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Moritz Schleime

Moritz Schleime (*1978, Berlin-Köpenick) studierte an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee Malerei und Grafik bei Hanns Schimansky und Werner Liebmann (1998 bis 2004), wo er als Meisterschüler abschloss. Seine Werke sind in Ausstellungen und internationalen Sammlungen vertreten (u.a. Stiftung Olbricht, SOR Rusche Collection. Schleime ist Sohn der Malerin Cornelia Schleime. Wir hatten ihn im Februar 2018 im Interview.

Moritz Schleime. IM INTERVIEW. IN|DEEDS.

Zwei Sätze zu Deiner Vita.

Geboren in Ost-Berlin. Lebe und Arbeite.

Worüber machst du zurzeit am meisten Gedanken; was beschäftigt Dich?

Ehrlich gesagt versuche ich gar nicht mehr viel zu denken. Es hat eigentlich nie wirklich was eingebracht außer unheimlich viele Zigaretten die man dabei raucht. Es ist wichtig eine Haltung zu haben die von ganz Innen her kommt und der zu Vertrauen und nicht alles erzwingen zu wollen sondern gelassen zu bleiben. Es kommt doch meist alles von alleine wenn die Zeit dafür bereit ist. Das ist zumindest meine Erfahrung.

Wie bist Du zur Kunst gekommen? Warum Kunst?

Ich wollte eigentlich nur meiner damaligen Freundin ein ganz tolles Bild malen um sie zurückzugewinnen, ein richtiges Meisterwerk, aber das dauerte an, ist immer noch nicht wirklich passiert. Und mit dieser damalige Freundin, irgendwann war sie vergessen.

Was macht Dich aktuell glücklich? Was macht Dir aktuell Angst?

Wenn die Sonne scheint und die Vögel zwitschern und ich dazu gut gemalt habe, um danach am See mit Buch und Freunden, vor allem meiner Freundin zu sein, dazu Bossa Nova aus dem Radio kommt und ich Manuel Neuer den Fußball durch die Beine mit Fallrückzieher schießen werde.

Angst keine Ahnung, vielleicht davor manchmal das die gesamte Welt doch nur eine oder sogar meine Einbildung ist, obwohl das ja schon wieder fast lustig wäre.

Was macht Deine Kunst aus? Und kannst Du die Intention Deiner Kunst mit uns teilen?

Ich weiß das wirklich nicht und das war auch schon immer so. Ich mach einfach. Go with the Flow mit dem Leben. Ich bin mir aber sicher wenn mir mein Bild selbst zusagt und es rockt wird es auf diesem Planeten mindesten einen anderen Menschen geben für den dieses Bild auch gemalt wurde.

Wie schützt Du Dich in der heutigen Zeit vor zu viel Inspiration?

Ich bin sehr sehr selten im Internet und vertraue weiterhin auf die zufälligen Ideen, vom unterm Kneipentisch oder beim über die rote Ampel laufen. Ich habe auch ein leeres Zimmer in das ich mich ab und zu setze und da passiert unglaublich viel mit mir und in mir. Am Ende entstehen aber die meisten Bilder von zerstören von Bildern und Ideen.

Wie beurteilst Du die aktuelle Entwicklung des Kunstmarktes?

Der Kunstmarkt ist mir ziemlich Wurscht, ich bin auch nicht gegen ihn, aber ich habe mit der Zeit gelernt den ganzen Hype-Hype & das hochgehüpfe neben mir zu lassen und mich einfach auf meine Arbeit zu konzentrieren, als permanent in den Dreierreihen zum Futtertrog des Kunstmarktmonsters zu stehen um auf die angemessene Dosis Alkohol und Anerkennung zu warten.

Was ich allerdings nicht missen möchte, sind all die wunderbaren Bekanntschaften zu Gleichgesinnten die ich bisher machen durfte. Da gab es komische Zeiten da war das manchmal eher „Markt“, jetzt ist es wieder mehr „Szene“, es ist wieder menschlicher und freudevoller geworden und das ist eine gute Entwicklung. Aber da hat auch jeder seine eigene Wahrnehmung und Realität.

Zwei Sätze zu Deinem aktuellen Projekt.

