post-title Dennis Fuchs | Cold Soup | Laura Mars Gallery | 21.02.-28.03.2026

Dennis Fuchs | Cold Soup | Laura Mars Gallery | 21.02.-28.03.2026

Dennis Fuchs | Cold Soup | Laura Mars Gallery | 21.02.-28.03.2026

Dennis Fuchs | Cold Soup | Laura Mars Gallery | 21.02.-28.03.2026

bis 28.03. | #4950ARTatBerlin | Laura Mars Gallery zeigt ab 21. Februar 2026 (Vernissage: 20.02.) die Ausstellung Cold Soup des Künstlers Dennis Fuchs.

Mit Cold Soup ist kein Gazpacho, kein Gericht mit Smoothie-Konsistenz gemeint und auch metaphorisch wird die Suppe bei den gezeigten neuen Arbeiten von Dennis Fuchs mit dem für ihn so charakteristischen feinen Witz und einem Augenzwinkern ganz und gar nicht kalt: es sind großformatige Zeichnungen mit hauchfeinen Airbrush-Farbwolken und Bleistiftlinien, ein prachtvolles Keramikgefäß und figürliche Kleinplastiken in coolen Posen sowie überraschend: sein Vorstoß in die Malerei.

Dennis Fuchs hat sich in den letzten Jahren an die große Form herangetastet, man kennt seine kleinen Becher und Schalen – und jetzt, titelgebend für die Ausstellung, eine große soup tureen ohne Deckel: nicht auf der Scheibe gedreht, sondern mit der Hand des Bildhauers geformt. Hier stellt sich Dennis Fuchs ganz in die Tradition: die Oberfläche plastisch mit Faltungen und figürlichen Aufbauten, mit Ritzungen und Kerben – man denkt an die rustiques figulines von Bernard Palissy, dem großen Keramiker des 16.Jhs., und seinen berühmten Eidechsen-Tellern. Mit jenen Reptilien sind die kletternden und sich über den Schüsselrand hangelnden Geckos von Dennis Fuchs verwandt. Die figürlichen Wesen und Körperteile wollen von außen nach innen und vice versa – wir sind in seinem unverkennbar eigenen motivischen Kosmos, amorph und figürlich dekonstruiert. Traditionelle Formensprache und Dekore werden mit Witz verfremdet, doch in der Farbigkeit wird auf das historische Prunkgeschirr verwiesen: das besondere Grün rekurriert auf die charakteristische Glasurfarbe Seladon, das auf die jadefarbige chinesische Keramik der Ming-Zeit zurückgeht.

Auch die Figuren „User Bodies“ sind aus Porzellan, die preziöse alchimistische Keramik und „Don Quichotte der Materie“ (Emmanuel Boos), entzieht sich in Herstellung und Brand der völligen Planbarkeit. Sie sind ganz heutig in Haltung und Pose, in allen erdenklich entspannten Körperhaltungen, also immer relaxed, in der konzentrierten Smartphone-Nutzung ganz bei sich und doch mit einem digitalen Gegenüber kommunizierend: dieses IT-Wunderwerk, das im 21.Jh. allmählich vom Alltagsgegenstand und hier zum Add-on des menschlichen Körpers mutiert. So wie die anthropomorphen Lebensmittel-Figürchen, die Dennis Fuchs schon vor Jahren mit einem schmunzelnden Blick auf die Wurst-Serie von Fischli & Weiss entwickelt und auch in die Zeichnung umgesetzt hat, sind Proportion und Maß genau stimmig. Die Figuren sind hier in verschiedenen Stufen der Materialbearbeitung realisiert: wie geknetet, mit den Fingern roh modelliert oder geglättet mit vollendet glasierter Oberfläche. Alle sind in ihrer Körpersprache völlig logisch und überzeugend, die separat angesetzten Extremitäten in purem Porzellan-Weiß genau dort, wo sie hingehören. In der Anordnung der ganz auf Empfangen und Senden konzentrierten, in sich gekehrten Figurengruppe entsteht ein virtueller Kontakt-Raum: digitale Nähe vs. analoger Distanz – oder verlieren sich die Figuren gerade im Rabbit Hole?

