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Christine Jackob-Marks

Christine Jackob-Marks wurde in Mainz geboren. Sie lebt und arbeitet als Malerin in Berlin und auf Ibiza.

Geboren und aufgewachsen in Mainz, entschied sich Christine Jackob im Alter
von 17 Jahren nach London zu gehen, um sich an der Royal Academy of
Dramatic Art um einen Studienplatz zu bewerben. Ihre Bewerbung wurde knapp
abgelehnt, wenn auch mit einer ausdrücklichen Einladung, es im folgenden Jahr
erneut zu versuchen. Dennoch: Die Weichen waren gestellt. Sowohl vom
Schauspiel als auch von der Malerei an- gezogen, entschied sie sich dafür, der
Malerei nachzugehen. London schien der perfekte Ort dafür zu sein. Eine
unglaub- lich große Bandbreite an künstlerischen Arbeiten war hier zu
entdecken, allen voran die Gemälde der Impressionisten und Alten Meister in
der National Gallery.
Dennoch zog sie nach einer relativ kurzen Zeit nach Paris, das noch immer
weithin als die Stadt der Künste des neunzehn- ten und zwanzigsten
Jahrhunderts galt. Mit einer Empfeh- lung bewarb sie sich für die Klasse des
französischen Malers Ives Breyer an der Académie de la Grande Chaumière,
einer der ältesten Akademien in Paris. Hier war es, wo sie ihre ers- ten Bilder
nach Modellen anfertigte, was mehr ihrem Interes- se an den Menschen
entsprach, als es die Landschaftsmalerei damals tat. Während dieser ersten
Phase stürzte sie sich in das Pariser Leben, nahm an Ausstellungen teil und
besuchte häu g den Louvre, um dort die Meisterwerke zu studieren. Dabei sei,
so sagt es die Künstlerin, die Ausstellung von Matisse’ späten guralen Gemälden
besonders einprägsam gewesen. Auch Modiglianis Arbeit, seine Art, die Figuren
in einem reduzierten und schmucklos-strengen Stil zu malen, hat sie beein usst.
Zwei Bilder sind aus dieser Zeit geblieben: ein sich zurücklehnender Akt und
eine weibliche sitzende Figur. Beide rücken die eleganten und üppigen Körper
ihrer Modelle in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit.
Nach dieser Pariser Phase von ungefähr achtzehn Monaten kehrte Christine
Jackob nach Deutschland zurück, wo sie sich ursprünglich an der Münchner
Akademie der Bildenden Künste beworben hatte. Ein deutscher Maler, dem sie
in der Zwischenzeit vorgestellt worden war, riet ihr aber, an der Hochschule der
Künste Berlin (heute Universität der Künste Berlin/UdK) zu studieren. Sie traf
Hans Jaenisch, den Male- reiprofessor für das erste Studienjahr. Auf seine
Empfehlung hin bewarb sie sich, absolvierte die Aufnahmeprüfung und erhielt
einen Studienplatz in der Bildenden Kunst. Das Nach- kriegsberlin faszinierte die
Künstlerin: Völlig zerstört, schien es am Ende und gleichzeitig neu geboren zu
sein. Nach der traumatischen Periode des Nazismus und dem verlorenen Krieg
erwachte Berlin von Neuem. Viele junge Männer waren hierher gekommen, um
dem Militärdienst zu entgehen. Auch war die Stadt unter der Aufsicht der
alliierten Streitkräfte Frankreich, Russland, Großbritannien und den Vereinigten
Staaten weitaus aufgeschlossener als andere deutsche Städte.
Ein ideales Umfeld, um ihre künstlerischen Fertigkeiten zu erweitern –
gleichzeitig wurde Christine Teil einer Gruppe von Studenten, die durch
gemeinsame Aktionen und Inter- essen verbunden waren. Sie erinnert sich an
Ausstellungen in bekannten Galerien, zum Beispiel in der Galerie Rosen und der
Galerie Bassenge in West-Berlin. Auch René Block traf sie: Er vertrat die
experimentelleren Künstler, mit Joseph Beuys an der Spitze.
1960 begegnete Christine Jackob dem Architekturstudenten Volker Theissen –
eine Begegnung mit Folgen: Sie heirateten schon kurze Zeit später und
bekamen ihr erstes Kind, Anna Jessica. 1964 folgte der Sohn Jan-Felix. Zwischen