Es ist immer viel parallel zu tun. Das intensivste in nächster Zeit wird die Arbeit an meiner Einzelshow „Feuer & Flamme“ zum Herbstrundgang im Laden für Nichts auf der Baumwollspinnerei in Leipzig sein. Wahrscheinlich wird mir der Titel bis dahin zu peinlich sein.

Was sind Deine (nächsten) Ziele?

Im Grunde ist immer der Moment das Ziel, mit voller Aufmerksamkeit ihn zu erleben. Ansonsten täte mal eine schöne Reise ganz gut. Am liebsten würde ich nach Machu Picchu. Habe allerdings Flug- und Höhenangst. Somit würde das vielleicht auch der letzte Gang werden und das hebe ich mir für ganz viel später auf. Also 2078!

Wenn Du kein Künstler geworden wärest, was wäre dann stattdessen aus Dir geworden?

Auf jeden Fall Formel Eins Pilot!

Worum geht es in Deinen Werken?

Dreck, Humor, Romantik und einen Eindruck davon zu erfassen von der Zeit in der ich lebe.

Stammen Deine Inspirationen immer aus eigenen Erlebnissen?

Hin und wieder.

Glaubst Du, dass Kunst eine gesellschaftliche Verantwortung trägt?

Weiß ich nicht, ich habe eher den Eindruck das Kunst doch noch mehr außerhalb der Gesellschaft existiert und sich meist selbst reflektiert und keine wesentliche Rolle global spielt. Minimal vielleicht kann Kunst den einzelnen Menschen oder eventuell auch mal ein ganzen Land in seinem Denken und Fühlen verändern. Aber wenn man mal außerhalb der Metropolen und des Kunstsuds unterwegs ist merkt man es geht wirklich um andere Dinge. Ich glaube man hat eher eine menschliche Verantwortung allen anderen Lebens gegenüber. Trotzdem glaube und hoffe ich, dass die Kunst sich mehr und mehr für alle Menschen in den Alltag integriert wie z.B. die Sprache und etwas ganz natürliches wird.

Liegt bei Dir Kunst in der Familie?

Ja mein Vater ist Maler.

Hast Du einen Galeristen? Wie hast Du ihn kennengelernt?

Nur über Parship in weniger als elf Sekunden. Nein, ich habe drei Galeristen und meist war es seltsame Fügung wie ich Sie kennengelernt habe.

Hast Du ein Glaubensbekenntnis – wenn ja, wie lautet es?

Hör auf Dein Herz.

Wie weit würdest Du gehen? Gibt es Tabus?

Keine Hamster in Mirkowellen stecken, Zak Mckracken!!!

Was war für Dich der unangenehmste Moment?

Eigene Soloshow-Vernissagen mag ich immer noch nicht.

Welches Projekt würdest Du gerne realisieren?

Einen riesigen Billard-Queue ins All bauen und die Erde versuchen in eines der schwarzen Löcher zu schießen. Wird aber zu kostspielig!

Interessiert Dich, was Sammler mit Deinen Arbeiten anstellen?

Es freut mich immer wieder, wenn ich von meinen Sammlern höre, dass Sie meine Bilder noch nicht den Hunden zum Fraß vorgeworfen haben.

Was sind aus Deiner Sicht Attribute für gute Kunst?

Na letztendlich ist ein Kunstwerk meist nur ein Gegenstand. Er muss einfach mich berühren, das kann ja sonst kein Gegenstand von selbst.

Welcher Schriftsteller und welche Bücher haben Dich am meisten beeinflusst?

Der Schneesturm von Vladimir Sorokin. Hat mich zwar nicht erheblich beeinflusst aber ich mag die Bildsprache sehr.

Wird man als Künstler geboren? Oder ist ein Kunststudium Pflicht?

Ich glaube es kommt nicht ausschließlich aber auch darauf an wie man geprägt wird. Warum nicht Formel 1 -Unterricht an allen Schulen?

Hat Berlin Einfluss auf Deine Kunst? Wenn ja, welchen?

Ja hat schon Einfluss. Jeder Ort hat seine eigene Energie. Berlin ist halt eine große Kneipe und diese Jukebox des Lebens braucht es auch für die Inspiration. Doch tut es immer gut hier wieder weg zu gehen gehen um immer wieder herzukommen.

 

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