscheinen, doch sie bleibt eine Barriere, vor der wir stehen, auch wenn Fenster und Tür mögliche Zugänge andeuten.
Meisners Kompositionen beruhen auf Zeilen aus seinen Notizbüchern, die zu Titeln werden und die er auf die Seitenleisten seiner fertigen Leinwände malt. Sie dienen als Wegweiser – als Hinweise, die dem Betrachter erst nach dem ersten visuellen Eindruck gegeben werden. Ihre Wirkung kann ebenso destabilisierend wie erweiternd sein. So lässt sich “Escaped Pet-Bird” zunächst als eine Art Andachtsbild für einen eigenartigen Vogel lesen; doch mit dem Lesen des Titels schleicht sich Unruhe ein und wirft Fragen nach dem Leben des Vogels vor seiner neu gewonnenen Freiheit auf – und danach, wie er sich nun in der Wildnis zurechtfinden wird. “Carefully Arranged, Night Time, Do Not Disturb” zeigt eine verträumte Szene mit Blumen und Pflanzen im Mitternachtswind und ruft Erinnerungen an das Liegen im Gras und an duftende Gärten bei Nacht hervor. Doch auch hier verweist der Titel auf die sorgfältig konstruierte Natur des Gemäldes und erzeugt ein unterschwelliges Gefühl der Unsicherheit.
Es zeigen sich auch leichtere Momente des Genusses in Meisners Arbeiten. “Sleeping with Mama” beispielsweise ist inspiriert von den Bildern seiner Tochter, die sich zu seiner Frau ins Bett kuschelt, wenn er auf Reisen ist, und vermittelt ein Gefühl von Geborgenheit und Schutz, wie es das gemeinsame Schlafen mit einem Elternteil mit sich bringen kann. “Lemon for Gin and Tonic or Sorbet” wiederum weckt unsere gemeinsamen Sinneserinnerungen an den vertrauten Zitrusgeschmack der Frucht sowie die Freude und Erinnerung an ihren Genuss.
Für Meisner ist jedes Werk nur die erste Zeile einer Geschichte – wie sie weitergeht und wohin sie führt, bleibt uns überlassen.
Vernissage: Freitag, 13. Februar 2026, 18 – 20 Uhr
Ausstellungsdaten: Samstag, 14. Februar – Samstag, 21. März 2026
Bildunterschrift Titel: Anders Scrmn Meisner | Girl in Oyster, 2025 | Acryl auf Leinwand | 125 x 145 x 4 cm
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