Studium und familiären Verp ichtungen hin- und hergezogen, ent- schied sie, die
Malerei aufzugeben, und besuchte stattdessen die Klasse in angewandter Kunst
bei Professor Hartmann.
Zu dieser Zeit wurde Christine dem amerikanischen Fotogra- fen Will McBride
vorgestellt, der Mitte der 1950er-Jahre nach Berlin gekommen war. Er war Teil
von Christines Clique, seine Leica-Kamera hatte er immer dabei, um das
„zwischen den urbanen Ruinen durchschimmernde Leben“ festzuhalten, zum
Beispiel die spontanen Partys, die auf Riverboat Shu e von 1959 so prägnant
dargestellt sind. Christine erinnert sich, wie sie in Pferdefuhrwerken durch die
Stadt fuhren und das Leben genossen, und daran, wie Will McBride immer fotogra
erte, was um ihn herum geschah.
Um Geld zu verdienen, begann Christine bei einem Berliner Designstudio zu
arbeiten. Auf diese Zeit zurückblickend, er- innert sie sich an die Kombination
von Disziplin und Freiheit, die nötig war, Entwürfe für Sto e und Tapeten zu
entwickeln. Zur damaligen Zeit waren die angewendeten Techniken
vergleichsweise simpel, gab es doch noch keine digitalen Werkzeuge, keinen
Computerbildschirm oder Ähnliches.
Die Motive wurden mit Tusche gezeichnet oder gemalt, oft gewachst und
schließlich ausgekratzt.
Doch dann tauchte etwas auf, das ihrem Leben eine ganz neue Wendung gab:
Die Zeit der „Studentenrevolte“, die ab Mitte der 1960er-Jahre über ganz
Europa und die Vereinig- ten Staaten hinwegfegte, war auch für Christine
Jackob eine Phase der Politisierung. In vielerlei Hinsicht war Berlin eine Insel,
überschattet von der Vergangenheit – einer Nazi-Ver- gangenheit, mit der
Christines Generation abrechnen wollte, um eine Wiederholung dieser Zeit für
immer auszuschließen. Sie nahm an Sit-ins und Demonstrationen gegen den
Viet- namkrieg und andere weltpolitische Ereignisse teil, wurde Mitglied eines
politischen Agitprop-Straßentheaters, das überall in der Stadt und auch vor den
Fabriktoren auftrat. Christine malte die Bühnenbilder und übernahm Rollen. Der
Künstler, Schauspieler und Theaterdirektor Günter Meisner gestattete der
Truppe, seine Galerie Diogenes für Proben zu nutzen. Diogenes stand in den
frühen 1960er-Jahren für eine bemerkenswerte Auswahl an Künstlern: Heinz
Mack, Günther Uecker, Otto Piene, Yves Klein und andere.
In dem von Christine und ihrem Mann gekauften Haus begannen sie, die obere
Etage an das Berliner Künstlerpro- gramm des DAAD zu vermieten. Zu
verschiedenen Zeiten in den späten 1960er-Jahren waren Künstler wie Lawrence
Weiner, Franz Gertsch und Roman Opalka dort unterge- bracht. Gertschs
Fotorealismus faszinierte die Künstlerin ebenso wie die gewaltige Ausstrahlung
der Gemälde des befreundeten Malers Markus Lüpertz, von dem Theissen
mehrere Arbeiten erwarb.
Die Frage danach, „wie man die Gesellschaft verändern kann“, blieb wichtig für
Christine. Auf die Fragen der Zeit schien ihr die Malerei keine Antwort geben zu
können. Veränderung sollte „von unten“ geschehen und zwar in und mittels der
Arbeit mit Kindern. Sie studierte Erziehungs- wissenschaft und arbeitete
anschließend als Therapeutin für verhaltensau ällige Kinder und deren Eltern.
Bei dieser Arbeit begegnete sie auch dem Kleinkind Mine, das sie und ihr
zweiter Ehemann Alan Marks später adoptierten.
Ungeachtet aller persönlichen und internationalen Ereignis- se verspürte
Christine das Verlangen wieder zu malen und meldete sich in einer Malgruppe
an, die Kurse in Aktzeichnen und Stilllebenmalerei anbot. Schon früher in ihrer
Karriere hatte sie Porträts und Stillleben mit Eitempera gemalt. Nun jedoch
begann sie im Freien, en plein air, zu malen und ent- deckte die
Landschaftsmalerei für sich.
