post-title David Zink Yi + Angie Keefer | Being the measure | König Galerie (Chapel) | 25.08.-23.09.2018

David Zink Yi + Angie Keefer | Being the measure | König Galerie (Chapel) | 25.08.-23.09.2018

David Zink Yi + Angie Keefer | Being the measure | König Galerie (Chapel) | 25.08.-23.09.2018

David Zink Yi + Angie Keefer | Being the measure | König Galerie (Chapel) | 25.08.-23.09.2018

bis 23.09. | #2124ARTatBerlin | König Galerie (Chapel) zeigt ab 25. August 2018 die Ausstellung Being the measure des Künstlers David Zink Yi in Kollaboration mit Angie Keefer.

Ich weiß nicht, wo du gerade bist, geografisch oder spirituell gesehen, aber ich sitze an meinem Schreibtisch, es ist August, es ist Sommer, ich befinde mich im Obergeschoss, direkt unter dem Dach, und es ist so heiß, es fühlt sich an als würde meine Haut schmelzen. Ich blicke auf drei halbleere, kunststoff-abgebende Wasserflaschen, die deshalb nur halb ausgetrunken sind, weil jedes Mal, wenn ich eine halb ausgetrunken habe, das verbleibende Wasser in der Hitze kränklich lauwarm wird und der Flaschenhals seltsam beschlägt, so, dass das Wasser faulig schmeckt und ich rausgehen und im Laden um die Ecke eine neue Flasche kaufen muss, damit ich ein paar Schlucke akzeptables Wasser trinken kann, um die ganze vitale Körperflüssigkeit auszugleichen, die ich verliere, während ich hier sitze, in meiner Unterwäsche, auf einen augen-durchbrennenden LED-Bildschirm schaue und ein paar Plastikknöpfe auf einer hitzeabgebenden titanummantelten elektronischen Computer Maschine drücke.  Ich habe keinen Kühlschrank und keine Klimaanlage in meinem Studio und zwar weil in der Vergangenheit, bis ungefähr letzten oder vorletzten Sommer, also bevor eine kritische Masse an Freunden und Nachbarn sich dachte, „Hey, weißt du was, vielleicht hatte der Faschismus die ganze Zeit über bloß einen schlechten Ruf“, und sich dann darin verrannt hat, radikale Propaganda im Internet zu liken und das dann bald schon gemeinsam, live und öffentlich, und dann damit weitermachte, einen Haufen von autokratischen Diktatoren zu wählen, um Ersatzbefriedigungen wie Feindseligkeit und Blutrausch auf einer globalen Ebene zu befeuern, wir keine Klimaanlage brauchten wo ich gerade sitze, weil wir noch nicht über den point of no return des Klimawandels getreten waren, noch nicht so rapide den öligen Abhang in das Öko-Trauma herabgerutscht sind, das unsere wahrscheinlichste Zukunft darstellt und auch die unserer Kindes Kinders Kinder, sollte so eine Generation jemals das Licht der Welt erblicken. Aber ‚#TBH, das eigentliche Problem auf das ich mich gerade wirklich konzentriere, in diesem Moment, hier an meinem Schreibtisch, betrifft diese eine Wasserflasche, die zufällig mit ihrem Rücken zu mir steht und die zufällig diesen Slogan auf ihrem Schild hat, das ich zufällig entdeckte, weil ich hier saß, nicht schrieb, denn wenn du versuchst, dein Leben etwas weniger scheiße zu gestalten, was du zwangsläufig tust, wenn dir so viel zu heiß ist, dann ist die Art von Aufgabe, die dich wirklich herausfordert und an die Grenzen deiner Fähigkeiten bringt, zu versuchen, eine direkte und einladende Beschreibung einer Kunstperformance zu schreiben – das wird besonders hart sein unter diesen Umständen. Und so, dem Job noch nicht direkt gewachsen seiend, wanderte mein Blick umher, und auch meine Gedanken wanderten, und deshalb habe ich überhaupt erst etwas bemerkt, das ich nun lesen konnte, was nämlich der Grund ist, warum ich so sensibel allem gegenüber bin, was so verkehrt mit uns ist. Was das Label sagt ist „WATER AT ITS BEST“. Water at its best. Water – at its best. Also, denk an Wasser. Und dann stell dir vor: Water at its best. Das ist es. Das ist der ganze Slogan, und so wie ich es sehe, ist das auch das ganze Problem, der Hauptgrund dafür, dass alles direkt den Bach runtergegangen ist. Du weißt, und ich weiß es auch, es gibt kein Water at its best. Es gibt Dürre, was überhaupt kein Wasser ist; es gibt dreckiges Wasser voller Abfall und toxischer Algen; es gibt gechlortes Wasser; es gibt Wasser aus dem Hahn, das ein bisschen braun rauskommt; es gibt lauwarmes Wasser in heißen Plastikflaschen mit höheren Mengen an synthetischen Molekülen als der Mensch vertragen kann, das außerdem Flussfische zu Hermaphroditen werden lässt; es gibt Wasser, Wasser überall um uns herum, und keinen Tropfen zu trinken, so als wenn der Ort, an dem du lebst, überschwemmt ist von Sturzfluten und dem steigenden Meeresspiegel; und dann gibt es Wasser, das man trinken kann. Es gibt sauberes, akzeptables Trinkwasser, und es gibt unakzeptables Wasser, und wenn die Leute, die darüber entscheiden, was auf das Label einer Wasserflasche gedruckt wird, sich auch nur ein klein wenig Gedanken über Politik und die Zukunft des Planeten machen würden, dann würden sie drucken „AKZEPTABLES WASSER“, auf das Label, nichts anderes, und wir wären alle besser dran, denn wir würden direkt mit nichts als der Realität umgehen können, ungeschmückter Wahrheit, und jeden Tag würden wir uns damit arrangieren, dass der einzige Unterschied zwischen den verschiedenen Wasserflaschen das Aussehen ihrer Verpackung und die Art von Mist ist, den die Wasserfirmen in etwas reinmischen, das schon perfekt war, um es in etwas weniger perfektes, aber besser vermarktbares zu verwandeln, und wir würden diese Einsicht nehmen und zu der Linse machen, durch die wir die Welt sehen und zum magnetischen Pol, um den herum wir unsere moralischen Kompasse kalibrieren. Außer, dass es in einer solchen Welt natürlich keine Nachfrage nach Wasser in Plastikflaschen gäbe, denn in einer solchen Welt könnten wir alle aus Bächen und Pfützen trinken, indem wir uns zur Quelle beugen und mit unseren zusammengefalteten Händen einen kleinen Becher formen, so rein wären die Erde und unsere Elemente. Nun, im Vergleich, ist die Performance, an der David Zink Yi und ich gemeinsam mit einigen der talentiertesten lebenden Musikern gearbeitet haben, erfrischend und belebend insofern, als dass, egal welche der knappen gesprochenen Worte, die einsickern, erst zögerlich, dann in bedeutungsschweren erschütternden Sätzen, sie dich erstaunen lassen und dich ergreifen, um dich dann an einen Ort des erhöhten Zustand des Seins zu führen, von dem es gut sein kann, dass er deinen Glauben an das Potential von Kunst, mit minimalen Mitteln bedeutsame Erfahrungen zu erschaffen, wiederherstellt. Ich kann dir versichern, die Arbeit ist akzeptabel. Aber wie du und ich nur allzu gut wissen, kann keine Menge von klarer, trinkbarer Wahrheit, die ich in diesen Abschnitt einfließen lassen könnte, keine bloße Beschreibung von wunderbaren Ereignissen, dir je diktieren, was du über „Being the measure“ denken solltest, denn du, mein Freund, bist kein Trottel. Deshalb musst du einfach erscheinen, am FREITAG, den 24. August um 19.30 Uhr in der Kirche St. Agnes, Alexandrinenstrasse, Berlin – dem Ort, an dem die Performance sich zuallererst entwickelte, während des leicht weniger glühenden, leicht demokratischeren Sommers 2016, nicht länger ein Haus Gottes, doch immer noch herrlich und eindrucksvoll als KÖNIG GALERIE –, um zu sehen und zu hören und für dich selbst zu ergründen, wie eine musikalische Komposition, improvisiert von einer Handvoll Genies, die komplexe Polyrhythmen auf farbenfrohen Sperrholzkisten klopfen, eine angemessene und zeitgemäße Antwort auf den Zynismus, den Anti-Intellektualismus, die Angst vor der Differenz und den Missbrauch von Macht sein kann, die ungezügelt durch unsere überhitzte Welt rasen.