Sehr stark reduziert wird das Figürliche dagegen in den Airbrush-Zeichnungen, es finden sich hier nur noch Ansätze zum Gegenständlichen: Hände, Beine, angedeutete Körperteile. Der berührungslose Farbauftrag mit Spritzpistole und ultrafeiner Düse ist ansonsten hauptsächlich in der sehr gegenständlichen Kunst, der Pop-Art, im Fotorealismus und der Gebrauchsgrafik verbreitet, aber auch bei den Genres, die Dennis Fuchs näher sind: Graffiti, Street-Art und Comic. In die Kunst eingeführt hat diese „Zerstäubungstechnik“ wohl Paul Klee, zu sehen u.a. bei „Der Springer“ von 1930. Die fließenden Übergänge der Farben bei Dennis Fuchs bilden sowohl Farbwolken, aber er zeichnet auch Umrisse in Airbrush. Die duftigen Farbfelder und die darüber- und danebengelegten Bleistift- und Farbstiftzeichnungen schaffen auf kleiner Fläche viel Tiefe und der partielle Farbauftrag mit dem Pinsel lässt Ansätze zur Malerei erkennen.

Das erlebt man alles u.a. im großen Diptychon, dessen Titel „Scrolling the Expanded Field“ (2026) auf Rosalind Krauss‘ Konzept „Sculpture in the extended field“ von 1979 verweist, ein damals bahn-brechender Text mit einer Neudefinition des Terrains zur Kunstproduktion, dort anhand der Skulptur im Raum. Die Arbeit entstand auf Holz, der Oberflächentextur und skulpturalen Verortung an der Wand wegen. Auch über die Ränder wird gesprüht und über die Grenzen der Platte hinweggezeichnet. Wie beim Scrollen am Display scheint das Hoch-und-Runter möglich, eine Ausdehnung zur Seite sowie das Zoomen. Deshalb liest sich das Werk anders als eine lineare Zeichnung, die Bewegungen der Linien sowie die der Extremitäten von Figuren streben wie Vektoren in verschiedene Richtungen. Es gibt kein Zentrum mehr, man kann/will/muss sich frei entscheiden wie in einem Wimmelbild in der Tradition von Hieronymus Bosch. Das Figürliche sind Hände, Beine, Körperteile in Bewegung. Die feinen, teilweise zitternden Linien sind häufig nur ein „Vorbeigehen des Strichs“, das, was Roland Barthes bei Cy Twombly als „eine sublime Form des Strichs, die weder kratzt noch verletzt“ beschreibt. Sprechblasen sind ohne semantischen Inhalt und Klammerungen ohne Schrift, doch Symbole und Miniaturen deuten Gedanken an. Und wir entdecken den Hasen-Enten-Kopf, der explizite Hinweis auf Wittgensteins Beschreibung der Deutungsspielräume in der Kunstbetrachtung, zwischen den Polen Figürlichkeit und Abstraktion. Vom „wiedererkennenden, dem Hang zum gegenständlichen Sehen“ wie Max Imdahl unseren ersten suchenden Blick beschreibt, hilft uns Dennis Fuchs zu einem „sehenden Sehen“ in Imdahls Sinne, das von der Bildautonomie ausgeht und nicht beim Suchen von Gegenständlichem steckenbleibt.

In den malerischen Arbeiten „Truth and Dare“, „Wiggle Room“ und „Minor Inconvenience“ (alle 2026) arbeitet Dennis Fuchs zwar prinzipiell mit den gleichen Techniken, aber es dominieren große Farbflächen. Die Arbeiten könnten geradezu als Zooming-Ins zu den Zeichnungen verstanden werden, hier mit verschwindend subtil gezeichneten Details und feinsten gesprühten Ausfransungen am Rand der Farbfelder. Die wiederum in den kleinformatigen „Arensdorf Fill-Ins“ (2025), in der berührungslosen Sprühtechnik gearbeitet, zum reinsten ‚Farbfeld-Airbrushing‘ werden. Ein schwebender Dunst füllt das monochrome Farbfeld gänzlich aus, was nicht pulsierend wirkt wie bei Rothko, eher vibrierend-schwebend oder in Auflösung begriffen. Bei anderen Arbeiten dieser minimalistischen Serie, wo gesprühte Linien das Farbfeld ausfüllt oder als Kontur umrandet, erreicht Dennis Fuchs den gleichen faszinierenden Effekt. Ein sinnliches Erlebnis – und wahrlich alles andere als cold soup!

Text: Dr. Klaus Ulrich Werner

Vernissage: Freitag, 20. Februar 2026, um 19 Uhr

Ausstellungsdaten: Samstag, 21. Februar – Samstag, 28. März 2026

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Bildunterschrift: Dennis Fuchs, Post-Whatever (detail), 2026, Acryl, Airbrush, Buntstift und Bleistift auf Holz, 96 x 96 cm

Ausstellung Dennis Fuchs – Laura Mars Gallery | Zeitgenössische Kunst Berlin | Contemporary Art | Ausstellungen Berlin Galerien | ART at Berlin

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