Mit Macht fühlte sie sich zu ihren Wurzeln zurückgezogen, „zu malen, malen,
malen“. Die Kunstszene – zu der Gerhard Richter, Otto Piene, Emil Schumacher
und Anselm Kiefer gehörten – und auch die Inspiration, die sie beispielsweise
aus dem Werk Paul Cézannes und Gustave Courbets und aus der großen
Ausstellung Zeitgeist im Martin-Gropius-Bau 1982 erfuhr, ließen ihre Umwelt in
neuem Licht erscheinen und motivierten sie dazu, diese in eigenen Werken
auszudrücken. Beein usst wurde sie auch von der 1991 in Berlin statt nden- den
internationalen Kunstausstellung Metropolis, aber nicht minder von den
Menschen, Tieren und der Landschaft, die sie umgaben. In Serien einfacher
Zeichnungen und mit Farbe auf Leinwand entwickelte und erforschte die
Künstlerin ihre Technik. Manchmal scheinen die Arbeiten wie aus einem puren
Farbmeer konstruiert: lebendige Rottöne, Gelb und düsteres Blau, aus denen
sich Formen erheben, um wieder mit dem Untergrund zu verschmelzen.
In den frühen 1980er Jahren, nach der Scheidung von Volker Theissen, traf
Christine Jackob den Musiker und Solopianisten Alan Marks, der ihr zweiter
Ehemann wurde. Mit wiederbe- lebter Stärke und neuer Inspiration kehrte sie
zum gurati- ven Bild zurück. Sie knüpfte dort an, wo sie aufgehört hatte und
entwickelte einige ihrewr frühen Arbeiten von 1958 weiter: eine Serie weiblicher
Figuren, die sie nun überarbei- tete, indem sie schwarze Farbe auf den
Hintergrund um die Figur auftrug, woraus eine farbliche Reduktion einerseits
und eine dramatische Darstellung der menschlichen Figur ande- rerseits
resultierten.
1984 hatte Christine Jackob ihre erste Ausstellung. Sie zeigte hauptsächlich
Stillleben, aber auch drei Grabsteingemälde, die die hebräische Inschrift „Ihre
Seelen bleiben unter uns“ trugen. Nun, da sie mit Alan Marks, einem
Amerikaner mit jüdischen Wurzeln, verheiratet war, wurde sie erneut mit den
nationalsozialistischen Verbrechen konfrontiert.
Neben anderen Ausstellungen präsentierte Christine 1988 ihre Arbeiten in der
Galerie am Savignyplatz in Berlin. Sie zeigte Bilder und Arbeiten auf Papier
sowie einige neue figurative Stücke. Im Mittelpunkt standen eine Reihe von
Landschaftsbildern der Wüste Negev in Israel, die sie kurz zuvor mit ihrem Mann
besucht hatte, und Landschaftsbil- der, die die Umgebung des Berliner
Schlachtensees zeigten. Seither werden ihre Arbeiten kontinuierlich ausgestellt.
In den Arbeiten von 2001 ist bemerkenswert, dass die Land- schaften
verhaltener geworden sind: Sie wirken ruhiger und eher durch die Linien und
Formen der Landschaft struktu- riert. Für eine Ausstellung im Jahr 2005 fertigte
Christine eine Serie relativ großformatiger Blumenbilder in vollen, lebendigen
Farben an und zeigte diese neben Interpretati- onen von Baumgruppen, wie sie
auf ihrer zweiten Heimat Ibiza anzutreffen sind. Die Arbeiten bezeugen ihre
Faszi- nation und die Beschäftigung mit der einst vulkanischen, steinigen
Landschaft Ibizas und rufen zugleich den Kosmos und jene alchemistischen
Kräfte, deren Teil wir alle sind, ins Gedächtnis. Andere Arbeiten zeigen Akte auf
Leinwand: reduziert, gestisch in der Pose, prägnant in der Darstellung vor einem
monochromen Hintergrund. Das, so sieht es Mark Gisbourne, verweist auf ihre
Zeit in Paris und auf den Ein- fluss der Scherenschnitte von Henri Matisse. Seit
2008 hat sich die Künstlerin auf Landschaften und Tiere konzentriert: Elefanten,
Affen, Pferde, Bullen, Wale und natürlich Hunde, die über alle Jahre ihre
ständigen Begleiter gewesen sind.
Christine Jackob-Marks hat nie aufgehört, die Kunst in all ihren
Erscheinungsformen zu erforschen und mit ihren Zeichnungen und Gemälden
ein tieferes Verständnis der sie umgebenden Welt zu erlangen.
(Charles Merewether)

