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bis 24.10. | #5170ARTatBerlin | Galerie Esther Schipper präsentiert ab Donnerstag, 10. September 2026 die Ausstellung “Fire Sermon” des Künstlers Tuan Andrew Nguyen.

Tuan Andrew Nguyens künstlerische Praxis untersucht die entscheidende Bedeutung des Geschichtenerzählens in verschiedenen Medien, darunter Video, Skulptur und Installation. Auf der Grundlage eines kontinuierlichen Engagements in der Gemeinschaft und umfangreicher Recherchen setzt sich sein Werk mit mündlicher Überlieferung, materieller Geschichte, kontinentübergreifenden Genealogien und den anhaltenden Auswirkungen kolonialer Politik auseinander. Nguyens filmische Arbeiten zeigen Geschichten über biografische, geografische und zeitliche Verflechtungen, in denen sich Fakten und Fiktion vermischen. Die skulpturalen Arbeiten des Künstlers sind eng mit seinem filmischen Œuvre verwoben.

ART at Berlin- Galerie Esther Schipper - Tuan Andrew NguyenTuan Andrew Nguyen, Fire Sermon, Esther Schipper, 2026. Photo © Andrea Rossetti

Die fünf in „Fire Sermon“ ausgestellten Mobiles bestehen aus in Vietnam geborgenen Artilleriegeschossen. Sie sind direkt von Nguyens Film „The Unburied Sounds of a Troubled Horizon“ aus dem Jahr 2022 inspiriert, in dem eine junge Schrottsammlerin von ihrer Mutter verstoßen wird, die glaubt, ihre Tochter sei besessen, weil sie eine seltsame Besessenheit dafür entwickelt hat, aus Bombenmaterial kinetische Skulpturen zu schaffen. In dem Film, der zwar fiktional ist, aber wahre Geschichten von Menschen verwebt, die von UXO (Unexploded Ordnance, nicht explodierte Kampfmittel) betroffen sind, wird deutlich, dass der biografische und historische Kontext der Figur bestimmte Assoziationen weckt: „Sind die nicht wie die Bombenangriffe, von denen du mir früher erzählt hast?“, fragt sie ihre Mutter. Diese Geschichte veranlasst sie dazu, Bomben in Glocken mit heilender Kraft zu verwandeln.

Nguyens Mobiles spielen mit der Vertrautheit des Betrachters mit Calders Werk, um uns in ihren Bann zu ziehen, und lassen uns dann ihre Fremdartigkeit erleben: Auf den ersten Blick ähnlich – farbenfrohe abstrakte Elemente, die durch leichte Bewegungen belebt werden, während sie anmutig im Gleichgewicht schweben –, machen die zentral positionierten Artilleriegeschosshülsen ihre Andersartigkeit sofort deutlich. Die materielle Geschichte des Objekts trägt ein Erbe des Traumas in sich, das die Vergangenheit wiederbelebt und ein neues Leben annimmt. Nguyens Verwendung von Calders verspielter Bildsprache verweist zudem auf die Grenzen der Form als autonomes Kommunikationsmittel. Als eine der führenden Figuren der Moderne wurden Calders Werke mit den Werten der USA während des Kalten Krieges und der politischen Neutralität in Verbindung gebracht, die dem Nachkriegsmodernismus zugeschrieben wurde. Tatsächlich war Calder jedoch ein aktiver Gegner des Vietnamkriegs, der Antikriegsmaterialien produzierte und 1977 aus Protest die US-amerikanische Presidential Medal of Freedom ablehnte.

ART at Berlin- Galerie Esther Schipper - Tuan Andrew NguyenTuan Andrew Nguyen, Fire Sermon, Esther Schipper, 2026. Photo © Andrea Rossetti

Für Nguyen hat der Gedanke, Materialien aus dem Vietnamkrieg einer neuen Verwendung zuzuführen, daher eine weitreichendere Bedeutung – sowohl in historischer als auch in spiritueller Hinsicht. Nicht explodierte Kampfmittel aus der umfangreichen US-Bombardierungskampagne, bei der während des Krieges Millionen Tonnen Munition auf Vietnam abgeworfen wurden, liegen nach wie vor im ganzen Land vergraben, gefährden Gemeinden und schränken die sichere Nutzung des Landes ein. In Anlehnung an die Tradition, nicht explodierte Kampfmittel in Vietnam in Alltagsgegenstände umzuwandeln, ist seine Umgestaltung in Kunstwerke ein Akt des Gedenkens und der Heilung. Nguyens künstlerisches Schaffen baut, wie er es ausdrückt, auf „der Kraft auf, etwas, das für Zerstörung und Schaden bestimmt war, in etwas zu verwandeln, das die Möglichkeit zur Heilung birgt“. Der Künstler nimmt diese Idee wörtlich, denn die zentralen Artilleriegeschosshülsen jedes Werks fungieren als Glocken, die auf eine Frequenz gestimmt sind, der heilende Eigenschaften zugeschrieben werden.

Der Titel der Ausstellung, „Fire Sermon“, bezieht sich auf die buddhistische Schrift „Ādittapariyāya Sutta“, in der sinnliche Erfahrungen als von Leidenschaft, Abneigung, Verblendung und Leiden „verbrannt“ beschrieben werden. Befreiung wird durch Loslösung oder Nicht-Anhaftung erlangt.

Vernissage: Donnerstag, 10. September 2026

Ausstellungsdaten: Donnerstag, 10. September – Samstag, 24. Oktober 2026

 

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Bildunterschrift Titel: Tuan Andrew Nguyen, Fire Sermon, Esther Schipper, 2026. Photo © Andrea Rossetti

Ausstellung Tuan Andrew Nguyen – Esther Schipper | Zeitgenössische Kunst in Berlin | Contemporary Art | Ausstellungen Berlin Galerien | ART at Berlin

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