post-title Alexander Iskin | USE THE EXIT AS AN ENTRANCE | Sexauer Gallery | 15.03.-25.05.2024

Alexander Iskin | USE THE EXIT AS AN ENTRANCE | Sexauer Gallery | 15.03.-25.05.2024

Alexander Iskin | USE THE EXIT AS AN ENTRANCE | Sexauer Gallery | 15.03.-25.05.2024

Alexander Iskin | USE THE EXIT AS AN ENTRANCE | Sexauer Gallery | 15.03.-25.05.2024

bis 25.05. | #4199ARTatBerlin | Sexauer Gallery präsentiert ab 15. März 2024 die Ausstellung USE THE EXIT AS AN ENTRANCE des Künstlers Alexander Iskin.

Seit Anbeginn seiner Laufbahn als Künstler befasste Alexander Iskin sich mit Transformationen – Metamorphosen und Wandlungen – sowie mit verschiedenen Wirklichkeiten (d.h. der physischen und der virtuellen Realität). Den Raum zwischen diesen nannte Iskin Interrealität, seine darauf gründende Kunstrichtung Interrealismus.

In seiner siebten Ausstellung bei SEXAUER bringt Iskin nun zusätzlich zur virtuellen und physischen Realität die Welt der Spiritualität und der Geister in seine Malerei. In den letzten Jahren verschmolz die digitale Welt zunehmend mit der physischen. Diese zunehmende Verschmelzung weckte bei Iskin Assoziationen zu spiritistischen Schriften des 19. Jahrhunderts.

2022 arbeitete Iskin als Pollock-Krasner-Stipendiat in New York. Dort machte er Bekanntschaft mit der spiritistischen Lehre des Pestalozzi-Schülers Hippolyte Léon Denizard Rivailbesser bekannt als Allan Kardec. 1857 veröffentlichte dieser sein „Buch der Geister“. Kardec postulierte neben der physischen Welt eine Welt der Multidimensionalität und der Geister. Diese könnten sich, so Kardec, als Seelen inkarnieren und zwischen den Dimensionen wandern (Metempsychose).

In „USE THE EXIT AS AN ENTRANCE“ entfaltet sich Iskins Interrealismus zu einer Erkundung dreier Dimensionen: der materiellen, der virtuellen und der spirituellen, verwoben mit Erzählungen aus mesopotamischen, hinduistischen und jüdischen Mythen sowie Familienerzählungen.

Und um die Pointe vorwegzunehmen: Die künstlerische Multidimensionalität der Ausstellung zwischen Physis und Spirituellem, verbunden mit Mythen, dient Iskin als Versuch, einen geschützten Raum zu finden jenseits aller Gegensätze, Antagonismen, Dichotomien, Freund-Feind-Schemata und Schwarz-Weiß-Bilder der aktuellen, emotional aufgeladenen Diskurse. Dabei ist Iskins Suche nach Pluralität, Licht und Hoffnung immer auch verwoben mit seiner Biografie und Familiengeschichte.

Alexander Iskin war zwei Jahre alt, als seine Eltern in den neunziger Jahren als jüdische Kontingentflüchtlinge von Moskau nach Deutschland übersiedelten. Sein Großvater mütterlicherseits wiederum war während des zweiten Weltkriegs vor den Deutschen aus der Ukraine (Cherson) nach Moskau geflohen, sein Großvater väterlicherseits von Litauen (Vilnius) nach Russland, seine Großmutter mütterlicherseits aus Charkiv (Ukraine), ebenfalls vor den Deutschen. So wurde Deutschland innerhalb zweier Generationen vom Fluchtgrund zum Zufluchtsort. USE THE EXIT AS AN ENTRANCE.

Iskin selbst wuchs in Deutschland auf. Aber noch heute hat er Familie in der Ukraine und Russland. Durch den Überfall Russlands wurde eine komplexe und mit Leid behaftete Familiengeschichte ungewollt virulent und zur Belastung, die zuvor für Iskin überhaupt nicht im Fokus stand. Sein Interesse galt immer der Zukunft.

Unmittelbar nach Kriegsbeginn zog er von Berlin nach München, wo er einen Ort der Ruhe und Stabilität fand. Hier entstanden auch die Bilder der Ausstellung. Entfernt vom „politisch aufgeladenen“ Berlin, gelang es Iskin, eine Serie zu entwickeln, die für Vielfalt, unterschiedliche Blickwinkel und Zwischenräume sowie feine Übergänge steht, im Gegensatz zum derzeitigen globalen Siegeszug eines bipolaren Freund-Feind-Denkens.


Bildunterschrift Titel: Foto: Vasilisa Neznamova, 2024. Vasilisa Neznamova, Courtesy SEXAUER Gallery

So wie Iskin künstlerisch die Zwischenräume untersucht, ist er auch selbst ein Wanderer zwischen den Welten. In den letzten Jahren arbeitete Iskin an den unterschiedlichsten Orten. Jeder Ort prägte auch die jeweilige Werkserie, an der Iskin arbeitete. In seinem letzten Atelier in München arbeitete Iskin direkt in der Leopoldstraße, der boulevardartigen Verlängerung der Prachtstraße Ludwigs I. In seinem Atelier hatte Anfang des vergangenen Jahrhunderts bereits die Münchner Bohème gefeiert. Feuchtwanger, George, Fanny zu Reventlow oder auch Franz Marc, auf Einladung des Schriftstellers und Übersetzers Karl Wolfskehl.