Die Künstlerin wird in Berlin vertreten durch die Galerie DNA Berlin.

> Zur Ausstellung

Künstlerischer Curriculum Vitae

  • 1959-60 Académie de la grande Chaumière, Paris
  • 1960-64 Staatliche Hochschule für Bildende Künste, Berlin, Studium bei Prof. Jaenisch, Prof. Janssen und Prof. Hartmann
  • 1964-70 Design Studio Berlin
  • 1973-79 Freie Universität Berlin, Studium der Erziehungswissenschaften
  • 1979-87 Mitarbeit im Jugendpsychatrischen Dienst, Zehlendorf
  • 1990-92 Dozentin Hochschule der Künste,Berlin
  • 1992-93 Dozentin Thüringische Sommerakademie.
  • 1995 Erster Price “Denkmal für die ermordeten Juden in Europa”Seit 1998 regelmäßig Ausstellungen im In-und Ausland.

Ausstellungen

Einzelausstellungen

  • Solo shows
  • 2016
    Christine Jackob-Marks – Es muß im Leben mehr als Alles geben – DNA, Berlin
  • 2012
    Christine Jackob-Marks – Landschaftsansichten – Galerie im Körnerpark, Berlin
  • 2010
    Tiere – Galerie im Körnerpark, Berlin
  • 2009
    Christine Jackob-marks – Kunststiftung Poll, Berlin
    Tiere und Landschaften – Galerie Poll, Berlin
  • 2001
    Erd-Wandlungen – Christine Jackob-Marks – Galerie Poll, Berlin

Gruppenausstellungen

  • 2014
    Es werde Licht – Galerie im Körnerpark, Berlin
  • 2011
    Herbstsalon – Galerie am Savignyplatz, Berlin
  • 1994
    Berliner Kabinett – Zeichnungen (III) – Galerie im Turm, Berlin

Literatur / Kataloge

  • Christine Jackob-Marks 2016 – Monographic Catalogue: Es muss im Leben mehr als alles geben
  • Christine Jackob-Marks – Tiere und Landschaften 2006⁄2008
  • Christine Jackob-Marks 2003⁄2004
  • Christine Jackob-Marks – Erdwanderungen 2000⁄2001
  • Christine Jackob-Marks 1998⁄1999
  • Christine Jackob-Marks 1996⁄1997
  • Christine Jackob-Marks – Zeichnungen 1991⁄1992
  • Bilder 1991⁄1992
  • Bilder 1992⁄1993
  • Bilder 1994⁄1995
  • Christine Jackob-Marks – Bilder und Zeichnungen 1988⁄1990

Hier geht es zur Website der Künstlerin.

Bildunterschrift: Christine Jackob-Marks 1960, Will McBride

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