Originaltext in Englisch – von Angie Keefer

„Being the measure“ bringt minimalistische skulpturale und musikalische Formen, basierend auf David Zink Yis intensiver Auseinandersetzung mit afro-kubanischen musikalischen Kontexten, mit einer spoken word Partitur komponiert von Angie Keefer zusammen, die sich mit gegensätzlichen physiologischen und philosophischen Konzepten von Sein und Wissen auseinandersetzt.

Für die Performance wird Zink Yi begleitet von den herausragenden kubanischen Musikern Marvin Diz (New York), Adonis Panter Calderon (Cuba), Gerardo De Armas Sarria, Alain Perez (Cuba/Spain) und Regis Molina (Berlin). Gemeinsam werden sie Zink Yis Installation aus klangbaren Skulpturen aktivieren, um eine improvisierte polyrhythmische Komposition zu generieren, durchdrungen von Keefers Text.

Ein Video, das 2016 während der erstmaligen Entwicklung dieser Performance in der Nave von St. Agnes aufgenommen wurde, wird in der Kapelle gezeigt.

„Being the measure“ wurde vom William College Museum of Art (WCMA) in Auftrag gegeben, wo die Performance erstmals Ende 2016 für ein live Publikum aufgeführt wurde.

Vernissage: Freitag, 24. August 2018, 18:00 – 21:00 Uhr

Performance: Freitag, 24. August 2018, 19.30 Uhr

Ausstellungsdaten: Samstag, 25. August –  Sonntag, 23. September 2018

 

Bildunterschrift: David Zink Yi, Being the measure, 2017, set of objects, video and possibility of a performance

Ausstellung David Zink Yi + Angie Keefer – Beeing the measure – König Galerie (Chapel) | Contemporary Art – Zeitgenössische Kunst in Berlin  – ART at Berlin 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Meisterwerke in Berlin

Viele beeindruckende Meisterwerke der Kunst aller Epochen können Sie in den Berliner Museen besuchen. Aber wo genau findet man Werke von Albrecht Dürer, Claude Monet, Vincent van Gogh, Sandro Botticelli, Peter Paul Rubens oder die weltberühmte Nofretete? Wir stellen Ihnen die beeindruckendsten Meisterwerke der Kunst in Berlin vor. Und leiten Sie mit nur einem Klick zu dem entsprechenden Museum. Damit Sie Ihr Lieblingsmeisterwerk dort ganz persönlich live erleben und in Augenschein nehmen können.

Lädt…
X
X

Send this to a friend