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Fiete Stolte

Der Berliner Künstler Fiete Stolte (*1979 in Berlin) studierte an der Kunsthochschule Weissensee bei Karin Sander. Stolte hat im Rahmen seines Studiums eine eigene Zeitrechnung entwickelt, nach der er seit seinem Abschlussjahr 2007 lange lebte und arbeitete. In dieser Zeitrechnung zählt die Woche acht Tage und ein Tag 21 Stunden anstelle von 24. Sein Kunstwerk „8 Day Week Clock“ von 2007 lässt sich als Uhr bzw. Messgerät zu dieser Zeitaufteilung betrachten. Die Absurdität dieser strukturellen Veränderung, in der nichts gewonnen wird, ist Stolte durchaus bewusst. Dennoch verspürte er durch die veränderte Struktur vor allem eine qualitative Veränderung. Mittlerweile wurde aus dem künstlerischen Ansatz der Zeitökonomie, der sich früher durch seine Arbeiten zog, ein persönlicher Freiraum, eine Art Refugium. Seine Werke, in denen es hauptsächlich um ein Hinterfragen und Anders Denken der Wirklichkeit geht, finden sich u.a. im Museum Morsbroich (2015), Museum of Contemporary Art in Taipeh und dem Reykjavik Art Museum und waren auch auf der Moscow Biennial for Young Art, Art Berlin Contemporary, Art Basel und zuletzt auf der Biennale in Venedig (2017) zu sehen. Wir hatten ihn im September 2017 im Interview.

Fiete Stolte. IM INTERVIEW. IN|DEEDS.

Zwei Sätze zu Deiner Vita.

Von Berlin aus führte mich mein Lebensweg bisher um die Welt und wieder nach Berlin.

Worüber machst du dir zurzeit am meisten Gedanken; was beschäftigt Dich?

Alles ist definiert, bemessen, geplant, genormt. Im digitalen Zeitalter scheinen wir alles zu kennen ohne irgendetwas zu begreifen. Ich versuche diese Realität zu ertasten, in Form zu gießen und  wechselnde Aggregatzustände zu testen. Das Ausloten der Materialgrenze helfen mir eigene Formen und Räume zu definieren manchmal zu überschreiten. Bildhauerisch aber auch philosophisch betrachtet ergeben sich neue Zusammenhänge und Möglichkeiten mit dem Anwesenden umzugehen. Manchmal auch durch bewusstes Aussparen von Material.

Wie bist du zur Kunst gekommen?

Die Kunst ist zu mir gekommen und jetzt werde ich sie nicht mehr los.

Was macht dich glücklich?

Glücklich macht es mich in Hinsicht auf die Kunst, wenn es mir gelingt mich als Mensch und meinem Körper und meine Sinne zu überwinden, zu überlisten und meine eigenen Vorstellungen zu unterlaufen. Die zähe Eigenwilligkeit des Materials fordert mich immer wieder heraus. Manchmal gibt es für eine Betrachtung auch keine materielle Entsprechung, dann bleibt es ein freier Gedanke ohne äußere Form.

Angst machen mir die Formen, die Menschen akzeptieren ohne nachzudenken. Glaubenskonstrukte, die sich der eigenen Messbarkeit entziehen. Poesie ist wichtig als sprachliches Spiel, eine rein wissenschaftliche rationale Welt würde mich ernüchtern. Trotzdem empfehle ich Glauben aus der eigenen Erfahrung zu überprüfen. Als Künstler habe ich da einen  Raum innerhalb dessen ich experimentiere und spiele, ohne dass die Auswirkungen größere Konsequenzen haben als ein gutes oder schlechtes Kunstwerk. Angst macht es, wenn Menschen die Macht haben, das außerhalb der Kunst zu tun.

Was macht Deine Kunst aus? Und kannst Du die Intention Deiner Kunst mit uns teilen?

Zur Beantwortung dieser Frage stehen meine Kunstwerke zur Verfügung, die bei jedem Betrachter eigene Assoziationen hervorrufen können (und sollen).

Wie schützt Du Dich in der heutigen Zeit vor zu viel Inspiration?

Tatsächlich gibt es viel was inspiriert auf den ersten Blick, aber auf den zweiten weniges. Manches lege ich zurück, lass es reifen, manches konserviere ich, manches muss sofort verwertet werden. Tatsächlich nehme ich die Welt um mich herum auf, aber die Werke entstehen aus Selbstverdautem. Daraus entstehen konzentrierte Extrakte.

Überall verändert sich alles und ich verändere mich auch permanent, mein Blick und mein Interesse ist nicht dauerhaft derselbe, das wäre schlimm. Ich bin beweglich.

Wie beurteilst Du die aktuelle Entwicklung des Kunstmarktes?

Kunstmarktstatements als Künstler schwierig, bis sinnlos. Ich bin ein Teil davon. Manche Dinge sind berechenbar, andere komplette Überraschungen. Ich versuche mich nicht so beeindrucken zu lassen und fort zufahren. Arbeiten hilft.

Zwei Sätze zu Deinem aktuellen Projekt. Und was sind Deine (nächsten) Ziele?

Meine aktuelle Arbeit und das nächste konkretes Ziel sind die Aushebelung der Unendlichkeit, nein ich bin nicht Gott, und  auch nicht David Copperfield,  aber es ist ja eh Betrachtungssache, wie es sich mit der Unendlichkeit verhält.

Wem zeigst du als erstes dein neues Werk?

Auf jeden Fall meiner Frau. Obwohl sie auch schon im Prozess involviert ist …!

War die Teilnahme als Künstler an der Biennale in Venedig für Dich eine Premiere?

An kleineren Biennalen habe ich schon teilgenommen, aber an „La Biennale“ habe ich natürlich das erste Mal teilgenommen.

Was hat die Biennale Dir persönlich gegeben?

Diese Teilnahme hat in dieser Hinsicht einiges in Bewegung gebracht und wir sind mit interessanten Personen im Gespräch.

Hier geht es zur Webseite des Künstlers.

Foto: Fiete Stolte, Suits, 2012 – via Fiete Stolte

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