Der Ausstellungstitel „USE THE EXIT AS AN ENTRANCE“ spiegelt Iskins vielfältige Arbeitswelten wider und ermutigt dazu, nicht nostalgisch auf das Vergangene zu blicken, sondern offen auf das Kommende zu schauen und die Zukunft positiv zu gestalten. Ein wenig scheint im Ausstellungstitel auch Nietzsches Gedanke der Ewigen Wiederkunft anzuklingen, letztlich basierend auf einem zyklischen Denken, das bereits vor Entstehung der abrahamitischen, monotheistischen, linear-historischen und exklusiven Religionen in einer polytheistischen und animistischen Welt bestanden hatte. In diesem zyklischen Denken wird keine Erlösung (von außen) erwartet, vielmehr muss ein jeder immer wieder einen neuen Ausgang als Eingang für sich finden. Aussteigen gilt nicht. Jedem Ende wohnt ein Anfang inne.

Übrigens:

Als Iskin Anfang des Jahres 2024 die Retrospektive von Marina Abramović in der Royal Academy in London besuchte, bat ihn abends ein Wachmann, das Gebäude zu verlassen und erklärte: YOU CAN USE THE ENTRANCE AS AN EXIT. Iskin wäre gerne noch geblieben. So wurde er gezwungen, das Gebäude zu verlassen, aber er verwandelte die Aufforderung zum Austritt in den Titel seiner Ausstellung – USE THE EXIT AS AN ENTRANCE.

Anmerkungen zu den abgebildeten Arbeiten:

Naivigator said: „Clouds are prison”  
ist ein komplexes, multiperspektivisches, gleichzeitig lichtes und transparentes Bild. Der Titel ist doppelt paradox. Die Behauptung „Clouds are prison“ (deutsch: „Wolken / Clouds sind ein Gefängnis“) wirkt zunächst paradox, weil Wolken eigentlich Sinnbilder der Freiheit sind sowie der ständigen Wandlung, und damit das Gegenteil von einem Gefängnis. Andererseits, weil das Zitat nicht von einem Navigator stammt, sondern einem Naiv-igator, einer Peron also, welche zwar führen möchte, aber naiv und einfältig ist. Die Aussage des Naivigators ist aber gerade alles andere als naiv, sondern vielmehr weitsichtig. Denn zwar gestatten Clouds den virtuellen Zugriff von überall und haben somit zunächst einen freiheitlichen Anschein, sie sind aber – dies die anti-naive Erkenntnis – auch Gefängnisse, weil sie erstens Daten speichern, ohne dass deren Verwendung von außen überprüft werden könnte, weil sie zweitens abhängig machen vom jeweiligen Betreiber, dem Herrscher über die Rechner, und nicht zuletzt, weil sie zu ständiger Überwachung missbraucht werden können. Die Hölle von Benthams Panoptikum in der Virtualität! In Iskins Bild scheint eine Person zielstrebig von links nach rechts zu schreiten. Ein Naivigator? – Oder vielleicht doch nicht?

Jupiteriyaki
Eine Wortschöpfung Iskins führt uns von den alten hinduistischen Texten zurück zur Geisterwelt Allan Kardecs. Jupiter ist der größte Planet unseres Sonnensystems. Teriyaki – die vier letzten Silben des Bildtitels – bezeichnet eine Zubereitungsart der japanischen Küche, in der Lebensmittel mariniert gebraten werden, was ihnen eine schimmernde und glänzende Oberfläche verleiht. Allan Kardec geht davon aus, dass es Leben auf anderen Planeten gibt und dass inkarnierte Seelen und Geister sich moralisch weiterentwickeln können. Umso höher sie sich entwickeln, umso bessere Lebensräume erschließen sie sich. Von allen Planeten ist Jupiter der am höchsten entwickelte. Materialistische und egoistische Bestrebungen haben hier keinen Raum mehr. Ein Leben in Harmonie mit der Natur und anderen Geistern und Wesen. Eine Welt, die leuchtet wie Iskins Farben. Eine Utopie? Niemals erreichbar? – No way? … oder eben doch: USE THE EXIT AS AN ENTRANCE.

Vernissage: Freitag, 15. März, 18:00 – 21:00 Uhr

Ausstellungsdaten: Freitag, 15. März  bis Samstag, 25. Mai 2024

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Bildunterschrift Titel: Naivigator said: ‘Clouds are prison’, 2024, Oil on canvas , 160 x 140 cm. Marcus Schneider, Courtesy SEXAUER Gallery

Ausstellung Alexander Iskin – Sexauer Gallery | Zeitgenössische Kunst in Berlin | Contemporary Art | Ausstellungen Berlin Galerien | ART at Berlin

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