bis 28.03. | #4941ARTatBerlin | Sexauer Gallery präsentiert ab Freitag, 13. Februar 2026 (Vernissage: 12.02.) die Ausstellung „What if … forever“ des Künstlers Alexander Iskin.
In seiner achten Ausstellung bei SEXAUER mit dem Titel „What if“ … forever zeigt Alexander Iskin neue Arbeiten, die während eines Aufenthalts in Mexiko entstanden sind. Wie immer verbindet Iskin – Erfinder des Interrealismus – verschiedene Welten miteinander. Er arbeitete mehrere Monate in Mexiko-Stadt (Santa María la Ribera) und in Mazunte, einem kleinen Küstenort am Pazifik. Neben seiner künstlerischen Arbeit war er freiwilliger Helfer im Schildkrötenzentrum Centro Mexicano de la Tortuga. Dort erlebte er das Eierlegen, das Schlüpfen der Jungtiere, ihre Wanderung zum Meer, beobachtete Paarungen und begleitete eine Schildkröte beim Sterben. Doch Iskin wurde nicht zum Tiermaler – vielmehr lässt er uns durch seine Bilder in die Tiefe eintauchen: in die des Meeres und des Unbewussten.
Als Interrealist interessiert sich Iskin für Zwischenwelten und versucht, das Dazwischen – die Interrealität – erfahrbar zu machen. Erforschte er zunächst die Räume zwischen digital-virtueller und physischer Realität, wandte er sich 2024 in „Use the exit as an entrance“ der Welt der Geister und Mythen zu. In „What if“ … forever erweitert er diesen Raum erneut: Weniger kollektive Mythen stehen im Vordergrund als vielmehr die Verbindung zur Natur, der Tauchgang ins eigene Ich und die Erkundung des Unbewussten.
Einige Bilder begann Iskin in Mexiko-Stadt, kleinere Formate entstanden in Mazunte, vollendet wurden alle Arbeiten nach seiner Rückkehr. An der Playa Escobilla erlebte er unter Vollmond die Arribada – die Massenankunft tausender Meeresschildkröten zur Eiablage. Nach Jahrzehnten im Wasser kommen die Weibchen erstmals an Land, ihr Gewicht erhöht sich durch den fehlenden Auftrieb um ein Vielfaches. Unter großer Anstrengung graben sie Nester, legen etwa hundert Eier und kehren ins Meer zurück. Rund fünfzig Tage später schlüpfen hunderttausende Jungtiere gleichzeitig und krabbeln – meist bei Neumond – ins Meer. Nur eines von tausend erreicht das geschlechtsreife Alter.
Während Arribada und Nacimiento wird der Strand militärisch geschützt. Als Mitarbeiter des Zentrums erhielt Iskin nachts Zugang. Diese Erfahrungen wurden existenziell. Er ließ sie in seine Bilder einfließen und öffnet damit einen Raum zwischen Natur und Selbst – eine Interrealität.
Malerei ist immer auch Malerei selbst. Wahrnehmbar sind Bild und Emotion; mittelbar erfahrbar sind die Erlebnisse, aus denen sie entstehen. Einige davon werden exemplarisch mit bestimmten Arbeiten verbunden, um den Zugang zur Ausstellung zu erleichtern.
„Arribada“ entstand zunächst aus der Vorstellung einer solchen Ankunft und wurde nach Iskins Aufenthalt übermalt – eine zusätzliche Ebene, die dem Bild Schwere verleiht. „Golfina“ widmet sich einer sterbenden jungen Schildkröte, der er täglich Gesellschaft leistete. „Deconstructed“ basiert auf einer blind geborenen, ungewöhnlich weißen Meeresschildkröte mit nach innen gewölbtem Panzer.
„Nacimiento“ ist eine Schlüsselarbeit. Iskin setzte ein Aquarell auf Leinwand bewusst dem Regen aus, sodass unregelmäßige Farbverläufe entstanden. Während des Malens erkannte er ein vogelartiges Wesen – ein Verweis auf die Bedrohung der frisch geschlüpften Tiere. Nach dem realen Erleben des Nacimiento vollendete er das Bild.
„Historias del Caparacón“ greift die Struktur des Schildkrötenpanzers als biologisches Archiv auf. In feldartigen Segmenten und dichtem Duktus wird die Oberfläche zum Träger von Erinnerung.
„El Ritual“ entstand nach Iskins Rückkehr in Mexiko-Stadt. Eindrücke der Küste überlagern sich mit einer Massenveranstaltung zum Unabhängigkeitstag 2025 auf dem Zócalo, bei der Präsidentin Claudia Sheinbaum sprach. Die Gleichzeitigkeit dieser Erfahrungen ist für Iskin interreal.
Das Centro Mexicano de la Tortuga befindet sich auf dem Gelände eines ehemaligen Schlachthofs, in dem bis 1990 zehntausende Schildkröten jährlich getötet wurden. Heute widmet sich das Zentrum Aufzucht, Rehabilitation und Auswilderung, ist jedoch unterfinanziert. Zehn Prozent der Verkaufserlöse der Ausstellung gehen als Spende an das Zentrum. Ohne Iskins Aufenthalt dort wäre diese Ausstellung nicht möglich gewesen.
Meeresschildkröten zählen zu den am stärksten von menschlichen Einflüssen betroffenen Meerestieren: Plastik im Verdauungstrakt, Mikroplastik in Organen, Schadstoffe im Panzer, Tod in Fischernetzen, Verlust von Brutplätzen, Kollisionen mit Schiffen. Dabei sind sie das Ergebnis von über 120 Millionen Jahren Evolution. Das Schlüpfen, das Wachsen, die Kreisläufe von Leben und Tod – What if … forever.
Vernissage: Donnerstag, 12. Februar 2026, 18:00 – 21:00 Uhr
Ausstellungsdaten: Freitag, 13. Februar bis Samstag, 28. März 2026
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Bildunterschrift Titel: Alexander Iskin, It’s always the moon, 2025, oil on canvas, 20 x 25 cm, Photo: Marcus Schneider, Courtesy: SEXAUER Gallery
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